Bussi, Bussi - der Schickeria-Blog

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Zwischen Cüpli, Bier und Blitzlichtgewitter: Eine Schweizerin mischt sich unter die deutsche Prominenz.

Das Oktoberfest und seine (kleinen und grossen) Berühmtheiten

Endlich hat die Wiesn begonnen. Doch entspannt eine Mass zu trinken wäre viel zu langweilig! Warum nicht mit Blitzlichtgewitter und Personenschutz, fragt Bloggerin Deborah Neufeld. Schliesslich sind hier alle ein bisschen Superstars, Spatzl.

Oooooh, zapft is - und wie! Die Wiesn hat begonnen und ganz München dreht am (Riesen-)rad. Seit Samstag sind die Zelte wieder offen und locken die Welt auf die Theresienwiese. Aus Sicht meiner Münchner Freunde ist das die fünfte und schönste Jahreszeit. Man verabredet sich über das ganze Wochenende - nein, eigentlich fast jeden Abend - im «Schützen», im «Käfer» oder im Weinzelt und trinkt, bis jeder in jeden verliebt ist. Alle sind so schön, alles ist lustig und manchmal wird es auch romantisch. (Bis der nächste Morgen kommt und der Kopf schmerzt).

Für Journalisten sind diese Tage aber auch ein Pain-in-den-Allerwertesten, denn jeden Tag gibt es Promi-Events, auf denen die Celebrities fotografiert werden wollen, Interviews geben sollen und das alles in überfüllten Zelten zwischen betrunkenen Massen. Das bedeutet für uns wahnsinnig wenig Schlaf, schlechte Nerven und vielen blauen Flecken vom Rempeln. Doch auch für Medienmenschen hat die Wiesn was wahnsinnig Schönes: Sie sind nämlich ein Swimmingpool für viele kleine Befindlichkeiten. Denn eines muss man wissen: Wer sich als Prominenter, wie dieses Jahr z.B. Boris Becker mit Lilly, Christine Neubauer oder Roberto Blanco, am ersten Wochenende auf das Oktoberfest begibt, der WILL gesehen werden. Die Wiesn ist wie ein Feinkostgeschäft für mediale Streicheleinheiten. Einmal durch die Gänge, mitnehmen was möglich ist, und sich danach besser fühlen. Auf einen Promi folgen gefühlt drei Fotografen, die sich darum prügeln, ein schönes Bild machen zu dürfen. Dementsprechend ist jedes Mitleid mit den Persönlichkeiten wirklich überflüssig.

Welche Allüren und Attitüden sie haben, zeigen folgende drei Episoden:

Am Donnerstag, noch zwei Tage bevor das Bier aus dem ersten Wiesn-Fass spritzte, lud der Luxus-Fashion-Onlineshop Mytheresa.com zur Pre-Wiesn-Party in die Sankt Emmeramsmühle. Ein Biergarten mit viel Charme, der in einen bunten Chilbi-Platz verwandelt wurde, und alle deshalb schon mal kindlich-fröhlich stimmte. Mitten unter den Gästen fand sich Stella McCartney. Die Designerin präsentierte ihre Kollektion und weilte deshalb extra in München. So weit so normal. Nicht ganz normal waren ihre Ansprüche an die Gäste und das Personal: Stella wünschte sich Hot-Dogs mit veganen (!) Würsten. Sie seien «soooo delicious», ich müsse sie probieren. Sie selber ist Veganerin: Kein Fleisch, keine tierischen Produkte. Wie schon ihr Vater Paul McCartney. Diesem Wunsch kamen die Wirte noch nach. Schwieriger wurde es mit dem Wunsch, den Kellnern die Lederhosen auszutreiben. Weil Stella Leder strikt ablehnt. Nein, das war nicht möglich. Zwei Tage in München vor der Wiesn (ha ha).

Für meine Lederhose hätte sie mich wohl am liebsten persönlich in den Schlachthof gefahren. Aber das hat sie nicht gesagt. Sie blieb eher distanziert und erlaubte nur, Bilder von ihr alleine zu machen und nicht zusammen mit den Moderedakteuren. Sonst würden ja alle wollen. Nee, das war dann zu viel des Guten. Doch den Small-Talk mit der Star-Designerin möchte ich nicht missen - sie war trotz zarter Unterkühlung wirklich eine charmante und freundliche Person.

Beispiel zwei: Am Samstag feierten viele Promis im schon erwähnten Käfer-Zelt. Darunter auch Martin Krug. Martin Krug war einst der Ehemann von Schauspielerin Veronica Ferres. Dann kam er mit P1-Sternchen Verena Kerth zusammen und jetzt ist er in Model Julia Trainer verliebt. Natürlich hat seine Wichtigkeit durch das Wegfallen von der Ferres an seiner Seite abgenommen. Das schmerzt ihn wohl ein bisschen. Jedenfalls lässt er seither keine Gelegenheit aus, auf sich aufmerksam zu machen. Mit einer ganz perfiden Taktik, die er auch am Samstag anwendete. Er läuft jedem ins Bild. Wird irgendwo ein Interview geführt, läuft Herr Krug den Leuten garantiert ins Bild. Wenigstens ist er noch so nett, hinten rum zu gehen. Aber er hat sich das Reingrätschen zum Sport gemacht. Diese Attitüde hat sich in Journi-Kreisen schon zum Running-Gag entwickelt. Denn so viele Foto-Bombings können kein Zufall sein...

Und schliesslich noch ein Intermezzo am Sonntagabend, auch im Käfer. Dem berühmten «Almauftrieb», an dem im Käfer wirklich jeder Tisch mit bekannten Gesichtern besetzt ist. Dieses Mal waren Désirée Nick dabei (ich liebe ihre scharfe Zunge), Günter Netzer oder Kay One. Kay One hat sich mit seinen Raps, seinem Beef mit Bushido und seinen machoiden Sprüchen in der «DSDS»-Jury einen schaurig schönen Ruf erarbeitet. Den will man nicht so schnell aufgeben (schon gar nicht, wenn es letzte Woche hiess, er habe unwissentlich einen Transvestiten gedatet). Deshalb brachte Kay One («Ich brech die Herzen aller Mädchen») einen Bodyguard mit. Andere Stars wie Prinzessin Madeleines Schwiegermutter Eva O'Neil schafften es zwar ohne Personenschutz auf die Wiesn, aber okay. Der Kasten, den er hinter sich her zog, war 2.05 Meter gross und hiess Aram. Ich fragte Kay, ob er Schiss habe, ohne Bodyguard auf die Wiesn zu gehen. Hatte er natürlich nicht. Er erklärte mir, dass es halt sein könne, dass ein Jugendlicher ein Autogramm wolle und dann 200 folgen würden. Und dann werde es schwierig.

He’s a star, you know! Und so sind auf der Wiesn grosse Nummern und kleine Lichter sehr, sehr wichtig und werden durch uns Promi-Journalisten auch noch bestärkt. Wenigstens die paar Tage im Jahr. Ach, ist das Oktoberfest nicht wunderbar?

Bussi, Bussi aus München.