Dai Mar Musa - Damaskus

We did it!

Nicht mehr ans früh ins Bettgehen gewöhnt, war ich trotz der absoluten Stille am Berg schon um sieben wach und habe ein paar Liter des raren Wassers für eine Dusche geopfert.

Nach dem Frühstück, einer exakten Kopie des Abendessens, und einer Miniwanderung sind wir gegen Mittag mit einem Spanier und einer Irakerin auf der Rückbank gegen Damaskus losgefahren. Das Hotel war schwierig zu finden. Wie in vielen Grosstädten kennen die Taxifahrer wohl ein oder zwei Viertel wie ihre Westentasche, dann wird’s aber gleich ziemlich schwierig. Ein versammelter Frauenschönheitssalon ist uns zu Hilfe gekommen, hat die Karte studiert, hin- und herübersetzt und im Hotel angerufen, um ein Taxi zu bestellen, dem wir nachfahren können. Dabei haben die Mädchen schön Anstandsabstand zu den «Vanishing Point»-Jungs gewahrt – sehr zu deren Bedauern.
 
Stadt der Schleier

«SunSeeker» und die Hälfte von «All In» sind kurz nach sechs Uhr von der antiken Ruinenstadt Palmyra her angelangt, nachhaltig begeistert von der zweieinhalbstündigen Fahrt durch die Wüste. Ein erster Schnupperspaziergang in der Altstadt. 90 Prozent tragen Kopftuch, 8 Prozent noch mehr. Mein Jupe ist zwar knielang, aber vorne geschlitzt. Das macht mich zur Zielscheibe unzähliger starrer Blicke. An unseren Cornets der besten Gelateria von Damaskus (mit Pistaziennussdekoration) lutschend, haben wir Tickets für eine der einflussreichsten Moscheen der islamischen Welt geholt. Mir wurde ein schlammbrauner Ganzkörperumhang mit Kapuze verordnet, dank der ich kaum was sehen konnte. Brav bin ich hinter den fünf Jungs hergewandelt und im Gebetsraum zwei Meter nach der Geschlechtergrenze zurückgepfiffen worden. Wir haben den langen Raum dann parallel durchschritten, im Abstand von fünf Metern.
 
Geplatztes und Geschlitztes

Anruf des Frauenteams «Ich bin auch ein Auto». Die zweite Reifenpanne – auf der Autobahn. Sie werden es aber irgendwie hinkriegen und irgendwann ins Restaurant kommen. Um halb zehn waren dann alle da.
Die «SunSeeker» hatten auf dem Parkplatz in Aleppo heftig mit dem Wächter um Gebühren gestritten. Beim Wegfahren hat unser Nahostexperte am Bordstein den Pneu des kunterbunten Buick aufgeschlitzt. In der selben Sekunde hat die eben noch erboste Wachmannschaft von Modus «Business» auf «Gastfreundschaft» umgeschaltet. Sofort hat sich eine ganze Gruppe Männer um das Auto geschart, den «Clown» aufgebockt, den Reifen entfernt und, weil das Ersatzrad unbrauchbar war, in einer Garage einen neuen organisiert. Keinen Finger duften unsere Jungs rühren. Der Chief himself hat Fanta und Cola für alle besorgt. Und Stühle – zum Warten.
 
Im Restaurant viele Mezzeplatten und wieder grosse Schleierparade. Dazwischen ein paar junge, aufgedonnerte Frauen mit rasierten, neugemalten Augenbrauen. Ein moderner Geist scheint hier vorzudringen. Allerdings elend langsam.