Bussi, Bussi - der Schickeria-Blog

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Zwischen Cüpli, Bier und Blitzlichtgewitter: Eine Schweizerin mischt sich unter die deutsche Prominenz.

Praktika & andere Katastrophen

Robert De Niro muss in seinem neusten Film «The Intern» ganz schön unten durch. Das erinnert Bloggerin Deborah Neufeld an ihre sechs Praktika und unzählige Schüler- und Nebenjobs während der letzten 20 Jahre...
The Intern Robert de Niro Anne Hathaway Blog Deborah Neufeld
© Dukas

Anne Hathaway und Robert De Niro bei der Premiere ihres Films «The Intern».

«Lehrjahre sind keine Herrenjahre», das hat schon mein Chef Thomas gepredigt, wenn ich mich als Kellnerin in seinem Szenerestaurant am Zürichsee mit den unmöglichsten Gästen rumschlagen musste. Aber hey, ich habe gutes Geld verdient - und sehr viel gelernt. Und wenn ich an unsere letzte Drei-Monats-Praktikantin denke, die nach drei Tagen für immer das Weite gesucht hat, dann kommt mir wieder in den Sinn, wie oft ich seit meinem 13. Lebensjahr Knecht Albrecht gespielt habe.  

Der Satansbraten
Ich begann meine Karriere mit 13 Jahren als Babysitterin. Mit Olmo hütete ich mit Sicherheit das herzigste Kind, das es gab. Ich hätte ihm jedes Mal die Ohren wegknabbern können. Das Problem war nur, dass er nie schlafen wollte. Deshalb weinten wir beide oft. Er, weil er wach bleiben wollte und ich auch, weil er wach bleiben wollte. Beim vielleicht zehnten Hütedienst hatte ich aber den Dreh raus: Ich brachte ihn ins Bett und es war sofort still. Endlich hatte ich es geschafft und wusste, wie der Hase läuft. Deshalb ging ich auch eine ganze Weile nicht mehr in den ersten Stock, was sich als Fehler des Lebens rausstellte. Olmo brauchte nicht mehr als eine halbe Stunde, um das ganze Stockwerk mit dem Lippenstift und dem sehr roten Rouge seiner Mutter zu bemalen. Ein einziges Kunstwerk vom Bad in sein Kinderzimmer und weiter ins Schlafzimmer der Eltern. Es war einer meiner letzten Aufträge.

Das Rechenproblem
Ich kellnerte in einem Café an der Zürcher Bahnhofstrasse und heulte nach einer Woche, weil mein erster Job als Serviererin sehr anstrengend war. Die Füsse taten weh und die Tage waren wirklich lang. Am Ende der Woche fragte mich meine Chefin, nachdem ich meinen Teil Trinkgeld für die Gemeinschaftskasse abgegeben hatte, ob ich nichts bemerkt hätte. Ich sagte «nein» und sie meinte, ich hätte 100 Franken zu viel in den Pot getan. Meine Rechenkünste waren so schlecht, dass ich es nicht mal bemerkt hatte, was sie wiederum sehr schockierte. Deshalb fand sie, ich müsse alle Stationen in einem Restaurant durchlaufen. Und so wusch ich die nächsten vier Wochen Teller in der Küche.

Die Overdose
Mit 15 arbeitete ich für einen Ferienjob bei einem Chocolatier an der Zürcher Bahnhofstrasse. Ich stand den ganzen Tag im kalten Keller und füllte Kisten mit Pralinen auf. Ich war wahnsinnig schüchtern und traute mich nicht zu fragen, wieviel Geld ich bekomme. Das erfuhr ich erst Ende Monat, als sie mir das Geld Cash auszahlten. Acht Franken und nicht zwölf Franken pro Stunde, wie ich gedacht hatte. Ich war so unglaublich sauer, durfte es mir aber nicht ansehen lassen. Aber die Wut ging nicht weg. Ich ging runter in den Keller und ass jede Praline, die ich finden konnte. Das war die Rache des kleinen Mannes. Zu Hause kam alles wieder hoch - aber das war es mir wert.

Rauchzeichen
Ich arbeitete als Praktikantin bei einem Männermagazin (wer jetzt fragen möchte, ob das vor- oder hinter der Kamera war: Ich habe den Witz vorher schon 1000 Mal gehört). Jedenfalls gaben sie mir das Zimmer mit der Couch. Fand ich mega. Bis ich herausfand, dass es - wegen der Couch - das Lieblingszimmer aller Raucher war, die mich abwechslungsweise im Viertelstundentakt besuchen kamen. Nach zwei Monaten starb ich fast an einer Lungenkrankheit. Dafür hatte ich noch nie in so kurzer Zeit so viele Freunde gefunden.

Apfelkuchen
Es war bestimmt mein schönster Arbeitsplatz: Das Szene-Restaurant mit Seeanstoss. An diesem Abend hatte offenbar die Filmpremiere von American Pie 4 stattgefunden und die Schauspieler kamen zu uns essen. Ich servierte und tratschte mit ihnen, bis der Hauptdarsteller mich fragte, wo man in Zürich ausgehen könnte. Ich empfahl dies und das und erklärte auch, wie er dorthin komme. Bereits um 23.00 Uhr, zwei Stunden früher als sonst, kam mein Chef zu mir. Die Agenten hätten ihn gefragt, ob ich dem Schauspieler die Stadt zeigen würde und dafür frei bekäme. Mein Chef wusste aber nicht, wer der Schauspieler war. Ich sagte «Apfelkuchen» und er sagte: «Also gut, hau ab.»  Der Typ war Jason Biggs und es wurde ein lustiges Tourismo-Wochenende.

Vor laufender Kamera
Ich machte ein Praktikum bei einem Schweizer TV-Sender. Unsere Chefs waren grässlich - niemand fühlte sich verantwortlich für uns, was dazu führte, dass wir ohne Plan meist nur im Weg rumstanden. Als ich mal mithelfen durfte, traute ich mich nicht zu fragen und textete fröhlich für die 18.00-Uhr-News-Sendung vor mich hin. Dass etwas nicht stimmte, merkte ich aber erst, als die Nachrichten live über den Sender gingen. Im Fernsehen war eine Fähre zu sehen, die vom einen Bildrand zum anderen schipperte. Der Kommentator vermeldete währenddessen den schrecklichsten Waldbrand Kaliforniens seit Jahren. Offenbar hatte ich dieses PC-Programm wirklich nicht ganz begriffen.

Fazit:

  • Man darf sich nie für eine Arbeit zu schade sein, jeder Nebenjob und jedes Praktikum lehrt Geduld, Durchhaltewillen - und man macht neue Kontakte
  • Der Anfang ist immer Horror, man muss durchhalten
  • Der Film mit Robert de Niro ist leider total Banane
     


Bussi, Bussi aus München.

Im Dossier: Alle Blogs von Deborah Neufeld