Auf den Leim gegangen

Ein Musterbeispiel der Manipulation: Jud Süss, der Film ohne Gewissen

Ein Lehrstück für Filmliebhaber: glaub nicht alles, was Du siehst.

Der Filmstoff ist gut. Es geht um ein echtes Leben während der denkbar schlechtesten Zeit. Der deutsche Regisseur Oskar Roehler, (Elementarteilchen) rekonstruiert die Geschichte eines Schauspielers während des Naziregimes in Deutschland. Ferdinand Marian hiess der Unglückliche, der in "Jud süss", einem üblen Nazipropagandastreifen von 1940, die Hauptrolle spielte. Emotionen sind also garantiert. 

"Jud Süss, Film ohne Gewissen" heisst nun Roehlers Film. Bezeichnenderweise, wie mir allerdings erst nach nach meinem Kinobesuch klar wurde. Das fehlende Gewissen bezieht sich wohl nicht nur auf den Nazifilm. Er passt auch ganz gut zu Roehlers Produkt. Denn an der Lebensgeschichte von Marian wurde geschraubt und zugespitzt, verfälscht und manipuliert, das es ein Graus ist. Propaganda, wie sie im Buche steht.

Darf ein Drehbuchautor eine Lebensgeschichte aus der Nazizeit so verdrehen ohne im Vorfeld dick über die Leinwand zu schreiben: nein, die Frau von Marian war keine Jüdin sondern Katholikin. Nein, es ist nicht bewiesen, dass Marian einem Juden das Leben gerettet hat. Nein, Marian wurde nach dem Film nicht arbeitslos sondern drehte noch gegen 20 Filme unter dem Naziregiem. Uns schliesslich, nein, es ist auch nicht bewiesen, dass er aus Selbsthass zum Alkoholiker wurde und seinem Leben ein Ende setzte.

Ich finde, nein, darf man nicht. Aber es macht das Drehbuch besser.

Die Fakten werden so manipuliert, dass Marian, der - aus welch unglücklichen Gründen auch immer - im echten Leben zum Täter wurde, dem Zuschauer am Ende des Films als hilfloses Opfer seiner Zeit erscheint. Diese Verdrehung der Tatsachen ist bei einem solch heiklen Thema unverzeilich.

Spannend hätte es werden können, wenn das auf historischen Tatsachen basierende Buch von Friedrich Knilli als Schauspielerfilm inszeniert worden wäre.

Schade.

Anina Rether