Damaskus - Beirut

Mehr Zolltheater und Mr. & Mr. KowalskiRide 2010.

Mit einer Top Speed von 40 Stundenkilometern hat sich der zum Schiff umdekorierte Ford von «Ich bin auch ein Auto» am Freitagmorgen an die libanesische Grenze gekämpft. Während die Mädchen zwangsgemütlich vorausgetuckert sind, mussdurfte ich mit dem Restgeschlecht etwas ab der Hauptstrasse zum Foto- und Filmtermin für die Autos. Hier ein bisschen Wüstenstaub aufwirbeln, da ein wenig Gummi verbrennen. So steht es im Buche. Nicht mal eine Weihnachtsbescherung kann so viel Leuchten auf Gesichtchen zaubern.

Die Ausreise aus Syrien – nahezu so mühsam wie die Einreise. Dass unser Nahostexperte von «Team SunSeeker» ab einem gewissen Punkt nicht bereit war, noch mehr zu schmieren, hat die Angelegenheit nicht unbedingt verkürzt.

Finito KowalskiRide 2010

Nach der Grenze ist unsere kleine Autoflotte von einem libanesischen Garagisten übernommen worden. Unsere blechernen Habibis, die uns über 5000 Kilometer transportiert haben, waren plötzlich entschildert und in fremden Händen. Ein sentimentaler Moment. Mit Vans sind wir nach Beirut gefahren worden. Zum Abschluss haben wir uns in einem Viersternhotel einquartiert. Freundlichkeit? Total überbewertet. Hier dürfte man in letzter Ruhe vor der Rezeption sterben. Es würde bestimmt niemanden stören.

Und die Bremsscheibe geht an...

Nach dem Abendessen in Form von Mezze, Kaftakebabzeugs mit Pommes zum x-ten (scharfe Gewürze haben den Weg in diese Region scheinbar nicht gefunden), haben wir uns auf einer Treppe in der Altstadt versammelt. Siegerehrung! Das Gewinnerteam waren – verdientermassen – die beiden Clowns von «SunSeeker». Zur Trophäe, die in der Schweiz wartet, gab’s je ein Paar schicke Unterhosen vom Souk in Damaksus im Wert von 75 Rappen.

Crazy Beirut

Beirut ist die Stadt der Wolkenkratzer. An bester Lage warten verwaiste Hochhausleichen neben exklusiven Neubauten auf ihren endgültigen Zerfall. Private Sport- und Badeclubs an der Küste werden von Männern mit Camouflage und Gewehren beschützt. An den der Paria vorbehaltenen öffentlichen Strandabschnitten gibt es kaum Frauen, dafür angespülte Algen, Zivilisations- und Kanalisationsreste und eine tote Ratte.

«Beirut ist die Stadt der Paradoxe», hat ein hier stationierter französischer Kriegsjournalist gemeint. Es scheint, dass die Ober- und Mittelschicht, die nur etwa 10% der (geschätzten) zwei Millionen Beiruter, ausmacht, so exzessiv und dekadent lebt, als gäbe es keinen Morgen danach.

Zara, H&M und alle gewichtigen Amerikaner haben die Stadt okkupiert. Zwischen den Scharen von Ausgangswilligen aus (nicht ganz) aller Welt hat sich um zehn Uhr abends ein Konvoi von sechs Militärjeeps mit schweren Jungs mit MGs im Anschlag, Finger am Abzug seinen Weg gebahnt. Machtdemonstration?

Das Taxi, das uns in den frühen Morgenstunden ins Hotel zurück gebracht hat, hatte was von einer in den 70ern ausgemusterten Riesenradkabine. Scheinwerfer für nächtliche Fahrten? Total überbewertet.

Arabisch wird vor allem von Taxifahrern und von den Frucht- und Gemüsehändlern gesprochen, sonst dominieren Französisch und Englisch. Wir sind am äussersten Ende unserer Reiseroute angelangt. Aber Beirut scheint weit verwestlichter als unsere letzten Destinationen.

Ende Road Trip. Ende Abenteuer. Ende KowalskiRide 2010. Bereits Freitagnacht sind die beiden «SunSeeker» heimgeflogen. Wir anderen tauchen noch zwei Tage ins libanesische Leben ein. Heute Abend gibt’s Pasta.