Bussi, Bussi - der Schickeria-Blog

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Zwischen Cüpli, Bier und Blitzlichtgewitter: Eine Schweizerin mischt sich unter die deutsche Prominenz.

Horror-Szenario Hochzeit

Die einen sammeln teure Uhren und schöne Schuhe - Bloggerin Deborah Neufeld sammelt gerade Hochzeitseinladungen. Als ewiger Party-Gast ist sie Expertin für gelungene Feiern und unvergessliche Katastrophen...
Schickeria-Blog Deborah Neufeld Horrorszenario Hochzeit
© iStock

Eigentlich ist es gar nicht so schwierig, eine gelungene Hochzeit zu planen - findet Bloggerin Deborah Neufeld.

Wer geht eigentlich noch einem normalen Beruf nach? Gerade fühlt es sich an, als ob alle Promis ihre Zeit aufwenden, um sich scheiden zu lassen (Fiona Hefti, Kate Moss, Jennifer Garner), während all meine Freunde heiraten. Mein Briefkasten sagt das jedenfalls. Und Facebook. Dann sehe ich Fotos, wie sie Bäume umarmen und sich gegenseitig mit Kuchen füttern und alle sind wahnsinnig glücklich. Mazal tov. Wenn ich einige Wochen später die Geschichten der Vorbereitung und des Nachgangs höre, dann finde ich die Inszenierungen noch fantastischer - denn sind wir ehrlich: Jede Hochzeit hat ihre eigenen Katastrophen und die kommen erst ans Licht, wenn sich jeder tausendmal beim Brautpaar bedankt hat, dass er an diesem AMAZING DAY dabei sein durfte. Dabei braucht es so wenig, um eine schöne Party zu schmeissen:

JUNGGESELLINNENABSCHIED:
«Also so was will ich an meinem Polterabend dann nicht haben», ist der meistgedachte Satz, wenn eine Gruppe Mädchen in Zürich durchs Niederdorf oder in München durch den Englischen Garten torkelt. Denn ich habe noch nie jemanden getroffen, der eine solche Ansammlung von gleich gekleideten, lauten und betrunkenen Mädchen sexy oder lustig findet. Noch schlimmer finde ich, wenn Bräute erwarten, dass man ein Partywochenende in Ibiza oder ein Spa-Wochenende im Kranzbach im Wert einer Reihenhaushälfte für sie organisiert. Meistens werden da Freundinnen wie Kraut und Rüben zusammengemixt - Leute, die sich vielleicht noch nie gesehen haben, weshalb unmöglich Stimmung aufkommen kann. Am Schluss sind alle enttäuscht - die Braut, weil sie die gute Stimmung nicht erzwingen konnte, und ihre Freundinnen, weil alles sauteuer war und ein Wochenende gekostet hat, das sie auch mit ihrem Lover hätten verbringen können. Mein Tipp: quick and dirty - einen Abend in einer Stadt, die alle kennen, wo sich alle wohlfühlen und niemand zu viel Geld aufwenden muss. Noch besser finde ich es, wenn die Braut ihren Teil selbst bezahlt - sie will ja schliesslich gefeiert werden.

HOCHZEITSLOCATION:
Eine Freundin von mir wollte ihr Fest auf einer Insel ausrichten, wo die Schildkröten vorbeischwimmen und die Delfine quieken. Sie hätte es sich leisten können. Aber sie hat darauf verzichtet, weil sie wusste, dass es sich die meisten ihrer Gäste eben nicht können. Meistens haben Brautpaare sowieso keinen Bezug zu all diesen Inseln und würden es nicht merken, wenn der Pfarrer am Strand ein Kuchenrezept runterbetet. Mein Tipp: Location nach eigener (Liebes-)Geschichte wählen: Wo man aufgewachsen ist, wo man das erste Mal geschmust hat und vor allem, wo alle Freunde gut hinkommen, ohne drei Langstreckenflüge buchen zu müssen.

HOCHZEITSREDEN:
Ansprachen bleiben im Gedächtnis. Auf einer Hochzeit erzählten die Brautjungfern mal ins offene Mikrofon, wie geil es war, mit der Braut jedes Wochenende abzustürzen. Das will kein Bräutigam und kein Gast hören. Mein Tipp: Das Mikrofon darf nur jenen überreicht werden, die absolute Stand-up-Qualitäten und das Talent haben, sich kurz zu fassen. Und auch die Eltern sollen ihre Rede zur Probe aufführen. Wer den Test nicht besteht, kann immer noch einen Beitrag für die Hochzeitszeitung leisten.  

HOCHZEITSESSEN:
Wird total überschätzt. Ernsthaft: Wer geht nach Hause und erzählt, dass das Fleisch die richtige Garstufe hatte? Das ist nur gerechtfertigt, wenn man im kleinen Kreis von 40 Leuten heiratet. Mein Tipp: Gute Weine und zwei Menus aussuchen, die alle vertragen und den Rest in Longdrinks investieren. Die sind viel wichtiger als feste Nahrung.

HOCHZEITSMUSIK:
Ist das A und O jeder Hochzeit. Als ich mal auf Ibiza auf der leeren Tanzfläche den Mann an den Plattentellern fragte, ob er vielleicht mal einen Hit spielen könnte, meinte er: «Sorry girl, I’m a DJ, not your jukebox.» Ne klar, aber eine Jukebox hätte mehr Spass gemacht und sollte jeden DJ daran erinnern, dass er nicht dazu da ist, um als nächster David Guetta entdeckt zu werden, sondern um das Brautpaar und die Gäste glücklich zu machen. Mein Tipp: Einen DJ fragen, den man selbst schon erlebt hat. Und wer es richtig krachen lassen will, der gönnt sich eine Band. Livemusik reisst im besten Fall alle Generationen aus ihren Sitzen.

HOCHZEITSFOTOGRAF:
Nichts ist trauriger, als wenn der Fotograf seinen Job nicht gut gemacht hat. Meine Freundin hat jetzt beschlossen, nach der Hochzeit nochmal in ihr Kleid zu steigen und alles nachzustellen, damit nicht alles verloren ist. Mein Tipp: auch da jemanden engagieren, den man empfohlen bekommen hat oder von dem man selber Bilder gesehen hat. Und in der heutigen Zeit natürlich den eigenen Hashtag einrichten.

DAS BRAUTPAAR:
Natürlich ist die Hochzeit der grosse Tag jedes Brautpaares. Das verstehe ich - schliesslich stehen die meisten Menschen nie im Rampenlicht und dürfen wenigstens einmal Superstar spielen. Trotzdem flippen viele Leute zwischenzeitlich aus und meinen, die ganze Welt dreht sich nur noch um sie. Dabei ist die Hochzeit auch das Fest ihrer Gäste. Alle nehmen sich frei, geben Geld für Reise, Hotel und Klamotten aus und investieren ihre Energie für ein gelungenes Fest. So dankbar man als Gast sein soll, dass man dabei sein durfte - genau so sehr sollten es Brautpaare schätzen, was ihre Freunde für sie tun.

So - und jetzt freue ich mich auf die nächste Hochzeit am kommenden Samstag und bin überzeugt, dass es ein AMAZING DAY wird.

Bussi, Bussi aus München.

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