Bussi, Bussi - der Schickeria-Blog

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Zwischen Cüpli, Bier und Blitzlichtgewitter: Eine Schweizerin mischt sich unter die deutsche Prominenz.

München, die durchgeknallte Kostüm-Hochburg

Die ganze Welt feierte gerade Halloween. Nur in München ist eigentlich immer Fasching. Oder wie Bloggerin Deborah Neufeld meint, ein wunderschöner Kindergeburtstag, der nie zu Ende geht...

Heidi Klum, eat this! Für ein gruseliges Wochenende brauchte gerade niemand nach New York zu reisen. Rund um den Erdball feierte man fröhliches Verkleiden und auch in München hiess der Dresscode: Sei möglichst abstossend! (Schaffen viele Jungs ja auch ohne Halloween, aber das ist eine andere Geschichte....).

Am Freitag fügte ich mich also meinem Schicksal und ging auf die Suche nach Theaterschminke, billigen Ketten, ganz vielen Blumen fürs Haar und ich stürzte mich in meine erste Halloween-Party ever ever. Ein kleines Restaurant war der Place to be: Die «Gärtnerplatz Alm», eine kleine Fondue-Stube von Frido Skeljo, verwandelte sich in ein Hexenhäuschen mit Spinnweben und Gruselpuppen, und meine Freundin Lisa, Chefin ihrer eigenen Agentur und selber ein wunderschönes Model, schaffte es, dass sich alle in ihre schrecklich schönen Kostüme warfen. Okay, alle bis auf Albert von Thurn und Taxis. Der traute sich tatsächlich ohne Kostüm an eine Kostümparty (böser Albert, böser, böser Albert!). Sonst aber spritzte das Blut in rauhen Mengen, offene Wunden konkurrierten sich in ihrer Hässlichkeit und böse Wölfe machten Jagd auf unschuldige Rotkäppchen. Es gab viel Weisswein und ein Fondue, bei dem ich ein schlechtes Gewissen hatte, es zu essen. Ich meine, es war mein erstes Fondue dieses Jahr - und ich ass es in Deutscheland (!) und das bei 15 Grad Aussentemperatur (!!).

Aber sonst war alles top. Sogar der DJ spielte irgendwann Michael Jacksons «Thriller» und die Menge tobte. (Auch wenn sich Mr. DJ dafür eigentlich zu schade war. An anderen Abenden stehe er nämlich im Berliner Berghain an den Turntables, weshalb er überzeugt davon war, dass der Alkohol-Umsatz nur steigen würde, wenn er ausschliesslich Elektro spielte. Gaga.)

Als ich also in die Runde schaute und alle in Perfektion aufgerüscht feiern sah, merkte ich, dass wir alle absolute Kostümierungs-Addicts sind. Wir feiern wirklich ständig Verkleiderlis!

Bis jetzt war mir das nicht aufgefallen, aber als ich mal die Fotos aus zwei Jahren Partys zusammenfasste, ging mir ein (Blink-)licht auf: Ich bin hier gefangen in einem unendlichen Kindergeburtstag, der nie zu Ende gehen will. Hier in München jagt eine Motto-Party die nächste, es gibt Events, wie das Dîner en blanc mit Dresscode Weiss, wir haben Kinderfasching im P1 und nicht zu vergessen die unzähligen Waldfeste und die Wiesn, wo alle in Lederhosen und Dirndl auch irgendwie durchdrehen.

Ich weiss, das finden viele Leute waaaaaahnsinnig kindisch und total hirnverbrannt. Doch suchen meine Freunde und ich manchmal fast nach einem Grund, um uns wider einmal eine andere Identität zu geben.

Angefangen hat es mit meinem ersten Geburtstag in der neuen Heimat, zu dem ich von meiner Freundin Kerstin eine Tüte voll Deko-Material bekam. Ich dachte, wenn gar nichts funktioniert, bringe ich mal den Beutel aufs Parkett und sorge vielleicht wenigstens ein bisschen für Stimmung. Aber wir hatten noch nicht mal den ersten Drink in der Hand, da trugen schon alle fluoreszierende Kopfbänder und aufklebbare Schnäuzer.

Auf einem Geburtstag im Sommer erschienen wir zum Dresscode «Italy in the Sixties» im Hofgarten alle mit Kopftüchern, engen Caprihosen, die Jungs in Hochwasserhosen und mit Hosenträgern. Wunderschön. Am Dîner en blanc assen wir auf Picknick-Stühlen und -tischen ganz in Weiss unser mitgebrachtes Essen, und auf dem Kinderfasching gingen wir als Cowboy, Indianer und ich als Amy Winehouse. Krönung waren unsere Ferien in Spanien, in denen acht Freunde zehn Tage lang nicht ohne Hasenohren und Blumenkränze aus dem Haus gingen und wir uns fast nackt fühlten, wenn nicht irgendwas blinkte oder bimmelte.

Warum das hier so ist, kann ich nicht genau sagen: München ist ja eigentlich genau so zwinglianisch wie Zürich und hält sogar das Tanzverbot noch ein (das muss man sich mal geben). Aber vielleicht ist es auch eine Trotzreaktion für die vielen Feiertage. Denn in Bayern finden etwa alle vierzehn Tage irgendwelche «Allerheiligen», «Mariahimmelfahrten», «Auferstehungen» oder christliche Niedergänge statt. Vielleicht wollen die Bavaresen damit dem religiösen Kalender einfach ein Schnippchen schlagen. Ich weiss es nicht.

Doch ich weiss, dass viele deutsche Städte München sehr steif und spiessig finden. Doch für mich aus Zürich ist München gerade die durchgeknallteste Kostüm-Hochburg mit dem Charme einer prall gefüllten Tischbombe mit täglich neuen Überraschungen...

Bussi, Bussi aus München

Im Dossier: Alle Schickeria-Blogs von Deborah Neufeld