Damenriege

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Basel ging aus!

Letzten Montagabend. Amuse Bouche liess es sich nicht nehmen, am «Basel geht aus!» Event mitzugehen und das eine oder andere Häppchen im Massenansturm zu ergattern. Ein kurzer Rückblick… mit einem leicht bitteren Nachgeschmack!

Wenn ich schon mal die Gelegenheit habe, an einem bekannten Häppchen-Event dabei zu sein, muss ich nicht zweimal überlegen mitzugehen. Meine Begleitung wollte nicht alleine gehen und fragte mich spontan, ob ich dabei sein möchte, da sie wusste, dass ich gerne und gut esse. Ich war sehr gespannt, denn das in aller Munde bekannte Gourmet-Magazin «Basel geht aus!» war ja kein unbeschriebenes Blatt. Zumal es in Zürich und Tessin die gleiche Spezie davon gibt, nur sind die Namen der Städte, der Lokale, die Kommentare und die Umgebungen halt anders. Eigentlich logisch, oder!

Das Prinzip an diesem besagten Abend von «Basel geht aus!» ist in einem Satz einfach erklärt: Die von einer Jury ausgewählten besten Restaurants von Basel und Umgebung für das neue Jahr werden in einer speziellen Basler-Location gekürt und ihre vor Ort selbstkreierten Leckereien, werden in allen Variationen durchs geladene Publikum von gutaussehenden in Schwarz gekleideten Kellnerinnen und Kellnern gereicht. Sofern die Gäste am richtigen Ort stehen und sich den Bauch mit allem was das Amuse-Gueule-Herz begehrt voll schlagen können! Das hört sich jetzt ein wenig dekadent an, aber das Motto an diesem Abend kam mir vor wie, esst und trinkt so viel ihr könnt, es ist eh alles gratis! Ich war ein wenig erstaunt, wie gross der Ansturm auf die kleinen Kunstwerke war, denn ich hatte das Gefühl, dass einige Gäste seit Tagen nichts mehr gegessen hatten, so wie zugelangt und hinter den netten Kellnern hinterher gerannt wurde! Es war ein regelrechtes Draufstürzen und alles andere, was an diesem Abend noch im Event-Angebot war, wurde bei vielen zweitrangig. Die witzigen Interviews mit den Chefkochs der gekürten Restaurants und die besondere Musikeinlage zweier Opernnachwuchstalente wurden gar nicht richtig wahr genommen. Anstatt dass die Gäste zuhörten, was die Gourmet-Gewinner zu sagen hatten, wurde wortwörtlich getrascht, geckichert und mit den Gläsern zugeprostet, dass der eigentlich Show-Akt zu wenig rüber kam. Und auch der Versuch das Publikum vom bekannten «Walliser-Ditsch-Moderator» mit einem «Pschscht» zu bändigen, nutzte leider nicht viel. Die Häppchen-Gier und das seit-Wochen-nicht-mehr-was-zu-futtern Hungerstillen waren leider grösser!

Auf die Frage, welches Hauptpublikum an diesem Anlass eigentlich geladen ist, meinte ein Gast, dass es meistens Gastronomen, Personen aus dem Gastrobereich oder Sponsoren sind, oder jene die sich ein teures Inserat im Magazin leisten und mit Begleitung(en) eingeladen werden… Aha, demnach diejenigen, die sich dank einem grosszügigen, gekauften Zustupf im Magazin aufführen lassen können oder so? Ich bohrte nicht weiter nach, aber liess es mir nicht nehmen, mental weiter abzulästern! Nach einer knappen Stunde Vorspeisen-Präsentieren- und Probieren kam der Hauptgang der gekürten Basel und Umgebung Restaurant-Gewinner. Wiederum in kleinen Schälchen, Löffelchen und Tässchen wurde jedes Mini-Mini-Menu einzeln serviert und es gab mir zu denken, als ich das Ausmass an Plastikteilen sah, die nach jedem Häppchen-auf-einmal-wegschlürfen in den Abfall landeten! Oder ich nehme nicht an, dass jemand dafür eingestellt wurde, die tausend Mini-Plastik-Teile nach der Grande Bouffe einzeln abzuwaschen. Das interessierte anscheinend niemand wirklich, denn jetzt war der eigentliche Hauptakt vom Abend gekommen! Das offizielle Magazin «Basel geht aus!» wurde den Gästen verteilt. Es kam mir vor, wie vor einem Megakonzert, wo sich die Leute regelrecht noch um die letzten Tickets reissen. Die Hochglanzmagazine wurden den (auch hier wieder gutaussehenden) «Promotern» beinahe aus den Händen gerissen. Und diejenigen die sich an diesem Abend den Bauch so vollgeschlagen haben, waren auch die ersten, die das Magazin in ihren Händen hielten.. Hatte ich selber beobachtet und dachte, wie peinlich! Und das sollen Gourmet-Spezialisten sein!

Die Location wurde auf einmal ziemlich schnell leer, denn die meisten verliessen ohne ein Dankeschön und Adieu den Event, nachdem sie IHR heissgeliebtes Magazin ergatterten und damit wahrscheinlich noch prahlen konnten, dass sie die ersten an diesem Abend waren. Der letzte Gang, das Dessert, wurde plötzlich unwichtig und die schönen Kellner haben regelrecht darum gebeten, dass ich unbedingt etwas davon probieren sollte. Ich hätte lieber noch etwas salziges gekostet, doch diese Häppchen waren seit längerem bereits leider alle. Und schade für die grosse Mühe.

Und die Moral der Geschichte: Da wird einem ständig in allen Koch- und Gourmet-Formaten eingeflösst und vorgelebt, wie schön, genussvoll und kulturell gutes Essen ist und diejenigen, die es einem eigentlich Vorleben sollten, machen einfach satt-und-mag-kein-Blatt einen französischen Abgang. Bon appétit!