Bussi, Bussi - der Schickeria-Blog

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Zwischen Cüpli, Bier und Blitzlichtgewitter: Eine Schweizerin mischt sich unter die deutsche Prominenz.

Fashion Week für Anfänger

Letzte Woche war der Modezirkus in der deutschen Hauptstadt. Bloggerin Deborah Neufeld hat sich vier Tage unter die Artisten gemischt und erklärt für alle Daheimgebliebenen, was in der Manege so passiert. Vorhang auf...

Wer mit einem Auge die Fashion Week verfolgt, der sieht meistens Models auf dem Runway und Promis, die in der ersten Reihe sitzen. Doch wie bunt, vielseitig und vor allem anstrengend die wenigen Tage sind, versuche ich für Dummies zu erklären:

DIE PROMIS
Sie reichten diese Saison von A-Stars wie Irina Shayk und Karolina Kurkova bis zur Z-Fraktion mit Simone Ballack oder Rolfe Scheider (täglich in einem Onesie, was in seinem Alter eine Katastrophe war - und nicht witzig). Alle werden dafür bezahlt in der Front Row Platz zu nehmen, müssen dafür jedoch vom besagten Brand was tragen. Wenn man Glück hat, ist man von Lala Berlin oder Marina Hoermanseder eingeladen worden. Hat man weniger Glück, läuft man in peinlichen Gesamtlooks rum und schämt sich vor der Fotowand innerlich zu Tode, während man sich äusserlich besonders «fashionable» gibt. Einem geschenkten Gaul... und so. Alle geben sich während der Show Mühe, ein konzentriertes Gesicht zu machen, um zu vermitteln, dass man sich mit der Mode ernsthaft auseinandersetzt. Insgeheim freuen sie sich aber besonders, wenn sie wieder einmal fotografiert werden, um endlich in Erscheinung zu treten.

DIE ANDEREN GÄSTE
Wer nicht prominent oder Chefredakteur ist, der sitzt in Reihe zwei. Die unterscheidet sich zu Reihe eins, indem die Schuhe flach sind, die Tasche zum Umhängen, und das Outfit noch irgendwie gut aussieht, aber unbedingt funktional sein muss, da man den ganzen Tag unterwegs ist und man keinen Chauffeur hat, der einen zurück ins Hotel Adlon fährt. Ab Reihe drei kennt man die Leute nicht mehr. Es sind Bloggerinnen, selbsternannte Selbstdarsteller und sonstige Mode-Interessierte, die sich so hässlich wie nur möglich kleiden. Die dünnen Mädchen tragen Hochwasser-Mom-Jeans, damit auch die schmalste Hüfte breit wirkt, dicke Mädchen tragen Chiffon-Röcke und Plateau-Schuhe dazu. Alle haben rote Lippen, fettige Haare und unpassende Brillen (wahrscheinlich mit Fensterglas). Hauptsache, nichts passt zusammen.

DIE DESIGNER
Auf dem offiziellen Stundenplan standen diese Saison 47 Designer, die in sechs Tagen 34 Shows zeigten. Manche davon sorgen für viel Aufmerksamkeit, weil der Kult um ihre Person keine Grenzen kennt (Guido Maria Kretschmer). Andere bekommen Aufmerksamkeit, weil sie Models in Übergrösse über den Laufsteg schicken (Riani), ein Baby zeigen (Sportalm), Models in zu hohe, Sado-Maso-mässige Louboutins zwängen (Marina Hoermanseder). Und manche werden gefeiert, weil sie halt supercoole Mode zu supercooler Musik zeigen, die man auch versteht (William Fan).

DIE LOCATIONS
Es ist wahrscheinlich der grösste Fluch in dieser grossen Stadt. Die drei offiziellen Locations sind alle im Zentrum Berlins und doch so weit voneinander entfernt, dass man mit den zusammengefahrenen Kilometern auch eine Reise auf den Mond machen könnte. Auf dem RUNWAY im Zelt am Brandenburger Tor zeigen vor allem die reichen Modehäuser ihre Kollektionen. Dann gibt es den STAGE im me Collectors Room, wo z.b. Lala Berlin anstelle einer Kollektion einen Film über die Designs präsentierte. Und in der schönsten Location, dem KRONPRINZENPALAIS tun sich viele jüngere Labels zusammen, um in den Sälen (schöner, alter Parkett, Kronleuchter etc.) ihre Mode zu zeigen.

DAS DRUMHERUM
Natürlich besteht der Tag aber nicht nur darin, zwischen den verschiedenen Locations hin- und herzufahren, weil der offizielle Schedule die Leute nach der letzten Show garantiert ans andere Ende der Stadt schickt (nein, das wäre zu einfach). Der Tag (und die Nacht) bestehen auch aus Messebesuchen auf der Premium oder der Panorama, Interview-Terminen, Cocktails und wilden Partys bis in alle Nacht. Was immer geht, sind die Restaurants Borchardt und Grill Royal, wo man zu jeder Tages- und Nachtzeit Prominente, Kreative und Medienschaffende trifft.

DAS FAZIT
Die Mercedes Benz Fashion Week ist wie ein halbes Jahr Abenteuerurlaub: anstrengend und so aufregend. Sie liefert hundert Kilo Inspiration für den eigenen Kleiderschrank und ist besser als 24 Stunden Facebook am Stück, denn: Man trifft alle Bekannten auf einem Haufen und erfährt den neusten Klatsch und Tratsch. Wer es aufregend findet, Promis aus nächster Nähe und ungefiltert zu sehen, ist in Berlin gut aufgehoben. Gerade wenn sie gratis Essen und Getränke bekommen haben, sind sie besonders locker. Wer eher menschenscheu ist, Alkohol nicht so mag und auf Gemütlichkeit steht, bleibt am besten zu Hause.

Von dort kommen auch wieder meine Grüsse: Bussi, Bussi aus München.

Im Dossier: Alle Schickeria-Beiträge von Deborah Neufeld