Bussi, Bussi - der Schickeria-Blog

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Zwischen Cüpli, Bier und Blitzlichtgewitter: Eine Schweizerin mischt sich unter die deutsche Prominenz.

Neun Mal Berlin Fashion Week

Vergangene Woche war der grösste Modezirkus Deutschlands im Gange. Doch die Mercedes Benz Fashion Week in Berlin hat es nicht leicht, wie Bloggerin Deborah Neufeld merkte. Eine kleine Highlight-und-Tiefpunkt-Sammlung.
Schickeria-Blog Berlin Fashion Week mit Anna Ermakova Sylvie Meis und Katie Holmes
© ZVG

Front Row bei Marc Cain: Liz Hurley, Katie Holmes und Sylvie Meis (v.l.).

Der wohl markanteste Spruch, den ich über die deutsche Hauptstadt kenne, kommt vom ehemaligen Bürgermeister Klaus Wowereit: «Berlin ist arm, aber sexy.» Doch wenn ich die Stimmen zur Fashion Week höre, ist sie nur noch arm. Die grossen Namen zeigen nur noch in Mailand, London, New York und Paris, deshalb kämen keine wirklichen Stars mehr in die Hauptstadt. Die Fashion Week sei dem Ende geweiht. Trotzdem gibt es viel zu berichten, wenn in vier Tagen hundert Schauen gezeigt werden und 200'000 Besucher in der Stadt sind.

Die schönsten Défilés
Die Designerinnen beider Labels haben in Berlin Heimspiel und sind deshalb vielleicht mindestens so beliebt wie ihre Kreationen: Alexandra Fischer-Roehler und Johanna Kühl von Kaviar Gauche sowie Leyla Piedayesh von Lala Berlin. Kaviar Gauche zeigte in der wunderschönen Location Palazzo Italia das, was sie am besten können: Evening wear. Viele Weiss- und Nude-Töne, viel Chiffon, viele aufgenähte Applikationen. Und Lala Berlin wählte für ihre «Cinderella Capsule Collection» das neue und angesagteste Restaurant zurzeit, das Crackers. Dort gab es quasi zum Dessert die Präsentation von neun zauberhaften Kreationen in verschiedenen Blau-Tönen. Beide Labels kommen ab sofort auf meine «Zum Geburtstag wünsche ich mir...»-Liste.

Designer to watch
Am meisten Interesse weckte wohl der Berliner Designer Bobby Kolade. Aufgewachsen in Uganda spielt er (süsse 27 Jahre alt) mit seiner Herkunft und mischt europäische Elemente mit Ethno-Mustern und kräftigen Farben. Erst 2013 hat er sein Label gegründet, nachdem er von der Arbeit in den Häusern Maison Martin Margiela und Balenciaga genug hatte. Im Zentrum seiner Designs steht seither der Hosenanzug, den er immer wieder neu interpretiert. I like.

Der Skandal
Am schockierendsten war sicher der Ausgang der Dandy-Diary-Party, die eh jedes Jahr eher umstritten ist. Dieses Mal sollen drei Mädchen mit K.o.-Tropfen vergiftet worden sein und sie verbrachten die Morgenstunden im Krankenhaus. Schon im Vorfeld hatten die Organisatoren der Party und Blogger von Dandy Diary die Party als «die wildeste Party der Berlin Fashion Week» angekündigt. Bingo.

Das Duracell-Häschen
Unermüdlich und omnipräsent in den ganzen Tagen war Mario Testino. Nein, kein kleiner Blogger, der mit allen Celebritys abgelichtet werden will, sondern selbst einer der grössten Fashion-Fotografen unserer Zeit. Er eröffnete seine Ausstellung «In your face» mit 125 Werken, zeigte sich einmal Mittags im Szene-Restaurant Borchardts, einmal Abends im Restaurant Katz Orange und immer wieder auf den roten Teppichen, wo er die Fotografen ablichtete, die ihn gerade fotografierten.

Die Premiere
Die höchsten Wellen schlug mit Sicherheit der Auftritt von Besenkammer-Baby Anna Ermakova. Die Tochter von Boris Becker läutete die Show des deutschen Labels Riani ein. Für sie war es der erste Runway-Auftritt überhaupt (sie ist 14!) und für Riani der wahrscheinlich medienwirksamste Moment ever. Model-Agent Peyman Amin ätzte vor laufender Kamera, dass sie zu jung sei, viele tuschelten hinter vorgehaltener Hand, dass sie nicht die Modelmasse habe, dafür den richtigen Namen, um auf sich aufmerksam zu machen. Wahrscheinlich machten Riani und Ermakova den Fashionexperten keine Freude, doch beiden gönne ich als Nicht-Expertin die Aufmerksamkeit.

Die Fussballer
Wieder mal einen Beleg, dass Fussballer von heute mehr als nur einem Ball hinterherlaufen, lieferten Jogi Löw und Sami Khedira. Während der Trainer der Nationalmannschaft auf der «Vogue»-Night zu Gast war, sass Nati-Spieler Sami im Publikum der «100 Jahre Maybelline»-Show in der Front Row. Das lag natürlich auch daran, dass sein Schätzchen, Lena Gercke, über den Runway lief. Das belegt, dass Sami seine Freundin unterstützt und dass beide Herren offenbar ein Faible für Mode haben!

Promis auf den Zuschauerbänken
Natürlich war auch sonst in der Front Row viel los. Für Lala Berlin kamen die coolen Mädchen Heike Makatsch und Alina Süggeler. Für Marc Cain kamen Liz Hurley und Katie Holmes, (die nach der Show ihren Mantel an Sylvie Meis verlieh, da der so kalt war). Und für Guido Maria Kretschmer kamen Lena Meyer-Landrut und Barbara Becker. Sie alle gaben dem ganzen etwas Promi-Glam am Spielfeldrand.

Fashion-Trends
Meine Freundin Kathrin von Modepilot.de hat geschrieben: «Erzählt mir bitte nichts von Strick und Beerentönen - das sind alles keine Modetrends, sondern saisonbedingter Kleidungsstil!» Haha, sehr lustig. Mir gefielen vor allem der Mustermix von Schumacher, die asymmetrischen Röcke von Malaika Raiss und die schon erwähnten Kreationen von Bobby Kolade.

Die ewige Diskussion
Das Thema hängt wie dunkle Wolken jedes Jahr etwas tiefer über Berlin: Die Frage nach der Bedeutung der Fashion Week, ob es sie überhaupt braucht und wenn ja, wie sie am Leben bleiben kann. Sicher spricht dafür der neu ins Leben gerufene Berliner Salon, der im Kronprinzenpalais stattfand. Hier stellten alle deutschen (noch existierenden) grossen Namen aus: Perret Schaad, Talbot Runhof, Allude etc. Auch dafür spricht die Ansage von «Vogue»-Deutschland-Chefin Christiane Arp, die auf der Zeit-Konferenz verkündete, einen «German Fashion Design Council» gegründet zu haben, um deutsche Modeunternehmen und Designer zu fördern. Mit der Insolvenz der Bread & Butter, dem Wegbleiben von Namen wie Hugo Boss und Escada und dem Ende von Michael Michalskys Abschlussparty, der «Style Nite», steht die Fashion Week aber auf sehr wackeligen Beinen.

Bussi, Bussi aus München.

Im Dossier: Alle Schickeria-Blogs von Deborah Neufeld