Ankara - Adana

Hässliche Hauptstadt. Rheinsalinen und ein Penis auf dem Tisch

Wo sind wir? Welcher Wochentag ist heute? Und welches Datum?

Zum ersten Mal zwei Nächte im gleichen Land. Die Cappuccino-Zone ist definitiv vorbei.
Dank dem Kalendereintrag eines der beiden «Vanishing Pointer» haben wir gewusst, dass heute Muttertag ist, und siebzehn brave Söhne und Töchter haben SMS und Mails heimwärts geschickt.

Ankara hat uns wenig begeistert. So rasch, wie wir wollten, sind wir aber nicht weggekommen, weil die Batterie von «Hot Wheels» ganz aufgegeben hat und sich der Ölverschleiss von «Das Teilchenbeschleuniger» dem Benzinverbrauch annähert.
Auf dem Weg nach Südosten sind die Bäume plötzlich aus der Landschaft verschwunden.
Kurz vor Aksaray haben wir beim Salzsee Tuz Gölü (mit 32.9% Salzanteil einer der salzigsten Seen der Welt) einen Stopp eingelegt.
Hier haben sich unsere Wege nochmals getrennt. Während das Frauenteam mit zwei Escort-Wagen zu den Höhlenkirchen im Ihlara-Tal gefahren ist, hat sich die andere Hälfte der Truppe auf direkten Weg Richtung Meer gemacht. In Adana hat uns feuchtwarme Luft empfangen. Um halb elf hat die Temperaturanzeige noch immer 24° angezeigt.

Sind Sie verheiratet? Mögen Sie Penis?
Beim Eincheken haben wir vier Doppelzimmer bestellt. Der Tresenmann hat auf Chris und mich gezeigt.
«You married?»
Kopfschütteln.
«Then no double Room.»

Auch der Versuch, uns als Verlobte zu verkaufen, hat nicht gefruchtet. Dafür habe ich in diesem DDR-Block mit angeschimmeltem Bad ein Vierbettzimmer für mich alleine gekriegt.

Um die Tradition des spät und ungesund Essens nicht zu unterbrechen, sind wir nach Mitternacht in eine Dürüm/Kebab-Kneipe eingebogen. Die Poulets waren so trocken, wie sie nach zwölf Stunden am Spiess sein müssen. Dafür haben wir zum ersten Mal heissen Hummus serviert bekommen. Nachmachenswert.

Plötzlich haben zwei andere Gäste einen Teller in unsere Mitte gestellt. Darauf präsentierten sich zwei biologisch abbaubare Gegenstände, bei denen es sich nur um gefüllten Genitalien eines mittelgrossen Tieres handeln konnte: Ein ausgewaschen lachsfarbener faltiger Beutel mit einem schlauchähnlichen Fortsatz.
«Thank you very much!»
«Gift, gift!», haben uns die beiden aufgefordert und nicht locker gelassen, bis einer von uns den Schaft heldenhaft mit der Gabel geteilt und sich ein Stück in den Mund geschoben hat.
«It’s .... äähm, pretty ... good!»