Damenriege

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«Schiss Buschiwääge..!»

Im Tram. Amuse Bouche macht sich unbeliebt und wird von wütigen Mamis als asozial und kinderfeindlich abgestempelt. Dabei ging es ihr doch nur um den gesunden Menschenverstand!

Es ist gegen halb sechs Uhr abends. Ich freue mich, dass ich seit langem wieder mal früher aus dem Büro komme und wie viele andere «Büezer», bin ich auch auf dem Heimweg. Nichts ungewöhnliches, aber typisch für diese Uhrzeit: Rush Hour, volle Trams und wenige Sitzplätze. Trotz grossem Menschenandrang im Tram bleibe ich gelassen und denke, ich bin ja bald daheim… Ich habe kaum zu Ende gedacht, nimmt die Gutelaunestimmung an der nächsten Haltestelle ihren Lauf!

Kreative «Tramarchitekten» hatten mal die zündende Idee pro Tramabteil einen grösseren Stauraum für Kinderwagen (auf Baseldeutsch: Buschiwääge) zu gestalten, damit sie problemlos aneinander «parkiert» werden können! Für Mütter mit Kinder und Wagen ist dieser grosszügige Platz ideal und wie schon so oft, steigen sie nach einem Spaziernachmittag zusammen mit ihren Freundinnen - natürlich auch mit Kinderwagen - während der Rush Hour ins volle Tram! Und wenn drei von diesen Doppeldeckern nebeneinander stehen - und man muss ja Platz dafür machen (!) - ist das Tramabteil voll und versperrt. Ganz zu schweigen die Geräuschkulisse… Die Kinder nerven weniger als ihre Mamis, die meinen, sie müssen immer genau dann tramfahren, wenn alle anderen endlich Feierabend haben! Es gab mir wieder mal zu denken, wieso immer um die Feierabendzeit Mamis mit ihren Kinderwagen nachhause wollen. Holen denn alle zu dieser Zeit ihre Kleinen von der Krippe ab? Oder ist der Fahrpreis für Mamis günstiger, wenn nach fünf Uhr tramgefahren wird? Oder was in aller Welt, bewegt sie und ihre Freundinnen dazu, genau dann mit ihrer Kinderschar heimzufahren? Ich bin genervt und finde es gegenüber allen anderen, die den ganzen Tag arbeiten und nachhause wollen, egoistisch und rücksichtslos. Auch kümmern sie sich nicht darum und ist ja auch nicht ihr Problem, dass an einigen Haltestellen Fahrgäste auf das nächste Tram warten müssen, weil genau diese Kinderwagen den ganzen Platz versperren. Ich verstehe diese Haltung nicht und sage der jungen Mutter, die gegenüber vor mir steht, dass dies für mich unverständlich ist und für mich nichts mit gesundem Menschenverstand zu tun hat.

«He, wo isch's Problem!?!», fuhr sie mich gerade an. Ich sagte es ihr nochmals anständig und dass ich a) bei der nächsten Station raus müsste (ich war völlig eingeklemmt zwischen Kinderwagen, Einkaufstüten, Kindergeschrei) und b) dass ich es nicht verstehe, wieso immer am Feierabend Mamis mit ihren Kinderwagen tramfahren. Jetzt schaltet sich noch ihre Freundin ein und sagt mir was von asozial, kein Verständnis für Mütter mit Kindern und was ich eigentlich glaube, wie anstrengend und stressig auch ihr Tag sei, seit sie Kinder hat! Sie giftelte weiter und meinte was von typisch kinderfeindlich und zum Glück müssen die Kinder keine solche Mutter haben, und, und, und… Ich spürte wie mein Adrenalinspiegel stieg, weil ich mir das von einer etwa fünfzehn Jahre jüngeren «Tussi» anhören musste und auf so eine aggressive Art, die mir noch mehr zu denken gab. Wo endet denn das!!!???

Ich sagte nichts mehr dazu, machte mir meine eigene Meinung und es war sinnlos, weiter darüber zu diskutieren. Und ich dachte für mich, dass ich anscheinend wieder mal die einzige bin, die für Mamis und Kinderwagen im Tram-Feierabendverkehr kein Verständnis hat. Als ich dann ausstieg kam gerade ein anderer Fahrgast ins Tram und ich hörte nur noch: «Schiss Buschiwääge! Könne die denn nit zunnere andere Zyyt heifahre!»...