Bussi, Bussi - der Schickeria-Blog

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Zwischen Cüpli, Bier und Blitzlichtgewitter: Eine Schweizerin mischt sich unter die deutsche Prominenz.

Bayern und die Bedeutung (s)eines Fussballvereins

Als Mädchen von Fussball nichts zu verstehen, ist eigentlich okay. Nicht aber, wenn man in München lebt, wo der FC Bayern allgegenwärtig ist. Das hat Bloggerin Deborah Neufeld auf angenehme Weise erfahren - mit einem Blick auf die Spieler in Unterhose.

«Welche Münchner Fussballmannschaft kennt man auf der ganzen Welt?
 Wie heisst dieser Club, der hier zu Lande die Rekorde hält?» Das sind die Fragen der Hymne des FC Bayerns, «Stern des Südens». Ein Lied, das in meinem Freundeskreis und wohl im ganzen Land jeder mitsingen kann.

Bevor ich nach München gezogen bin, war dieser Verein eine x-beliebige Fussballmannschaft. GC oder Bayern - total egal. Champions League oder Weltmeisterschaft - Jacke wie Hose. Weder die Erfolge der Mannschaft noch die Spieler interessierten mich. Es war für mich ein Brei von Sportlern mit viel Muskeln und wenig Grips.

Doch letzte Woche besuchte ich zum dritten Mal in zwei Jahren (yeah, yeah!) die Bayern-Jungs auf ihrem Trainingsgelände und interviewte sie nach einem Shooting. Okay, die Fragen, die ich stellen durfte, waren brutal seicht. Und die Hälfte davon wurde mir erst noch im Vorfeld verboten. Umso lockerer war die Stimmung vor Ort.

«Die Schwiiizerin», rief Bastian Schweinsteiger von weitem und bei Franck Ribery musste ich mich auch nicht mehr vorstellen. (Das ist das einzig gute, wenn man es einfach nicht auf die Kette kriegt, richtig hochdeutsch zu lernen. Sobald du den Mund aufmachst, wirst du immer erkannt, ob du willst oder nicht. Wer also das Vergnügen hat, diese Weltmeister (!) zu treffen, findet ein Feld an psychologischem Feuerwerk vor: Schweini, wie auch Thomas Müller, hat eine grosse Klappe, den Schalk im Nacken und immer eine gute Antwort auf Lager. Beide sind sie lustig, mutig, frech und schaffen es, trotz drohender Gefahr einer vermeintlich blutrünstigen Klatschjournalistin und ohne wirklich eine News rauszuhauen, charmant und witzig zu sein. Ganz anders Philipp Lahm: Das letzte Mal, als er mich sah, nahm er schon reiss aus, bevor ich die Frage zu Ende gestellt hatte.

Und dann gibt es noch welche, die wahnsinnig süss sind, doch nicht viel mehr, wie z.B. Manuel Neuer. Aber Manuel, das ist in Ordnung. Du hast schliesslich die Weltmeisterschaft fast im Alleingang eingetütet.

Den allerersten und vertrautesten Kontakt hatte ich aber mit Xherdan Shaqiri - of course! Er kam aus Basel, ich kam aus Zürich. Er war neu in München, ich war neu in München und er - im Vergleich zu heute - noch ein kleines Licht. Er hat mir das erste Mal aufgezeigt, was diese Jungs für unfassbare Mega-Stars sind. Wir kannten uns aus der Schweiz, wo er vor einigen Jahren einen Preis verliehen bekam und es normal war, jeden in dieser kleinen Promiszene zu kennen. Dann trafen wir uns vor zwei Jahren wieder in München. Als ich das erste Mal die Bayern bei einem Fitting besuchte (ja, ich habe sie alle in Unterhose gesehen!), verabredeten wir uns zum Dinner. Ich komme also ins Restaurant und sehe nichts von ihm.

Ich gehe zum Empfang und sage: «Gibt es eine Reservierung für Shaqiri?» (Achtung, die Deutschen sagen Reservierung und nicht Reservation. Meine Reservationen haben schon für grosse Augen und laute Lacher gesorgt.)
Ich sage also: «Haben Sie eine Reservierung für Shaqiri?»
Und der Empfangsmann sagt: «Wie?»
Ich sage: «Auf Shaqiri.»
Er sagt: «Wie meinen Sie das jetzt?»
Ich sage: «Ich bin hier verabredet, aber ich bin nicht sicher ob Xherdan Shaqiri reserviert hat.»
Er sagt: «Wieso? Kommt er heute?»
Ich sage: «Ich hoffe doch.»
Er sagt: «Warten Sie, ich hole den Chef.»
Dann kommt der Chef.
Chef: «Essen Sie heute mit Xherdan Shaqiri?»
Ich sage: «Ja, es war so geplant.»
Chef: «Okay. Schauen Sie, hier haben Sie meine Karte. Egal wann immer Sie auch kommen möchten. Wirklich egal: Sie bekommen immer einen Platz.»

Und ich dachte, so muss sich eine WAG (Wives and Girlfriends) fühlen. Ich war für zwei Stunden also so was wie eine Spielerfrau mit ungewohnt viel Aufmerksamkeit. Was ich damit sagen will: Diese Jungs sind Rockstars, Mega-Berühmtheiten, Zeus und Herakles einmal im Mixer. Sie sind Helden für Generationen: Die Traum-Schwiegersöhne für alle Omis, Kumpeltypen für Gleichaltrige, Sexsymbole für Mädchen. Das vergisst man, wenn man die Jungs durch München spazieren sieht oder sie in derselben Bar trifft und grüsst. Doch wenn man dann den Tanz ihrer Agenten mitmachen muss, in welchem Zeitraum welche Fragen gestellt werden dürfen, wenn die Gerüchteküche wegen Trennungs- und Schwul-Sein-Gerüchten in ganz München wieder mal brodelt und kleine Fans zu hunderten bei den öffentlichen Trainings am Spielrand stehen und stundenlang auf ein Autogramm warten: Dann wird dir bewusst, dass diese Mannschaft one in a million ist.

Deshalb, Basti, lerne ich nur für dich und deine Freunde auch noch den Text dieser Hymne - und das als «Schwiiizerin».

Bussi, Bussi aus München!