Bussi, Bussi - der Schickeria-Blog

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Zwischen Cüpli, Bier und Blitzlichtgewitter: Eine Schweizerin mischt sich unter die deutsche Prominenz.

Ich bin ein Star - ich darf das

Wer berühmt ist, fühlt sich oft wichtig. Das erfahren Journalisten - manchmal auf bittere Weise. Bloggerin Deborah Neufeld verrät, was es braucht, um sich gekonnt vom Fussvolk abzuheben...

Vergangene Woche wurde ich zu einem Interview in München eingeladen. Es handelte sich um die Eröffnung eines Pop-Up-Stores in der Sendlingerstrasse - also eines Ladens, der nur für wenige Wochen geöffnet hat. Als ich dort ankam, war mit dem Auto schon kein Durchkommen mehr: Der Rote Teppich war ausgerollt, die Presse von ganz München aufgeboten, ganz viele Securitys da, die die Wartenden alle paar Minuten anschrien und ein Promi, der mit Leidenschaft auf sich warten liess.

Harald Glööckler
Es war Harald Glööckler, der irgendwann in einem abgedunkelten Geländewagen erschien und die Strasse in schönster Prinzessin-Diana-Manier rauf- und runterwinkte, der die Eröffnungsschleife durchschnitt und schliesslich zu den Interviews rüberging. Er war waaaaaahnsinnig nett und witzig, charmant und in seiner Rolle so überzeugend, dass man mit ihm lachen musste. Aber eben, ohne crazy Show ging es für den einstigen Teleshopping-Verkäufer nicht. Deshalb hier ein Paar Tipps, wie man es so weit bringen kann:

  • Ganz viele Securitys beschäftigen: Wer nicht den Anschein macht, von der Meute und möglichen Auftragskillern beschützt werden zu müssen, der ist nicht wichtig.
  • Nicht pünktlich erscheinen: Die Stimmung einer wartenden Masse ist so elektrisierend wie das Berühren eines Autos, wenn man UGG-Boots trägt.
  • Die Rangordnung klar machen: Wie das Foto zeigt, sass Glööckler auf einem höheren Thron als die Interviewerin. Wer es bisher vermieden hatte, zu einem Promi hochzuschauen, der wird damit gezwungen.


Zinédine Zidane
Fussballgott Zinédine Zidane ist das aktuelle Testimonial von Mango und spricht damit natürlich weit mehr Männer und Frauen an als nur Modefans. Zu einem Interview wurde ich nach Barcelona eingeladen. Der Slot sollte 20 Minuten dauern. Okay. Ich sollte die Fragen vorausschicken. Okay. In Englisch. Auch okay. Dann rief die Pressestelle an. Es werden doch nur zehn Minuten. Na ja, okay. Ah nein, doch nicht. Fünf Minuten seien es. Dann war der Punkt erreicht, an dem ich langsam ins Grübeln kam und meine liebe PR-Freundin fragte, ob es sich überhaupt noch lohne, in den Flieger zu steigen. Sie glaubte nicht. Zidane spreche kein Englisch und bis der Dolmetscher meine erste Frage übersetzt gehabt hätte, wäre die Interviewzeit vorüber gewesen. Wir haben es dann gelassen.

  • Interviews im Ausland anbieten: Journalisten lieben es, für so wichtig genommen zu werden, dass man sie von überall her einfliegen lassen muss.
  • Die Fragen im Voraus verlangen: Das impliziert ein so crazy Leben, das davor beschützt werden muss, mit der Öffentlichkeit geteilt zu werden.
  • Den Slot kurz halten: Damit weiss der Journalist, dass der Promi 1. nicht den ganzen Tag für so unwichtige Dinge wie Interviews Zeit hat und 2. von sooo vielen angefragt wurde, dass er sich die Medienarbeit sehr gut einteilen muss. Idealerweise den Slot noch zwei, drei Mal verkürzen, damit der Journalist ja kein richtiges Gespräch aufbauen kann.


Beim letzten Szenario hat ein Blick in die Sendung «Glanz & Gloria» des Schweizer Fernsehens gereicht, um zu zeigen, wie Promis es lieben, Journalisten an der Nase rumzuführen, oder einfach keinen Plan haben, was sie eigentlich wollen. Melujo (ich nenne das Powerpaar Melanie Winiger und Vujo Gavric jetzt mal so) sind ein aktuelles Beispiel. Auch wenn es in der Zwischenzeit jeder mitbekommen hat, dass Miss-Ex-Miss nach dem Laufpass von Tote-Hosen-Sänger Campino beim Bachelor Anschluss gefunden hat, schauen die beiden noch immer wie ein Auto in die Kamera, wenn sie auf ihre Verbindung angesprochen werden. Einfach mal Interview verweigern und nur getrennt posieren. Später dann easy den ganzen Abend nebeneinander am selben Tisch sitzen und schmusi-busi die Zeit zusammen verbringen und wenn die nächste Interviewanfrage kommt, warten, bis die Kamera läuft, um dann ganz genervt den Dreh abbrechen. Ja, so macht man das als Star, Bitches! Deshalb:

  • Sich einen Event aussuchen, wo garantiert Journalisten sind, wie z.B. den Zürcher Presse- und Medienball. Ich meine: WTF?
  • Getrennt kommen und dann seine besten Schauspielkünste präsentieren: «Wie? Ich? Nein, ich bin mit meinem Bruder da. Habe gar nicht gesehen, dass sie auch da ist. Mini Auge händ blinked. Wer? Hä?»
  • Einem Interview zusagen und dann mitten im Satz alles abbrechen und sauer davonrauschen: «Jetzt nüme!»


Also, Ladys und Gentlemen: Wer die ganz grosse Karriere plant - haltet euch an meine Tipps. Ich bin gerne dabei und pushe, wo ich kann. Einfach durchklingeln.

Bussi, Bussi aus München

Im Dossier: Alle Blogs von Deborah Neufeld