Damenriege

Damenriege

Die Lässigkeit der Runzeligkeit

Um sich die letzten müden Stäubchen des Winters auszutreiben, hockte sich Löwenherz am Nachmittag in die Sauna. Auch wenn die Optik nicht berauschend war, gefiel ihr, was sie sah.

In Wien pfeift oft ein garstiger Wind. Um mir den aus den Knochen zu treiben, machte ich mich über Mittag auf in die Sauna. Als ich mich mit meinem Handtuch in den Schwitzkasten begab, begrüssten mich sieben Köpfe mit einem lauten «Na, eine Junge! Grüssgott!». Die sieben Köpfe sassen auf den Schultern von sieben runzeligen weiblichen Körpern. Ich war mit bestimmt 50 Jahren Abstand die Jüngste in der Runde. Keine Übertreibung.

Orangenschälen und Orangenhaut

In den Pausen zwischen den Saunagängen schnatterten die Damen im Ruheraum munter drauflos, schnabulierten ihre mitgebrachten Kekse und Orangen, rauchten und tranken.

Die Themen reichten von «Wie verhindere ich, dass mein Mann schnarcht?» (Antworttenor: «Ihm eine hauen, bis er Ruhe gibt.”) über das Wetter bis hin zur Diskussion über moderne Kindererziehung («Die Kinder in die Krippe abschieben, das geht gar nicht!» – «Also ich hätts getan, fünf Tage die Woche, wenns sowas gegeben hätte damals.» – «Ah geh, des wird sich alles einrenken irgendwann, lassts einander noch a bissi leben, Herrgott!»).

Zwei der Damen waren vertieft in Schwärmereien über ihre Jugendsünden («Der Hansl, damals, der war scho a recht fescher Bursch.»). Inklusive mädchenhaftem Gekichere.

 Spa für Omas

Nach zwei Stunden war ich entspannt. Entspannt vom Schwitzen und davon, in einem Kreise zu sitzen, wo unästhetische Runzeln und Schwabbeleien so selbstverständlich zur Schau getragen wurden, wo Intimrasuren kein Thema waren (wörtlich: KEIN Thema) und wo mit Lässigkeit dem gefrönt wurde, was so oft im jugendlichen Alltag verloren geht: dem süssen Nichtstun mit Freundinnen.