Bussi, Bussi - der Schickeria-Blog

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Zwischen Cüpli, Bier und Blitzlichtgewitter: Eine Schweizerin mischt sich unter die deutsche Prominenz.

Meine Dates in München

Zürich sei das schlimmste Pflaster, um einen Mann kennenzulernen. Ist das wahr? Bloggerin Deborah Neufeld hat mit ihrer zweiten Heimat München verglichen und zieht Bilanz...
Schickeria-Blog Deborah Neufeld: Dateerfahrungen in München
© iStock

Sind die Männer in München besser als in Zürich? Deborah Neufeld macht den Vergleich.

Am Wochenende prangerte meine Freundin und Autorin Esther Meyer in einem Artikel Singles in Zürich an: «Männer, was ist mit euch los?», fragt sie in der «SonntagsZeitung». In keiner Stadt sei es schwieriger, einen Freund zu finden - es fehle an Engagement und dem Willen, sich irgendwann vom partygetränkten Studentenleben zu verabschieden.

Als Zürcherin in München kann ich nur sagen: Es gibt Parallelen, liebe Esther! Auch in meinem Freundeskreis in Bayerns Hauptstadt «wimmelt es von tollen, lustigen, intelligenten und hübschen Frauen, die ungewollt Single sind», und die sich davor fürchten, alleine zu sterben und erst entdeckt zu werden, wenn die Katze längst ihr Gesicht weggefressen hat. Das mit dem «ungewollt Single sein» habe ich jedoch nie verstanden und ich habe es in dieser einst so fremden Stadt sehr genossen, keinen Freund zu haben. Denn für die Münchner war ich wie ein neues Spielzeug: reizvoll und etwas, was man unbedingt haben will.
 
DER SÜSSE:
Er war gross, gutaussehend und wahnsinnig gut erzogen. Er schrieb mir am Mittwoch, dass er mich am Freitag um 19 Uhr abholen würde. Mehr sagte er nicht (was mir wahnsinnig gefiel). Punkt 19 Uhr stand er vor meinem Haus und hielt mir die Türe zu seinem Wagen auf. Wir fuhren in ein Restaurant, das bumsvoll war. Doch zehn Minuten zu warten, fand er für seine Lady zu viel und er machte dem Kellner Dampf. Als wir uns mitten im Raum gegenüber sassen, fand er, es sei zu wenig gemütlich, er wolle den schönsten Tisch. Gesagt, getan und wir bekamen ein schmuckes Plätzchen in der Ecke. Nach Vor- und Hauptspeise fragte er, ob ich ein Dessert mag. Natürlich mochte ich. Aber ich sagte, er solle bitte was bestellen, und ich nehme einen Bissen von ihm. Denn ich könne mich eh nicht entscheiden, weil ich alle Desserts möge. Seine Antwort? «Du magst alle Desserts? Dann bestellen wir alle Desserts.» Klang lustig, war ihm aber total ernst. Und so sassen wir eine halbe Stunde später vor sechs Tellern voller Dolci: Tiramisu, Schokoladenkuchen, Crema Catalana. Amore mio! Dies war definitiv mein süssestes Date und es lässt meiner Mutter heute noch die Tränen in die Augen schiessen, wenn ich davon erzähle.

DER KULTURELLE:
Wir kannten uns von der Arbeit und waren ab und zu auf denselben Events. Er war sehr bekannt in der Stadt, alle Mädchen fanden ihn toll und er nützte das aus und tanzte auf jeder Hochzeit. Deshalb war ich tief beeindruckt, als er mich fragte, ob wir zusammen in die Oper gehen. Seine Mama habe ein Jahres-Abonnement und sei nicht in der Stadt, deswegen würde er mich gerne ausführen. Ich dachte schon, ich habe die perfekte Mischung aus Vorzeige-Schwiegersohn und Feier-Freund gefunden. Super chic sahen wir beide aus, als wir uns auf den Treppen des Nationaltheaters trafen. Die Vorstellung war toll und ich total beflügelt von so viel Kunst und Kultur. Doch das war noch lange kein Grund für mich, danach bei ihm abzusteigen - auch wenn er diese (seine) Idee gut fand. Er meldete sich danach nie wieder, was mich verwirrte. Schliesslich hatte er mich auf Kosten seiner Mama mit in die Oper genommen! Sein bester Freund erzählte mir ein halbes Jahr später, das mache er mit jedem Mädchen. Ein Opern-Besuch sei Programm. Und das genau einmal. Weil er wisse, dass die Weiber darauf stehen (und genau das denken, was ich dachte). Wenn sie dann nicht einknickten, höre er auf zu graben.

DER WARTENDE:
Wir hatten uns auf der Wiesn kennengelernt und er kam gerade aus einer sehr langen Beziehung. Ein Zeichen für mich, dass er es nicht so ernst meinte und lieber seine Freiheit geniessen wollte. Doch was ihm ein Abend mit mir bedeutete, merkte ich, als wir uns verabredeten. Er schlug 18.30 Uhr in einem tollen, kleinen Restaurant vor. Ich sagte 18.30 Uhr würde ich leider nicht schaffen, eher 19 Uhr. Um 19 Uhr sass ich noch immer in der Redaktion und schrieb ihm, es werde 19.30 Uhr, wenn nicht noch später. Als ich um 20 Uhr (nach vier Sorry-SMS) ankam und mich erkundigte, wie lange er denn jetzt schon warte, meinte er: «Seit 18 Uhr.» Ich sagte: «Das sind zwei Stunden.» Er sagte: «Ja.» Ich sagte: «Das ist ein Witz.» Er sagte: «Nein.» Er erklärte, dass man in diesem Restaurant nicht reservieren kann und er sichergehen wollte, dass wir den schönsten Tisch haben.

DAS DOUBLE-DATE:
Ein gutaussehender Arzt wollte mich am kommenden Freitag ausführen. Am Mittwoch davor meldete sich ein anderer süsser Münchner, ein Golfprofi, der im Ausland arbeitete und am Samstag für einen einzigen Abend in der Stadt war. Er fragte auch nach einem Date. Ich ging also am Freitag mit dem Arzt aus und am Samstag ging ich mit dem Golfer. Beides sehr nette Abende, bis ich beim zweiten Date merkte, dass im Kino, in dem ich sass, auch die Clique des ersten Dates sass und sich prächtig darüber amüsierte, dass sie mich nur einen Tag nach Erzählungen ihres Freundes, mit einem anderen sah. Damit nicht genug: Die Freunde des ersten Dates riefen ihn aus dem Kino heraus auch noch an, um ihm brühwarm zu erzählen, dass ich mit einem anderen im selben Film sässe. Hatte ich erwähnt, dass der Gehörnte bei Film-Ende in der Lobby auf mich wartete, um mich auflaufen zu lassen? Es geschah mir recht.

Auch wenn nicht jede Begegnung von Glück gekrönt war - in München kommen Schweizerinnen zu Dates - und finden nicht immer den Märchenprinzen, aber unverzichtbare Freunde. Anders wie in Zürich lassen die Männer ihren Charme gerne spielen und ich empfehle meinen Landsmännern, öfter den Finger rauszunehmen und es den Münchnern gleichzutun: das Mädchen ihrer Träume anzusprechen und sich auch danach anzustrengen. Und wenn es nichts wird, gibts im schlimmsten Fall eine gute Geschichte zu erzählen.

Bussi, Bussi aus München.

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