Damenriege

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Bitte einmal Absturz und zurück

Vor zwei Wochen standen Frau Weg und ich etwa 6317 Kilometer entfernt von zuhause am Flughafen und stritten uns die Seele aus dem Leib. Vier Stunden später stürzten wir in den Atlantik. Oder wie war das?

Vor zwei Wochen standen Frau Weg und ich etwa 6317 Kilometer entfernt von zuhause am Flughafen und stritten uns die Seele aus dem Leib. Es waren unsere Ferien, ein genialer Spontanentscheid, eine Chance, die wir nutzen mussten – und jetzt standen wir im paranoidesten Land der Welt und von der Heimat trennte uns nicht mehr als hustender Vulkan.

Notgroschen und Notfälle

Um zu verstehen, weshalb Frau Weg und ich uns deswegen die Seele aus dem Leib stritten, muss ich anmerken, das hier zwei organisatorische Welten aufeinanderprallen. Frau Weg ist diejenige, die zwar etwas verträumt, aber immer 10 Minuten zu früh ist (bzw. zwei Stunden zu früh, bei ganz wichtigen Dingen wie Interkontinentalflügen). Sie hat auch immer alle Papiere an einem Ort und 50 Dollar Cash, für Notfälle. 

Ich hingegen habe es zum Beispiel kürzlich geschafft, in Paris unsere Retourtickets für den TGV zu verstecken. Sehr gut zu verstecken. Zwei Monate später bin ich – ebenfalls in Paris – mit meinem Fotografenfreund und Gepäck von der Gare du Nord zur Gare de l'Est gehechtet. Wenige Minuten vor Abfahrt des TGVs. Und wiederum zwei Monate später, wieder mit dem Fotografenfreund, sind wir mit quietschenden Taxireifen am Wiener Flughafen angekommen. Zwanzig Minuten vor Abflug.

Die Ruhe nach dem Stau

Im Nachhinein kann ich es also irgendwie verstehen, dass mein "Das klappt schon, mach' dir keine Sorgen!" in einem New Yorker Taxi im Stau, nicht ganz so beruhigend war, wie es hätte sein sollen. Fakt war: Alle Flüge an diesem Montag waren annulliert, bis auf unseren, von dem wir nichts wussten, ausser "wird evtl. durchgeführt". Fakt war auch, dass eine entspannte Ferienverlängerung finanziell definitiv nicht mehr drinlag.

Und ich glaube, es war ebenfalls nicht der Inbegriff von Zen, dass ich – als wir überraschenderweise doch einchecken durften – kurz vor dem Abflug seelenruhig meine Postkarten illustrierte und meine geliebte Begleiterin damit in den Wahnsinn trieb.

Ich und Ayva-Fiat-Joghurt-Merkel

Nachdem wir uns also die Seele aus dem Leib gestritten und uns auf individuellen Märschen durch die Souvenirshops am Flughafen abreagiert hatten, nachdem wir versöhnt und Arm in Arm am Gate angekommen waren, nachdem wir es uns im Flugzeug gemütlich gemacht und gegessen hatten, nickte ich endlich erschöpft ein.

Und als ich wieder aufwachte war das Flugzeug im Sturzflug. Aschewolke! Triebwerkausfall!

Eyjafjallajökull! Ich meine: Hilfe! Panik! Und: weshalb schlafen alle weiter?

Am Rande meines Nervenzusammenbruchs habe ich dann etwas beschämt den Kopf nach hinten gelehnt und musste mir eingestehen, dass das Flugzeug nicht im Sturzflug, sondern mein Kopf im Schlaf nach vorne gekippt war. Für meinen Geschmack etwas zu viel Indiana Jones auf den Rückreisen in letzter Zeit.