Damaskus

Quer durch Old Town für syrischen FREITAG und elegantes nächtliches Abserviertwerden.

Einen ganzen Tag haben wir für die Endstation unserer Fahrt Zeit gehabt. Im Internetcafé sind Facebook, Hotmail und andere offenbar obskure Seiten gesperrt. Von oben weht ein harscher Wind. Bilder des syrischen Führers kleben in allen Variationen an Wänden und sogar Autoheckscheiben: der gestrenge Herrscher, der freundliche volksnahe Patron, der strategische Militärkopf und der putineske Jagdhund.

Als erstes sind wir in den riesigen, traumhaften Souk eingetaucht. Neben Gewürzen, Beautyartikeln, Kopftüchern, Parfums und Plastikkinderspielsachen sind hier auch, billige, aufreizende Frauenfummel im Angebot. Was die Damenwelt hierzulande wohl unter dem schwarzen Umhang trägt?

Ruhiges Gewimmel in verworrenen Gassen

Anders als in anderen arabischen Ländern wird an syrischen Märkten wenig gehandelt; viele Preise sind fix, und die Stimmung ist unaufgeregt. Auch im Strassenverkehr ist trotz unzivilisierter Fahrweise kaum Gehupe hörbar.

Nach dem obligaten Glacéstopp haben wir in einer kleinen Gasse die syrischen FREITAG-Tasche entdeckt: Eine Art Korb aus alten Autopneus mit Plastikgriffen. Unser must have für die heimische Büchsensammlung. Ein zuvorkommender Herr hat uns den Namen und möglichen Fundort der Tasche in Arabisch notiert. Die Handwerkskaste ist am äusseren Rand des Souk beheimatet. Eine ganze Gasse Boilerfertiger liegt parallel zu den Gartenschlauchverkäufern und quer zu den Minaretturmschmieden. Im letzten Winkel haben wir die Dinger namens ‚Keffe’ aufspüren können. Dem jungen Syrier war auf dem Gesicht abzulesen, dass er uns Westler für total durchgeknallt gehalten hat. Aber als Ausländer geniesst man in diesem Land einen endlosen Toleranzbonus.

Seit Monaten schon bin ich Facebook-Freundin des Inhabers des «Ziad Barber Shop» im Nobelviertel der Stadt. Ein Mitglied von Team All In hat sich netterweise überreden lassen, bei Ziad Bart und Haare zu stutzen. Unangemeldet sind wir am späten Nachmittag in den Laden geplatzt.

„You are Dani from Switzerland“, hat er mich erkannt und sich persönlich – und erfolgreich – um die ungewohnten rotbraunen Locken auf dem Stuhl vor sich gekümmert. Überlauter Elektro ist durch den kleinen Laden geschallt. Ziad hat unsere ganze Gruppe an die Eröffnungsparty eines Dachterrassen-Clubs in der Innenstadt eingeladen. Dreissig Minuten später und 17 Franken leichter sassen wir in einem Sammeltaxi heimwärts, dessen Chauffeur sich strikt geweigert hat, Geld von uns anzunehmen.

Arabische Problemlösung Seine Versprechen hat Ziad ihn in arge Bedrängnis gebracht. Der Club, in den er uns geladen hatte, war offenbar bereits völlig überbucht. Wie löst ein der Gastfreundschaft verpflichteter Araber ein Problem wie dieses – sauber und elegant? Kurz vor Mitternacht haben uns Ziad und seine lokalen Jeunesse Dorée-Freunde vor dem überteuerten Drehrestaurant im 15 Stock abgeholt und statt auf die Dachterrasse ins ‚Zodiac’ gefahren. Dort war der beste Tisch für uns reserviert. Eine Viertelstunde später schrieb Ziad, er sei nach wie vor auf Parkplatzsuche und werde noch seine Freundin abholen. Er kam nie mehr zurück.