Bussi, Bussi - der Schickeria-Blog

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Zwischen Cüpli, Bier und Blitzlichtgewitter: Eine Schweizerin mischt sich unter die deutsche Prominenz.

It-Girls, rich Girls

Millionärin werden auf Mädchen-Art: Elisabeth, Alexa und Chiara machens vor. Bloggerin Deborah Neufeld zeigt, was die Konkurrentinnen besser machen - und wer nach einem Shitstorm wieder ganz klein ist...
Elisabeth von Thurn und Taxis und Kristina Bazan Blogs Fashion It-Girls
© Getty Images

Auf der Überholspur: Elisabeth von Thurn und Taxis (l.) und Kristina Bazan.

Das hatte sie so nicht erwartet: Als Prinzessin Elisabeth von Thurn und Taxis auf ihrem Instagram-Account am letzten Samstag auf der Pariser Fashion Week ein Bild postete, folgte nur wenig später ihr erster Shitstorm. Zum Foto, das einen Obdachlosen mit einem Hochglanzmagazin in der Hand zeigte, schrieb sie: «Paris ist voller Überraschungen - Leser der Vogue in unerwarteten Ecken.» Die Reaktion? Ganz fest PFUI. «So ein dummer Kommentar» oder «das ist geschmacklos», wütete der Mob. Das World Wide Web war entsetzt.


Das alles wäre halb so wild, wenn Elisabeth nicht als Journalistin für die «Vogue» arbeitete, ein Buch veröffentlicht hat und vor allem: Als wahre Adelige und Tochter von meiner Lieblingsfürstin Gloria von Thurn und Taxis den Status einer modernen Stil-Ikone erreicht hat. Über 15'000 Leute folgen ihr auf Instagram und wollen wissen, welche Labels die Punk-Prinzessin trägt, mit wem sie feiern geht, wie ihr Alltag aussieht.

Wer früher in diesem Alter cool und berühmt sein wollte, musste als Model entdeckt werden, durch ein Casting bei MTV landen oder mindestens einen Hit haben, der dann als CD in den Regalen stand. Heute laden vor allem junge Frauen Bilder ins Netz und werden damit weltberühmt und so reich, dass es weh tut. Sie füttern ihre Website mit Fashion-News, lassen sich Artikel und Blog-Einträge sponsern, sie empfehlen Produkte und verdienen daran, wenn diese verkauft werden. Sie lassen sich in Klamotten fotografieren, die die Designer schenken und designen schliesslich ihre eigenen Kollektionen für grosse Labels.

Das schillerndste Beispiel ist Chiara Ferragni aus Italien. 2009 startete sie ihren Fashionblog «The blonde Salad» und postete während ihres Jura-Studiums Bilder von sich. Als die Fans ihrer Website immer mehr wurden, folgten Anfragen von Fashionlabels wie Benetton oder Louis Vuitton für Kooperationen und Engagements als Jurorin, Designerin oder Fashion-Expertin. Heute ist Chiara 27 Jahre alt, beschäftigt 15 Mitarbeiter und erarbeitete 2014 einen Umsatz von sechs Millionen Euro. Sie hat ihr eigenes Fashionlabel, ihr folgen auf Instagram 3.3 Millionen Menschen, auf ihrer Website landen pro Tag 30'000 Besucher und 2000 Anfragen für weitere Deals. Und trotzdem wirkt sie mit ihren riesigen Reh-Augen und der zarten Figur noch immer wie das süsse Girlie, das es nicht mal selber schafft, das Handy ein- und auszuschalten.

Cool as Ice ist auch Alexa Chung, die aus ihrer Heimat England diktiert, was in der Fashionwelt angesagt ist und was nicht. Im Gegensatz zu Chiara, die erst gerade richtig berühmt wird, ist das Alexa gefühlt schon immer. Vor 17 Jahren wurde sie als Model entdeckt, machte sich mit ihrer heiseren Stimme einen Namen als Moderatorin und hat heute eine Tasche, die nach ihr benannt wurde («Alexa» von Mulberry). Sie nennt Pixie Geldof und Poppy Delevingne ihre besten Freundinnen und hat ein Buch veröffentlicht, das passenderweise «It» heisst. Ah, und sie ist die Muse von Karl Lagerfeld. Ist doch loooooooogisch, hey! Ein cooles Video zu ihrem Alltag gibt es hier.

Das französische Pendant zu Alexa heisst Caroline de Maigret und ist der Inbegriff der Pariserin. Einem breiteren Publikum bekannt wurde sie durch ihr Buch «How to be Parisian wherever you are», das sie mit drei Freundinnen geschrieben hat. Einst war sie Model, dann wurde sie Fotografin. Mit Ende 30 hat sie wieder angefangen zu modeln, raucht, hasst Sport und hat ausserdem die schönsten, abgeranzten Haare, die ich je gesehen habe. Und nicht zu vergessen: Sie ist Gesicht für das Kosmetiklabel Lancôme - mit mittlerweile 40.

Und als Vierte möchte ich hier noch Kristina Bazan nennen. Das kleine, einst so unbedeutende Miss-Schweiz-Tüpfchen reist heute als Blogger-Superstar nach Cannes an die Filmfestspiele und posiert easy-peasy mit Sharon Stone, während sie Labels wie Piaget mit Schmuck behängen. Auf ihrem Blog «Kayture» zeigt auch sie ihre täglichen Looks, arbeitet mit Louis Vuitton und wurde in New York auf den Bloglovin Awards mit dem Titel «Blog des Jahres» ausgezeichnet. Gerade überlegt sie, ein zweites Office in den USA aufzutun, schliesslich kommen nach der Schweiz die meisten Leser aus Übersee.

Diese Girls haben eines gemeinsam: Sie feiern ihren Narzissmus - manchmal bis zum Erbrechen. Ihr Nabel der Welt sind sie selbst. Was sie essen, von wem sie Blumen bekommen und wer sie auf welche Shows einlädt, es landet alles im Netz. Gäbe es das Smartphone nicht, gäbe es sie als It-Girls nicht. Doch für ihre Aussehen, ihren Look und ihren Lebenswandel werden sie geliebt und beneidet und sind Inspiration für viele Frauen. Und dafür arbeiten sie hart und liefern ohne Rast und Ruh Unterhaltungswert. 

Und während sie ihr Hobby zum Beruf gemacht haben und damit richtig Schotter verdienen, checken andere Bloggerinnen ihren Kontostand und merken, dass sie ihren Beruf zum Hobby gemacht haben. Ha ha.

Bussi, Bussi aus München.

Im Dossier: Alle Schickeria-Blogs von Deborah Neufeld