Damenriege

Damenriege

Der alte Mann und das junge Weib.

Miss Meyer fragt sich diese Woche, warum Männer über 50 oft denken, sie könnten Frauen unter 30 erfolgreich anmachen.

Ein Phänomen fasziniert mich seit jeher besonders. Das Phänomen vom alten Mann und der jungen Frau.

Genauer: Von Männern, oft in einem Alter, in dem sie sich um ihre Enkel kümmern sollten, die ihre Zeit aber lieber mit herumscharwenzelnd um junges Gmües verbringen. Das kann man, wenn man will, aus rein ästhetischen Gründen ja noch nachvollziehen. Umgekehrt nennt sich das "Cougar". Praktisch ist es aber überhaupt nicht nachvollziehbar.

Denn: Hat je eine junge Frau sich wirklich auf einen alten Knacker eingelassen? Lassen wir Reichtum, Macht oder Liebe einmal aus dem Spiel. Wir reden hier vom Otto Normalverglüschtler. Männer, die das Alter des Scharrens bei weitem überschritten haben.

Männer, die 130 kg wiegen und meinen, Zitat, "Dass es noch drin liege", die arme Serviertochter (warum eigentlich heisst das "Tochter?") oder die halb so alte Dame am Nebentisch anzumachen. Sind die sabbernden Versuche dann erfolglos, ist die Frau a) schuld daran, b) lesbisch oder c) beides.

Nun kann man argumentieren, dass dieser Reigen genetisch bedingt sei. Der Mann muss sich fortpflanzen. Und sei er 90 Jahre alt. Es ist sein innerer Drang, seine Spermien fachgerecht an die Frauenwelt zu verteilen. Das ist sein Lebensauftrag. Sein raison d'être. Nur: Wir sind hier nicht mehr im Neandertal! Wir sind beinahe im anno domini 2011.

Ich habe mal miterlebt, wie ein über 80-jähriger Tattergreis eine Bekannte von mir in ihrem Geschäft angemacht hat. Der Gute konnte sich beinahe auf den Beinen halten, sein letztes Stündli würde bald schlagen. Dies hielt ihn aber nicht davon ab, eine 25-jährige anzumachen. Sein Verhalten erschien einem, als würde sich der Greis tatsächlich reelle Chancen ausmalen, bei der Verkäuferin zu landen. Jämmerli nei au.

Diese verzerrte Wahrnehmung rührt daher, dass ein Mann, wenn er in den Spiegel schaut, immer einem 20-jährigen entgegenblickt. So ist es nicht unlogisch, dass sein Spiegelbild etwas Gleichaltriges, Knackiges sucht.

Deshalb sollte der notorische Frauenanmacher sich folgendes eingestehen:

  • Ich lasse jetzt die jungen Meitli in Ruhe und überlasse das Feld den jungen Buben
  • Es ist stillos und verblendet, wenn ich eine anmache, die meine Tochter sein könnte
  • Last but not least: ich muss anerkennen, dass ich zum alten Eisen gehöre, und dieses kommt ins Hagenholz. (Entsorgungsstelle in Zürich-Nord.)