Damenriege

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Google und "die Ex" - eine dubiose Kombination

Kürzlich hat sich Eva Löwenherz bei was ganz Schlimmem ertappt. Sie hat geschnüffelt. Und zwar im Leben von Mister X. Geschämt hat sie sich darob. Und fragt (sich) nun: Darf man das?

Ich sass also an besagtem Abend vor meinem Laptop, war bereits ein bisschen müde
und wäre gescheiter ins Bett gegangen. Aber nein, Klein-Eva musste ganz dringend eine Playlist ihres iTunes umstellen. Denkste. Die Musik hat in der darauffolgenden Stunde die zweite Geige gespielt.

Nie hätte ich gedacht, dass ich einmal so dasässe! Im Gegenteil, ich hatte solches
Verhalten immer ein wenig belächelt und abgelehnt als etwas für Leute, die ein zu kleines
Selbstwertgefühl haben. Als nicht ganz wahnsinniges, aber dennoch irgendwie leicht
neurotisches Verhalten, das einen Tick zu ernsthaft an den Tag gelegt wird, um doch noch als liebenswürdig durchzugehen.

Die zufällige Stalkerin

Ich kanns mir nicht genau erklären. Ich weiss nicht, wie das passiert ist. Aber plötzlich
war ich mitten im Geschehen wie eine zufällige Passantin beim Raubüberfall:

Ich googelte sie. Ich facebookte sie. Suchte nach Vornamen. Nach Nachnamen. Nach Stadt. Nach Beruf. Nach Alter. Nach Haarfarbe. Nach Körbchengrösse.

Ich hatte keinen Grund dazu. Mister X und die X-Ex hatten sich jahrelang nicht gesehen.
Sie hatten sich nichts mehr zu sagen. Ich war nicht eifersüchtig.
Wenn Mister X auf der Strasse einem Paar hübschen Beinen nachschaut, hab ich nichts dagegen. Echt nicht. Auch nicht, wenn er ohne mich weibliche Freunde trifft. Echt nicht. Dammisiech. Was war da los?

Who is "the other woman"?

Es war nicht wirklich Eifersucht. Es war eine eigenartige Mischung aus purer Neugier,
der Suche nach Vergleichswerten.. und ja, vielleicht doch ein Fünkchen Eifersucht. Auf
eine Zeit vor mir, die ich nicht kenne. Die ich mit Mister X nicht erlebt hab, obschon
ich doch die Jahre vor mir mit Mister X verbringen möchte.

Ich bin mir bewusst, dass jeder ein Leben "davor" hatte. Ich hatte eins. Ohne Mister X. Und über das er zwar gerne das Meiste wissen darf, wovon ich aber gern ein paar Dinge für mich behalte. Warum konnte ich dasselbe in dem Moment nicht auch einfach Mister X zugestehen? Warum hab ich fieberhaft das Netz durchforstet nach "der anderen"?

Nachdem ich Google eine Weile lang überansprucht hatte, schreckte ich hoch. Ich fühlte mich ertappt, von mir selber. Ein bisschen Scham überkam mich. Ein bisschen mies fühlte ich mich. Ein bisschen doof, ein bisschen unselbstsicher.

Ich fühlte mich wie eine, die einen Schlüssel zum Tagebuch sucht. Oder SMS und E-Mails liest. Oder bei jedem Anruf fragt: "Schatz, wär isch dranne gsiii?". Eine, welche in die Privatsphäre eindringt, die nicht in ihrem Revier liegt. Bin ich die Einzige, fragte ich mich? Tun das andere auch? Und warum?

Was alles schlimmer macht: Gefunden hab ich sie nicht. Nicht mal das.