Čačak, Serbien

Čačak. Action! Und einer weniger. Am 5. Tag findet die Kowalski-Reise für unser «Rørlegger»-Mobil ein abruptes Ende.

Den letzten beissen die Hunde.

Nach ein paar Cappuccinos tuckern wir beiden «Rørlegger» am Mittwoch gegen Mittag gemütlich aus Sarajevo raus. Die Mädels von «Wir sind auch ein Auto» mussten unter dem strengen Regime ihrer Kapitänin schon um sieben Uhr Morgen ab nach Belgrad. «Vanishing Point», «All In» und «Hot Wheels» wollten den Partytaumel der Hauptstadt meiden und irgendwo in Serbien «fischen gehen». Auch sie waren auch schon seit Stunden unterwegs.

Wir haben den Jugi-Chef nach dem Weg nach Belgrad gefragt. Er war sich nicht sicher. «I have never been there. And believe me. I don’t intend to go there.» Die 1425 Tage Belagerung, sind zwar in der Stadt kaum noch sichtbar, stecken aber noch in allen Knochen.

Rørlegger-Action

Nach einer knappen Stunde Fahrt durch eine Züri-Oberland-ähnliche Gegend setzt ein leichter Regen ein. Vor uns stehen fünf Autos auf der Strasse. Grosses Palaver. Ein Gang-Meeting? Strassenüberfall? Wir verstehen kein Wort. Plötzlich ist klar: die Strasse ist spiegelglatt. Wir umkurven die Fahrzeuge vorsichtig, fahren 30, 40 maximal. In der nächsten Linkskurve kommt uns ein kleiner Opel entgegen.

Zeitlupe.
Weisser Opel schert nach links aus.
Weisser Opel schleudert auf unsere Strassenseite.
Vollbremse Team «Rørlegger». 
Vollbremse weisses Auto.
Quiiiieeetsch.
Craaaaaash.
Booooom.

Qualm im Auto.
Brennt der Motor?
Der Airbag ist mintgrün. Und raucht. Und stinkt.

Aussteigen.

«Alles OK bei dir?»
«Ja. Und Du? Alles OK. Nur die Arme irgendwie verbrannt. Verdammter Airbag.»

Der weisse Opel auf der anderen Fahrbahn hat seine Knautschzone geopfert. Aber die Fahrerin steigt aus, ebenfalls unverletzt.

Hinter uns stockt der Verkehr. Einsatz der beiden Pannendreiecke.

«Policia?»
Die schwarzhaarige Frau im dunkelblauen Trainer mit roten Streifen nickt. Mehr Verständigung liegt nicht drin. Das Warten beginnt.

Wo sind unsere Musketiere? Telefon an «All In». Die drei Fischerteams sind seit vier Stunden unterwegs und schon weit ausserhalb der bosnischen Grenze, in einer tessinähnlichen Umgebung mit Sonnenschein. 

«Wir kehren sofort um.»
Das ist wahre Freundschaft.

Nach einer Viertelstunde zwei Verkehrspolizisten, ohne ein englisches Wort im Schatz. Wir warten. Worauf auch immer. Sie regeln zumindest den Verkehr. Eine Stunde später: Auftritt zwei echte Polizisten. Immer noch kein Wort englisch. Nach ausgiebigem Rumgestehe werden Fotoapparate ausgepackt. Unsere Rettungsteams sind mittlerweile in Srebrenica.
Weisser Opel fährt irgendwann mit eingedrückter Schnauze weg.

Worauf warten wir? Was passiert jetzt? Chris ruft einen bosnischstämmigen Freund in der Schweiz an, der auf beide Seiten simultanübersetzt. Versicherungstechnik. Wir müssen mit auf den Posten.

Wir können noch fahren. Respektive: für Schweizer Verhältnisse eigentlich nicht. Hier gelten aber andere Gesetze. Fahrzeug kann sich vorwärts bewegen? Also: Fahren!

Chris entwickelt hübsche, wässrige Brandbasen. In einem quietschenden, sich mit allen Kräften gegen die Gewaltanwendung wehrenden «Rørlegger»-Mobil rumpeln wir, tödlich getroffen, hinter den Verkehrspolizisten her. Über 25 Minuten lang. Mit Blaulicht vertreiben die Polizisten vor uns Kühe und (wilde?) Pferde von der Strasse.

Polizeiposten Sokolac

Möbel aus der Prä-USM-Zeit. Dafür darf im Büro noch geraucht werden.
Warten.
Warten.
Rauchen.
Warten.
Sie füllen A3-formatige Formulare aus. Von Hand.
Warten.
Warten.
Trockenfleisch essen.
Warten.

Um sechs Uhr abends ist endlich unsere Rettungsmannschaft da. Im Konvoi umkreisten sie das Polizeigebäude. Endlich ist hier mal was los!
Warten.
Warten.

Der Versicherungsexperte ist zu seinem Urteil gekommen. 2000 Euro Schaden. 3 Tage Reparatur. Die haben wir nicht. Aber sie wollen das Fahrzeug nicht Totalschaden schreiben. Aber weg muss es. Und zwar sofort. Wir holen Pizza und Burger, essen auf der Motorhaube vom «All In»’schen SUV.

Hot Wheels sind kreativ. Sie kurven auf der Suche nach jemandem, der sich einen kaputten Volvo schenken lassen will, durch Sokolac. Mit einem einarmigen, hinkenden Mann kehren sie zurück. Der kann seinem Glück nicht recht trauen und will sich unbedingt von der Polizei bestätigen lassen, dass hier alles mit rechten Dingen zu- und hergeht.

Dann: Nicken.
Wir schrauben unsere Exportschilder ab. Ciao-ciao, «Rørlegger»-Mobil!

Nun sind Chris und ich Söldner. Auf die Rückbank von «Vanishing Point» und « SunSeeker» (seit Adrian ständig dran rumsprayt, auch bekannt unter dem Namen Clownmobil) strafversetzt.

Wir wollen raus aus Bosnien. Staunen am Zoll. Schon wieder die?
«Habt Ihr nicht gesagt, Ihr wollt nach Damaskus?» 
«Dochdoch. Kleine Touristen-Runde.»