Bussi, Bussi - der Schickeria-Blog

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Zwischen Cüpli, Bier und Blitzlichtgewitter: Eine Schweizerin mischt sich unter die deutsche Prominenz.

¡Hola Formentera!

Wer in der heutigen Zeit einen Ort ohne Internet und ohne Telefonempfang findet, der sollte dem lieben Gott danken. Bloggerin Deborah Neufeld ist auf einer kleinen Insel gestrandet und gibt Tipps für alle, denen man Entspannung ärztlich verschreiben muss...

Als ich das erste Mal Formentera hörte, wusste ich nicht, wo das ist. Es hätte der Name eines schweren Rotweins sein können - ich hätte es geglaubt. Jetzt hänge ich auf dieser 82-Quadratkilometer-Insel in der Nähe von Ibiza und sehe nichts als Meer, raue Felsenlandschaften und Pinienwälder. Ich gebe zu, es hat drei Tage gedauert, bis auch mein Herz angekommen ist und ich nicht jedem Wifi-Hotspot hinterhergerannt bin. Und jetzt bin ich schon zu faul, um abends für den Restaurantbesuch etwas Wimperntusche aufzutragen. Wer mir nachfühlen kann, auch auf sonnengebleichte Haare, salzige Lippen und Sand unter den Fingernägeln steht, dem empfehle ich folgende Hotspots:

Wohnen
Hotelketten findet man hier keine - könnt ihr gleich vergessen. Es gibt wenige, schöne Hotels, wie z.B. der Gecko Beach Club. Die meisten Unterkünfte sind zu mietende Privathäuser, die alle direkt am Meer liegen, da die Insel sich wie ein langer Schlauch durchs Meer zieht. Wir haben uns für ein Haus in der Pampa entschieden: Ein Hippie-Plätzchen mitten in den Felsen hoch über dem Meer. Das Schöne daran: Ein Blick bis ans Ende der Welt (oder bis zur Erdkrümmung), die Musik von rauschendem Wasser und der Duft von Pinien und Feigenbäumen.

Essen
Essen kann man hier sehr einfach. Alles, was aus dem Meer kommt, schmeckt traumhaft und wer noch ein lustiges Bild fürs Familienalbum will, der bestellt Paella mit Sepia. Blaue Zähne und schwarze Zunge garantiert. Da Ibiza nicht weit ist und die Rich-Kids auf ihren Booten mal Abwechslung brauchen, gibt es auch kulinarische Szeneplaces, wie z.B. das «Chezz Gerdi», das «Es moli del sal» oder den Beso Beach. Alles Orte mit wunderschönem Interior und traumhaftem Ausblick.

Relaxen
Wer hier gestrandet ist, merkt schnell, wie wenig es zum Leben braucht: ein Buch (Tipp: «Das Café am Rande der Welt» von John Strelecky, das perfekt zur Stimmung passt), ein kühles Bier und ein grosses Tuch am Strand. Mein Lieblingsspot heisst Es Calò und wird mein zweiter Wohnsitz, weil es windstill ist, sich kaum Steine im Wasser befinden und der Sand so fein ist wie Mehlstaub. Da die Insel wirklich klein ist, findet man keine verlassenen Plätze wie in der Bounty-Werbung. Aber man findet auch keine Menschen, die Deutsch sprechen. Hier machen nur Spanier und Italiener Ferien und die scheren sich kein bisschen um die anderen. Sogar die schönsten Oben-ohne-Mädchen werden kaum beachtet. (Oder nur ganz unauffällig, okay). Jeder macht, was er will und wird dabei in Ruhe gelassen.

Shopping
Bei Durchschnittstemperaturen von 35 Grad muss es vor allem leicht und luftig sein. Die Girls tragen weisse Kleider und kurze Jumpsuits mit viel Gipsy-Schmuck. Die Boys tragen knallbunte Shorts und krempeln sogar die Badehosen bis zum Anschlag - Hauptsache Luft auf der Haut. Die kleinen Shops im Hauptort San Francesc de Formentera verkaufen alle etwa das gleiche, aber die Sachen sind schön: Espadrilles, Korbtaschen und bunte Strandtücher. Und am Hippiemarket in El Pilar de la Mola jeden Mittwoch und Sonntag gibt es den passenden Schmuck.

Ausgehen
Auch wenn es nicht in mein Bild passen will, es gibt einen Club auf dieser (Naturschutz-) Insel: Den «Tipic Club», auf den die Bewohner sehr stolz sind. Paul Kalkbrenner habe ich verpasst, weil ich wahrscheinlich am Lesen oder Trinken war. Doch wer die hart erkämpfte innere Ruhe zunichte machen will, geht dorthin raven oder fährt mit der Fähre in 30 Minuten nach Ibiza.

Fazit

  • Alles hier ist klein: Die Insel, die Strände, die Mückenstiche und sogar die verdammte Qualle, die meinen Weg gekreuzt hat. Aber auch der Schmerz blieb klein und die Narbe ist bis zum Ende der Ferien bestimmt Geschichte.
  • Hier gilt sehen, aber nicht gesehen werden. Kein Tourist sieht aus als wäre er Tourist, es gibt keine verbrannten Bierbäuche, keine Adiletten, keine Zöpfchenfrisuren. Die vielen jungen Leute, aber auch ältere Semester, sind Balsam für die Augen und nehmen mit ihrer entspannten Art viel Rücksicht auf die anderen Inselbewohner. Schaulaufen ist hier kein Thema und man bleibt vor dem Drang sich zu stylen total verschont.
  • «No shoes, no news», sagt man in Banker-Kreisen. Auf der Insel trägt man keine Schuhe und bekommt deshalb auch nix von der Welt mit. Aktuelle Zeitungen zu finden ist eine echte Herausforderung und die Beschaffung sowieso zu anstrengend.
  • Das Internet funktioniert die meiste Zeit nicht. Deshalb wurde dieser Blog fast ganz ohne Netz geschrieben. Wer sich über Ungenauigkeiten beschweren will, der hat bis nächsten Sonntag Zeit. Dann bin ich das nächste Mal online.


Bussi, Bussi aus München - ah nein, besos desde Formentera.

Im Dossier: Alle Schickeria-Blogs von Deborah Neufeld