Damenriege

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Bei dem Wetter entwickeln die Lesben Kinderneid

Anna hat das schöne Wetter genossen, ausgiebig gepicknickt und entwickelt deswegen Kinderneid. Bevor die Zwillinge kommen hätte sie aber gerne noch gleiche Rechte. Und vielleicht noch einen ganz tollen Kinderwagen. Wenn das geht.

 Als ich am Donnerstag an einem Projekt in München arbeitete, fragte mich mein Gegenüber: "Und am Freitag geht's zurück nach Zürich zur Familie, was? Haben Sie Familie?" Etwas verdutzt über die Frage mussten meine Synapsen erst eins und eins zusammenzählen, bis ich geschnallt hatte, dass der mich wirklich fragt, ob ich Kinder habe. Irgendetwas in mir hätte am liebsten laut losgelacht. Und das hätte ich auch, wenn ich mir nicht gesagt hätte, dass der mir ja die Lesbe schlecht ansehen kann.

Beim Picknick vom Muttergefühlen überschwemmt

Zurück in Zürich machen Frau Weg und ich mit dem Fotografenfreund einen Ausflug mit Picknick auf der Josefswiese. Während wir gemütlich unseren "fried rice" essen, können wir einer Gruppe von Hipster-Eltern neben uns zusehen, wie sie den Abend mit den Kindern im Park ausklingen lassen. Ein kleiner Junge mit blonden Locken versucht vergeblich, ein Spielzeugauto aus dem trockengelegten Betonteich zu ziehen und fängt an in Intervallen zu weinen und sich umzuschauen, ob jemand auf ihn aufmerksam wird. Ein 10-jähriger hilft dem kleinen gespielt genervt und ich – ich bleibe von geballten Muttergefühlen überschwemmt auf der Wiese zurück. Verdammter Frühling!

Es ist ja nicht einmal so, dass Kinder im Moment ein Thema wären. Oh nein, zu wenig Geld, zu wenig stabiles Leben, viel zu viel Angst vor der Verantwortung – ihr kennt die Ausreden. Aber trotzdem überkommt es mich manchmal und ich denke: Eigentlich würde ich so gerne ein Mami sein, irgendwann. Und wenig schlafen und dafür Liedli singen und Ausflüge machen und irgendwann von einem Teenager gehasst werden (ich hoffe nicht) – und zwar mit allem, was dazugehört. Mit allen Rechten und Pflichten, wie man so schön sagt.

Solange nichts schiefgeht, ist alles gut

Wo wir grad bei Pflichten sind, darf ich illustrieren, was mich so nervt? Stichwort: Unterhaltspflichten. Stellen wir uns vor, Frau Weg und ich hätten Zwillinge. (Komischerweise bin ich überzeugt davon, dass wir Zwillinge hätten.) Ich wäre die biologische Mutter, Frau Weg hätte mit Mitte 40 eine Midlife-Crisis und würde nach Thailand abhauen um dort ein Hotel zu eröffnen – ironisch gesprochen; nichts würde weniger zu ihr passen. Ihr ahnt was jetzt kommt? Genau: Ich hätte rechtlich nicht den geringsten Anspruch auf Unterhalt. Preisfrage: Kann sich jemand aus Heterosicht damit identifizieren? Im Sinne von: Wie würde Ihr Leben ohne Unterhaltszahlungen aussehen? Eben.

Und weil das Thema dank Tagi-Magi und familienchancen.ch und Frühling grad wieder sehr aktuell ist, darf ich das doch sagen: Ich bin es wirklich, wirklich leid, mich rechtfertigen zu müssen, weshalb mir dieses Thema so wichtig ist. Schliesslich wären Frau Weg und ich die Supermamis. Und es wäre echt chic, dabei noch die gleichen Rechte zu haben.