Autos und Frauen

Wer fährt besser Auto? Frauen oder Männer? Egal. Fakt ist: Frauen sind bei den Kaufentscheiden die treibende Kraft. Weshalb gibt es trotzdem kaum Frauen in der Autoentwicklung oder im Autojournalismus?

Die Themen sind fast ähnlich komplex:

Wer was von Autos versteht ist in der Männerwelt ein Hirsch.

Wer was von Frauen versteht, auch.

 

Kopenhagen, Ende September.

Nissan empfängt Journalisten aus der ganzen Welt, um den neuen Micra testzufahren.

Wunderschöne Location, knuffiges Auto.

Einmal in schwarz mit Automatik-Getriebe, einmal in neongrün mit manueller Schaltung.

Man muss nicht wahnsinnig aufmerksam sein um zu bemerken, dass die Testfahrer zu 99% aus Männern bestehen.

Eine einzige Frau ist mit dabei (mich ausgeschlossen, da ich als Nissan-Botschafterin quasi zur Crew gehöre).

"Kann man in Highheels gut Auto fahren?" - "Wie gefallen dir die Sitzpolster?" - "Da seid ihr bestimmt froh (ihr Frauen...), dass es in diesem Auto eine Parkhilfe gibt. Ist ja praktisch, meine Mutter freut sich auch schon drauf!" - "Ist schön, so ein kleines Auto zu fahren, gell? Da passt man als Frau gut rein, oder?"

Dass man nicht noch anbietet, das Auto zu starten und es aus der Parklücke zu fahren, hat mich sogar ein wenig erstaunt.

Autos und Frauen - das (an)erkennt man offenbar nur als Verkaufsargument. Es heisst dann korrekt: Autos unter Frauen.

 

Frauen fahren auf Autos ab. Doch doch.

Aber mal ganz realistisch: Statistiken belegen, dass beim Autokauf die Frau den entscheidenden Impuls gibt. Will heissen: Die Werbung sollte eigentlich viel mehr auf Frauen zielen, denn sie entscheiden schlussendlich, welches Auto vor der Familienwohnung zu stehen kommt.

Erstaunlicherweise ist es oftmals nicht das von Männern auf Frauen zugeschnittene Auto, das den Frauen gefällt, sondern das bullige Gefährt, das für Männer konzipiert wurde.

Richtig ist auch, dass Frauen genauso auf Autos abfahren wie Männer.

Aber - zugegeben - sind Männer und Frauen (auch hier) verschieden.

Der Mann möchte möglichst rasch von 0 auf 100 sein (weil dies dem Naturell entspricht?).

Die Frau möchte möglichst viel Sicherheit (weil dies ebenfalls dem Naturell entspricht?).

Der Mann möchte möglichst viel technischen Schnickschnack.

Die Frau möchte möglichst viel Stauraum (für Kinder, Shoppingtüten, Schwiegermutter).

Der Mann seufzt vor Glückseeligkeit, wenn der Motor tief und laut brummt.

Die Frau ist glücklich wegen der integrierten Sitzheizung.

Wir könnten die Liste alle unendlich fortsetzen.

Aber gerade darum frage ich mich: Weshalb gibt es nicht mehr Frauen in der Auto-Entwicklung, nicht mehr Auto-Journalistinnen, die die unterschiedlichen Bedürfnisse WIRKLICH abdecken und nicht nur Klischees bedienen, wie ich eben.

 

Und zum Schluss noch dies.

Die ewige Streitfrage: Wer fährt besser Auto? Frauen oder Männer?

Vergessen wir alle Statistiken: www.frau-am-steuer.de weiss es besser.

(Und für alle, die weiterlachen wollen: www.mann-am-steuer.de ).

 

Ach - und noch was: