Damenriege

Damenriege

Eine Freakshow namens ÖV.

Ich und der Zürcher ÖV. Wir sind kein Traumpaar. Es ist wie Schule. Man geht nicht gern hin, muss aber.

Mein Velo Georgette ist im Winterschlaf, ich muss Monatsabos lösen. Nicht schön. Ich bin sonst ein geruhsamer Mensch, aber Tram fahren macht mich närrisch.

  • Ich verpasse garantiert immer das Tram, welches ich brauche. Murphys Law.
  •  Ich muss bei jeder zweite Fahrt intensiv beten, dass der Freak, der Selbstgespräche führt, eine Alkoholfahne und seit 1994 nicht mehr geduscht hat, sich neben mich setzt. Beten hilft übrigens. Früher, als ich noch nicht betete, war mein Freak-Magnetismus einiges ausgeprägter. In dieser Stadt ist die Freak-Dichte ja extrem hoch.
  • Ich laufe auch andauernd in Leute, die ich eigentlich nicht sehen will. Zürich ist ein Dorf. Also bin ich nonstop auf der Ausschau, ob ich jemanden sehen könnte, den ich nicht sehen will. Es nennt sich auch Paranoia, ich weiss.
  • Ich hasse vollgestopfte Trams. Gut, darauf steht wohl niemand. Ausser Extrem-Einsame wegen des Körperkontaktes.

Um all dem zu entgehen radel ich auch im Dezember noch mit meiner Georgette rum. Ausser wenn es Richtung Birmensdorf oder Zürichberg geht.

Darum entstand heute der Climax des ÖV. Diesesmal im Bus, nicht Tram.

Ich komme vom Elternhaus mit restlichem chinesischem Essen in einer Papiertragtasche. Als der Bus eintrifft und ich mich vom Wartebänkli erhebe, merk ich: "Oha, da rinnt etwas. Oha, es ist die Sweet n Sour-Sauce. Oha, wenn das jetzt schon rinnt, dann tat es das auch schon bei der Hinfahrt zur Haltestelle in dem väterlichen Auto. Oha, ich kann schonmal mein Testament schreiben." Gut. Ich steige in den Bus und hoff, dass sich die Sauce bald leergeblutet hat. Scheiss Plastikbehälter und deren nie haltende Deckel. Es rinnt natürlich fröhlich weiter. Ich sitze in einem Vierer-Abteil, bald alleine. Ein Junge will sich zuerst zu mir setzen, überlegt es sich dann anders. Er denkt wohl, es sei Menstruationsblut, was da den Bus zähflüssig hinabquillt. Mittlerweile hat sich das Zeug schon hinunter von dem Viererabteil-Podest gemacht und läuft den Bus-Mittelgang hinunter. Ich sterbe innerlich. Überlege mir, früher auszusteigen. Denke aber, dass die Tragtasche eh nicht mehr hält und ich dann das tropfende Zeug durchs Quartier tragen darf. Also bleibe ich sitzen und hoffe, niemand will sich zu mir setzen. Oder ne Oma kommt und tadelt mich. Alte Leute tadeln ja gern die jungen Leute. Ich sitze und sterbe. Sitzen und sterben. Wieso schaut der junge Typ immer rüber? Fuckfuckfuck. Er fragt sich sicher, was die mit dem roten Kopf im Viererabteil, wo es Menstruationsblut strömt, gedenkt zu tun. Sterben wär ne Wahl. Oder aber: Aussteigen. Thank you, Jesus.

Draussen, na klar, reisst dann der Sack. Gott sei Dank (In Notsituationen wird man immer religiös) hab ich noch ne zweite Tasche dabei. Mein heiss geliebtes Marketing-Buch: verklebt, TagiMagi: verklebt. Agenda 2010: verklebt. Welcome to my world.