Bussi, Bussi - der Schickeria-Blog

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Zwischen Cüpli, Bier und Blitzlichtgewitter: Eine Schweizerin mischt sich unter die deutsche Prominenz.

Mein schlechter Ruf als Journalistin

Für Zeitungen und Zeitschriften zu schreiben war einmal eine ehrenwerte Profession. Heute lässt Bloggerin Deborah Neufeld ihre Tätigkeit gerne mal unter den Tisch fallen...
Themenbild Schickeria-Blog Roter Teppich Journalistin
© iStockphoto

Glitzer, Glamour, Roter Teppich: Deborah Neufeld sagt, wies wirklich als People-Journalistin ist.

Am Wochenende sass ich im selben Restaurant wie Elyas M'Barek. Er grüsste meine Freundinnen und mich nicht. Obwohl wir uns mal wirklich nett fanden. Aber seit ich eine Liebesgeschichte über ihn schreiben wollte, ist es nicht mehr locker um uns. Und ich merke immer wieder, dass mein Job daran schuld ist.

Seit Pegida bedeutet Presse eigentlich Lügenpresse, aber schon viel länger haben wir den Ruf, einfach zu schreiben, was uns gerade in den Sinn kommt. Dass wir den Menschen alles in den Mund legen, was wir hören wollen, und uns zum Sport machen, Karrieren zu zerstören - da wir per se ohne Gewissen geboren wurden.

Deshalb habe ich mal die häufigsten Reaktionen auf meinen Job zusammengetragen und verrate, was ich denke, während ich rede.

  •  Leute, die ich neu kennenlerne:
    Du bist Journalistin? Oh Gott, dann darf ich jetzt nichts mehr sagen, sonst steht es morgen in der Zeitung.
    Was ich sage:
    In der Regel ist es so, dass ich die Leute kontaktiere, über die ich schreiben möchte. Wir verhandeln darüber, was und wie viel sie sagen wollen und ich gebe die Zitate zum Gegenlesen, bevor irgendwas gedruckt wird. Könnte sein, dass ich jetzt Illusionen zerstöre, aber: Die meisten Geschichten sind ein Deal, bei dem alle Parteien was davon haben und alle informiert sind. Schliesslich will ich ja wieder mal anrufen dürfen und laufe deshalb in meiner Freizeit unverwanzt durch die Gegend.
    Was ich denke:
    Keine Angst, ich schreibe nur über interessante Leute.
  • Oder:
    Wie, du arbeitest für ein Promi-Magazin? Sorry, aber das lese ich höchstens mal auf dem Klo...
    Was ich sage:
    Verstehe ich total: Wir erfinden mit unserer Arbeit kein Mittel gegen Krebs und dienen nur der Unterhaltung - auch auf dem Klo.
    Was ich denke:
    Schon okay. In einer halben Stunde reden wir dann doch über die Kardashians und Boris Becker...
  • PR-Leute, die ins Büro anrufen:
    Halloooo, wie gehts denn so? Schönes Wetter, nicht? Und sonst so? Was macht ihr zurzeit eigentlich so? Irgendwelche Specials, zu denen ich Infos schicken könnte?
    Was ich sage:
    Da wir wöchentlich erscheinen, haben wir keinen Themenplan und besprechen jede Woche neu, was wir in der nächsten bringen.
    Was ich denke:
    Du bist​ die Zehnte, die mich heute deswegen anruft.​
  • Promis:
    So habe ich das aber nie gesagt.
    Was ich sage:
    Okay, dann sag mir, wie ichs schreiben soll.
    Was ich denke:
    Du bist so langweilig - sei froh, dass ich es verdichtet habe, damit es überhaupt gedruckt wird.
  • Bekannte:
    Waaas, das weisst du nicht? Du bist doch Journalistin!
    Was ich sage:
    Stimmt, Bildungslücke.
    Was ich denke:
    Ich bin nicht der Allwissende. Und du?
  • Verwandte:
    Bei deinen Jobs lernst du sicher mega viele spannende Leute kennen!
    Was ich sage:
    Total! Ich komme echt viel rum und habe coole Gespräche mit den verschiedensten Leuten.
    Was ich denke:
    Nur weil ich grosse Augen mache und Sachen sage wie: «Nei, eeeeeehrlich?», ist mein Gegenüber nicht automatisch spannend. Das ist nur Höflichkeit meinerseits.
  • Freunde:
    Ach, ich wünschte, ich könnte auch schreiben. Ich habe aber kein Talent.
    Was ich sage:
    Das ist alles erlernbar. Ich habe das studiert und lerne jeden Tag dazu. Es ist eine Illusion zu meinen, als Schreiber geboren zu sein.
    Was ich denke:
    Tus nicht. Du wirst weder reich noch berühmt.
     

Doch auch wenn ich nicht reich und berühmt werde, bleibe ich hoffentlich noch sehr lange Journalistin. Ich möchte keine Begegnung missen, keine verrückte Reise und keinen Star, der auch dank meiner Arbeit etwas berühmter und etwas reicher wurde.

Bussi, Bussi aus München.

Im Dossier: Alle Blog-Beiträge von Deborah Neufeld