Damenriege

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Lang lebe die Dienstleistungs-Gesellschaft!

Was passiert, wenn ein IT-Verkäufer einen Router nicht von einem Kartoffelsack unterscheiden kann? Löwenherz hats - unfreiwillig - getestet.

Es gibt Menschen, die sind auf das Internet angewiesen. Auf ein funktionierendes. Und zwar immer. Gestern Abend brannte mir mein Router durch. Ausser fluchen war nichts mehr zu machen. In der Nacht wälzte ich mich schlaflos im Bett, mit dem dumpfen Gefühl, dass da etwas war, was ausser meiner Kontrolle lag.

So machte ich mich heute in der Früh nach dem ersten doppelten Espresso auf in die Filiale eines Schweizer Elektronikdiscounters. So ein Routerli, dachte ich mir, ist ja schnell zu ersetzen. Das sagte mir auch der blutjunge Verkäufer - nennen wir ihn Fritz (ich mag den Namen). Ich hielt also das Päckli in den Fingern und fragte ihn aus:

Ich: "Das ist der beste Wireless-Router, den Sie haben?"
Verkaufs-Fritz: "Ja, der ist super, hat ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis."
Ich: "Und Sie sind sich sicher, dass das genau der WLAN-Router ist, den ich brauche für zuhause?"
Verkaufs-Fritz: "Ja, der ist total schnell!"

Gut, dachte ich, kaufte das Ding und war erleichtert, dass meine aufgezwungene Internet-Abstinenz in Bälde vorbei sein würde.

"Ja, ich habe ihn am Strom angeschlossen..."

Frohen Mutes machte ich mich nun zuhause daran, das Teil zu installieren. Ich steckte es ein, ging schön brav den Installationsassistenten durch und hirnte rum. Ging nicht. Ums Verrecken nicht. Nun bin ich ja keine IT-Championesse, aber völlig weich in der Birne trotzdem nicht - eine Betriebsanleitung lesen kann ich knapp noch.

Skeptisch tat ich, was ich ansonsten gern zu tun vermeide: ich rief die Hotline des Herstellers an. Ein Techniker mit der Geduld eines Engels auf Marihuana half mir. Er lotste mich nochmal durch den Assistenten durch. Versuchte zig Möglichkeiten. Ich begann zu zittern. Das Ding lief partout nicht.

Irgendwann, Stunden später, die Frage vom Callcenter-Fritz: "Geben Sie mir bitte die genaue Angabe Ihres gekauften Gerätes."

Die Zukunft heisst Internet!

Ich gab sie ihm.
Callcenter-Fritz: "Hmmm...". Er räusperte sich. Das hörte sich nicht gut an.
Ich: "Also ist das nicht der richtige Router?"


Der Callcenter-Fritz räusperte sich wieder, hustete und brachte es mir so schonend bei wie möglich: "Tut mir Leid, aber das Gerät, was Sie vor sich haben, ist eigentlich kein Router. Sondern ein Repeater." Aha. Es könne in Kombination mit
anderen Routern aber wie ein Router funktionieren, und..

"Also ist es das komplett falsche Gerät?" fragte ich.

Es war das falsche. Das völlig falsche. Der IT-Verkäufer hatte mir einfach irgendwas angedreht, was so aussah wie ein Router. Nun, ich hätte es besser wissen müssen. Aber das ist sein Job, nicht meiner.

Nächstes mal gehe ich in den Laden und sag: Ich hätt gern so ein Böxli wo das rauskommt womit ich meine E-Mails lesen kann. Vielleicht versteht er das.