Bussi, Bussi - der Schickeria-Blog

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Zwischen Cüpli, Bier und Blitzlichtgewitter: Eine Schweizerin mischt sich unter die deutsche Prominenz.

Facebook - und welcher Typ bist du?

120 neue Freundschafts-Anfragen übers Wochenende. Das nahm Bloggerin Deborah Neufeld zum Anlass, ihre Social-Media-Clique mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.
Blog Deborah Neufeld Facebook Freunde finden Typen Konto löschen
© Getty Images

Facebook ist für alle da, macht aber nicht immer alle glücklich.

Könnt ihr euch noch erinnern, als die Leute sich bei Facebook angemeldet haben, um alte Freunde aufzuspüren oder um die Familie in Übersee am eigenen Leben teilhaben zu lassen? So schön. Damals (vor fünf bis zehn Jahren) wurden Bilder gepostet, ohne zu ahnen, dass man sie bearbeiten könnte. Über die eigene Wall erkundigte man sich nach Tipps für gute Hotels in fremden Städten und man postete hie und da ein Lied, das die aktuelle Stimmung beschrieb. Und heute? Heute ist Facebook eine ausgefeilte Ich-AG oder die kleinste PR-Agentur seit es Internet gibt. Wer braucht schon bei Freunden zu prahlen? Einfach auf Facebook posten!

Ich muss es wissen - ich habe 4400 Freunde. Klingt mega, ich weiss. Ich kenne sie nicht alle persönlich, ich darf mich aber in ihr Cyber-Leben einklinken. Ich finde, das zeichnet mich aus, als Hobby-Psychologin mal Bilanz zu ziehen und zu beschreiben, wie sich die verschiedenen Menschengruppen voneinander unterscheiden.

Die Wunderschönen
Sie sind alle wahnsinnig attraktiv und lassen uns daran teilhaben. Die Männer gehen ins Gym und posten Selfies an den Geräten oder mit hochgezogenen, bis zum Magen ausgeschnittenen V-Shirts. Die Mädchen tragen sauteure Designerware (von der man nicht weiss, wie sie sich das alles leisten können), schauen ganz mystisch und leicht böse in die Kamera und sie posten hochprofessionelle Bilder aus dem Fotostudio oder von der Strasse gegen das Sonnenlicht. Selfies? Sicher nicht. Die lassen sich nur von Profis fotografieren. Warum sie das tun? Because they can! Sind doch eh alle nur neidisch.

Die Reichen
Wer zum internationalen Jet-Set gehört, checkt ein, wenn er am Flughafen ist, wenn er die gemietete Villa in Saint-Tropez bezogen hat, wenn er im Mr. Chow in London einen Tisch bekommen hat oder im Club Billionaire in Porto Cervo am Türsteher vorbeigekommen ist. Wer noch offensichtlicher reich ist, postet Selfies im Hummer oder vor dem Helikopter. Am besten mit einem Brilli-besetzten Hublot-Wecker am Handgelenk, umringt von unfassbar gut aussehenden Frauen. Doch die wahre Krönung sind Autoren solcher Sätze: «Kennt jemand einen guten Privatjet-Broker? Brauche Tipps von Kennern.» Reichtum getarnt als Hilfe-Suchender. (Aber das ist Königsklasse - so perfide Angeberei kann nicht jeder).

Die Party-Organisatoren
Meistens kommen sie aus der Agglomeration und haben den Flyer ihrer aktuellen Party (mit goldener Schönschrift) als Hintergrundbild. Sie schreiben im Messenger Nachrichten wie: «Heeeeeey, bish zwäg? Häsh es guets Weekend gha? Wänn’d am Friitig uf’d Guestlist wotsh, muesh mer nur shriiibe.» Einlass im P1 in Dübendorf garantiert. That’s what friends are for!

Die Businessmacher
Meistens zeigt ihr Profilbild ein knapp volljähriges Mädchen mit blauen Augen, wasserstoffblonden Haaren und grossen Brüsten. Eine Stunde, nachdem du sie als Freundin akzeptiert hast, postet sie ein Bild mit vergünstigten UGG-Boots, spottbilligen Sonnenbrillen oder der neusten Moncler-Jacke und du wirst auf dem Bild markiert. Du ärgerst dich grün und blau und blockierst den fetten, hässlichen Typen, der sich wahrscheinlich hinter dem Foto verbirgt. Nicht zu vergessen jeder Tubel, der mich einlädt, die Seite seines Pizza-Lieferdiensts, seines Pedalo-Verleihs oder seines Malergeschäfts zu liken...

Die Lieben
Meistens sind sie 40 bis 60 und nehmen die Connections auf Facebook sehr ernst. Damit ist man jetzt richtig eng und einer wahren Freundschaft steht ab jetzt nichts mehr im Weg. Sie schicken küssende Hunde mit blinkenden Herzen und Rosen mit Glitzerrand und sie bedanken sich per Messenger für die Annahme der Freundschaft. Und sie posten springende Delfine im Mondlicht mit dem Text: «Ich wünsche all meinen Facebook-Freunden einen ganz schönen Abend.» Ein Traum.

Die Stalker
Sie sind die aller-, allerschlimmsten von allen und lösen Traumata in mir aus. Meist Männer, aber nicht nur, die Nachrichten schreiben, Sprachnachrichten hinterlassen oder versuchen, über Facebook mitten in der Nacht anzurufen. Meistens zeigt ihr Profilbild das Emblem eines Eishockey-Teams, einer Hooligan-Vereinigung oder eine Comic-Figur. Also alles, womit ein Identifizieren unmöglich ist. Sie hinterlassen einzelne Wörter, wie: «He», «Hey» oder die Steigerung: «Hey fit». Oder eine Anreihung von Buchstaben, die nicht mal ansatzweise erklärt, was sie sagen wollen. «Cc» habe ich schon bekommen oder «Slt» und «Bsr» (heute weiss ich, dass es Salut und Bonsoir heissen soll). Sie schreiben entweder alle Tage und das über Monate oder jede Minute und das über Stunden. Und wenn sie nach Stunden und Tagen merken, dass auch Hartnäckigkeit zu keiner Antwort führt, folgt eine Tirade an Beleidigungen. Ehrlich: Die mag ich nicht.

Die Freunde
Und dann gibt es noch richtige Menschen in Zürich, in München, in Wien, in New York oder Tel Aviv. Alles Freunde aus Fleisch und Blut, die ich schon mal richtig angefasst habe, die tolle Fotos von ihren Reisen, witzige Bilder aus dem Alltag und gute Gags posten. Über die freue mich aufrichtig.

Wer sich zur letzten Gruppe zählt, dem sage ich danke. Alle anderen warne ich: Irgendwann auferstehe ich mit einem Fake-Profil wie Facebook-Phoenix aus der Asche und nerve alle zurück.

Bussi, Bussi aus München

Im Dossier: Alle Schickeria-Blogs von Deborah Neufeld