Damenriege

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Spendierlaune!

Wochenende. Massenansturm beim Weihnachtsverkauf. Alle und alles am Spenden. Und Amuse Bouche macht sich im Einkaufszentrum deswegen unbeliebt!

Alle Jahre wieder! Weihnachten steht vor der Tür. Wie jedes Jahr stürmen Menschenmassen in die Einkaufshäuser und geben für ihre «Liebsten» wieder viel Geld aus! Jedes Jahr das Gleiche. Und ich finde, dass es jedes Jahr schlimmer wird! Masslos und übertrieben. Das Geld fliesst wieder und wird in grossen Mengen ausgegeben. Wo bleibt denn heutzutage noch die Bescheidenheit? Weihnachten war für mich früher immer etwas spezielles. Kein grosser Schnick Schnack. Kleine, brauchbare Geschenke. Und ich freute mich schon Wochen vorher auf eine schöne Zeit mit der ganzen Familie und meiner Verwandtschaft in den Bergen im Schnee. Die ganze Familie bei meinen Grosseltern am Kamin, mit Punch, selbstgemachten Gutzelis und schönen Weihnachtsgeschichten wurden alle auf Heiligabend eingestimmt. Märchenhaft. Fast schon kitschig, aber für mich so was von unvergesslich und unbezahlbar!

Heute ist vieles anders. Weihnachten wird in meinen Augen nur noch dazu genutzt, das grosse Geschäft anzukurbeln. Es geht heute sogar soweit, dass während dieser Zeit für alles mögliche noch gespendet und gesammelt wird. Und die ganze Schweiz wird dazu aufgefordert zu spenden. Nicht im stillen. Wochen vorher wird darüber berichtet, geschrieben und erzählt, wer von den Grossen Geld spendet oder der Konsument bei seinem Einkauf indirekt auch mit dazu beiträgt. Es wird sogar schon ein Mega-Event daraus gemacht und jeder weiss, wer und vor allem WIE VIEL gespendet wird. Die ganze Schweiz seit Tagen und Wochen in Spendierlaune. Wo ich hinschaue, lese und höre. Alle machen mit. Alle freut's. Und alle geben etwas für…? Ja für wen und was denn überhaupt? Das fragte ich mich auch, als ich am Wochenende wieder mal am Einkaufen war. Am Eingang stand eine Frau die Flyers verteilte und vor der Lebensmittelabteilung die Konsumenten darauf aufmerksam machte, dass für Notbedürftige in der Schweiz Ess- und Haushaltwaren direkt im Laden eingekauft und gespendet werden können. Als ich den Flyer in der Hand hielt, kam ich ein wenig ins Grübeln, weil ich das schon erschreckend fand, dass es in der Schweiz Menschen gibt, die sich nichts richtiges zu essen leisten können! Und trotzdem wird für alles andere gespendet…., dachte ich.

Als ich in der Gemüse- und Früchteabteilung vorbei ging, hat mich jedoch fast der Schlag getroffen. Ich musste nochmals hinschauen und meine Vorsätze, eine gute Tat für notbedürftige Menschen in der Schweiz zu machen, waren von einer Sekunde auf die andere weg. Grüne Spargeln aus Peru! Latschig und mit braunen Flecken lagen sie da. Und ein paar Meter weiter steht die Frau mit den Flyern in der Hand und ruft zum Spenden für Lebensmittel auf! Ich war genervt und entsetzt zugleich und musste meinem Ärger freien Lauf lassen. Ich teilte einem Angestellten in der Gemüseabteilung mit, wie «bireweich» das ganze eigentlich ist und dass das nichts mehr mit gesundem Menschenverstand zu tun hat! Der schaute mich ein wenig verdutzt an, er konnte ja nichts dafür, aber ich musste trotzdem mein Plädoyer loswerden! «Erstens: Können Sie mir sagen, wer um alles in der Welt an Weihnachten grüne Spargeln aus Peru essen will?! Zweitens: Wissen Sie eigentlich, wie schizophren diese Lebensmittelaktion für notbedürftige Menschen in der Schweiz und peruanische grüne Spargeln ist?! Und drittens: Da importieren Sie Spargeln aus Südamerika (garantiert nicht CO2 frei!) die latschig und mit braunen Flecken da liegen und ich als Konsument soll Lebensmittel für Menschen in der Schweiz spenden, die nichts zu essen haben! Was ist denn hier Ihr Sinn vom Spenden?» Ich erhielt ein paar fragende Blicke, meistens, wenn ich plötzlich kratzbürstig werde. Ich war einfach wütend, dass auf der einen Seite die hohle Hand gemacht wird und auf der anderen Seite verfault dasjenige, das für Notbedürftige gespendet werden könnte. Am Schluss sagte ich dem Gemüseangestellten, dass das Einkaufszentrum das Geld lieber direkt den Armen in der Schweiz gespendet hätte, als grüne Spargeln aus Peru zu importieren, die an Weihnachten niemanden interessiert. Punkt!

Ich hatte gar keine Lust mehr etwas einzukaufen. Mir war der Appetit vergangen. Ich war genervt, frustriert und sehnte mich an meine frühere schöne Weihnachtszeit mit der Familie. Draussen wollte ich auch nichts mehr geben, spenden, noch sonst mich von einer «hesch mr ä Stutz»!? Frage ansprechen lassen. Und für mich war klar. Nächstes Jahr entfliehe ich dem ganzen geldgierigem Weihnachts- und Spenderummel und lasse mir bei Schnee, Bergen, Punch und Gutzelis eine schöne Weihnachtsgeschichte erzählen. Unbezahlbar!