Bussi, Bussi - der Schickeria-Blog

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Zwischen Cüpli, Bier und Blitzlichtgewitter: Eine Schweizerin mischt sich unter die deutsche Prominenz.

50 Grades of Shame

Nun ist er endlich in den Kinos: Der Film von einem Milliardär und seiner kleinen Prügel-Studentin. Bloggerin Deborah Neufeld singt ein Hasslied auf alle, die deswegen durchdrehen...

Gibt es ein Ereignis, das in den letzten Wochen für mehr Herzrasen gesorgt hat? Einen politischen Aufstand, eine Wirtschaftskrise oder ein Erdbeben, das mehr betroffen gemacht hat? Ich glaube nicht. In meiner kleinen Unterhaltungs- und Lifestyle-Welt drehte sich alles nur um «Fitfty Shades of Grey» - oder eben «Fifty Grades of Shame», wie eine Kollegin immer falsch sagt.

Eine Freundin brachte es auf den Punkt: «Eine Geschichte, in der eine 22-Jährige noch Jungfrau ist und dann zum Höhepunkt kommt, weil ein Typ ihren Bauchnabel streichelt, sollte man grundsätzlich nicht ernst nehmen.» Aber wer hört schon auf uns?

Und so stürmen rund um den Erdball die Menschen die Kinosäle und glucksen fröhlich vor sich hin (an Stellen, wo es 100-prozentig nichts zu lachen gibt, nur um zu zeigen, dass sie die Geschichte schon kennen) und sie träumen insgeheim davon, ihren antriebslosen, erfolgbefreiten Sack zu Hause gegen einen stinkreichen, machtgeilen Christian Grey einzutauschen. Dagegen ist eigentlich gar nichts einzuwenden, wenn nicht die Merchandising-Maschinerie auf Hochtouren laufen würde, sich jeder Promi dazu äussern müsste («So verführe ich Boris», Zitat Lilly Becker) und ganze Redaktionen gegen Wände laufen, weil sie Angst haben, dem Thema zu wenig Beachtung geschenkt zu haben.

Die abgefahrensten News - oder eher unnützes Wissen - habe ich deshalb zusammengetragen:

Das grosse Fressen haben natürlich Online-Shops mit Erotik-Artikeln: Amorelie & Co. verkaufen jetzt Dildos wie andere Zahnseide. Sogar die spiessige und familienfreundliche Drogeriekette Rossmann (etwas wie in der Schweiz z.B. Müller) verkauft unter der Rubrik «Gesundheit & Fitness» alles, was Körperöffnungen glücklich macht. Doch auch dort ist der Analplug «Something forbidden» und die Nippelspangen «The Pinch» vergriffen. Plötzlich merkt die ganze Welt, dass sie eigentlich doch noch gerne gewürgt wird.

Dass alles mit sehr viel technischen Hilfsmitteln zu tun hat, merkt man auch an der britische Baumarktkette «B&Q», die laut «Daily Mail» ein Schreiben an ihre 20'000 Verkäufer rausliess. Sie sollen sich bitte das Buch lesen oder den Film anschauen. So wollen sich für den Ansturm wappnen, für alle Normalos, die jetzt auch auch Liebes-Gireitsli zu Hause haben wollen. Die Chefs liessen dafür sogar in alle 359 Filialen Bücher liefern. Bildung im 3. Jahrtausend.

Im Film selbst wird fleissig Schleichwerbung betrieben. So promotet der Luxus-Interior-Designer «Boca do Lobo» seine wahnsinnig kitschigen Möbel, die in Christian Greys Wohnung stehen. Das Medienportal «W&V» schreibt dazu: «Wenn es also mit dem Sado-Maso-Sex nicht klappt, kann man sich immer noch das löwenfüssige Kommoden-Monster ‹Diamond› ins Wohnzimmer stellen.» Ha ha.

Sehr einfach machen es sich Mode- und Kosmetikfirmen, die alles grau einfärben und die Kollektion «Fifty Shades of Grey» nennen oder einen aberwitzigen Spruch auf ihre Stoffe drucken lassen. So gibt es jetzt den Nagellack von OPI in verschiedenen Grau-Tönen, das Shirt «Mrs. Grey» von Shirtfun oder den Strampler «Nine months ago, mommy read Fifty Shades of Grey» von Custom Shirt Designz.

Es gibt Schmuck in allen Formen und Farben: den Helikopter von Christian Grey, die Krawatte oder Handschellen - alles als Kettenanhänger aus Silber von Jade Cadsawan. Für Tiere gibts Plaketten mit dem Schriftzug «Fifty Shades of Grey» und einer abgebildeten venezianischen Maske von HallSo (WARUM?). Oder einen Plüschknochen mit der Aufschrift «50 Shades of Fur». Lustig. Nein, doch nicht.

Volllaufen kann man sich mit Christian Grey natürlich auch. Der Rotwein «Red Satin» und der Weisse «White Silk» gibt es im Duo für 45.99 Dollar zu kaufen. Und wer doch lieber ohne Alkohol lustig sein will, trinkt den «Fifty Shades of Earl Grey»-Tee von Adagio.com, der als «dominierend» und «dekadent» beschrieben wird.

Um mich selber etwas versöhnlich zu stimmen: Der Film war besser als erwartet und mit dem oberschwülstigen Buch nicht zu vergleichen. Ich freue mich schon, wenn nach Gruppensex («Eyes Wide Shut») und Sado-Maso-Sex («Fifty Shades of Grey») jemand in zehn Jahren ein Buch über Sex mit Staubsaugern, Briefkästen oder Autos schreibt und ich wieder die Hände über dem Kopf zusammenschlagen kann.

Bussi, Bussi aus München.

Im Dossier: Alle Schickeria-Blogs von Deborah Neufeld