Damenriege

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Störfaktor Weib?

Bundesrätinnen und Bundesräte werden gewählt. Jahrelang war das Geschlecht keine Frage, weil eh klar war, welches zum Zuge kommt. Jetzt plötzlich griff die Hysterie um sich. Warum bloss, fragt sich Löwenherz.

Jetzt sind sie also gewählt. Die neue Bundesrätin Sommaruga und der neue Bundesrat Schneider-Amman. Ein recht voraussehbarer Ausgang einer von aussen betrachtet eher unspektakulären Wahl.

Sie kommen, rette sich wer kann!

Als politisch einigermassen interessierter Mensch kam ich im Vorfeld der Wahl nicht umhin, mich damit zu beschäftigen. Die Zeitungen schrien es Wochen, gar Monate vorher in ihren Titeln: die Frauen kommen! Mal als Ausdruck von Vorfreude, mal als Drohung.
Die Möglichkeit, dass im Bundesrat nun plötzlich fünf Frauen sitzen könnten, löste bei vielen einen kleinen Schock aus. Ob das gut komme, wurde landauf, landab gerätselt. Ob sich die Männer dadurch nicht unvertreten fühlen könnten, wurde gefragt.

Es spielt eben doch eine Rolle

Nun würde ich mich zwar als Feministin bezeichnen. Dennoch: wenn man mich fragen würde, was denn dafür spricht, dass eine Frauenmehrheit irgendwo sitzt - würde ich wohl kaum damit argumentieren, dass es ja schliesslich 150 Jahre lang umgekehrt gewesen sei. Es ist ein historisches Ereignis, keine Frage. Es ist ein Novum, das den Wandel der Zeit und den Fortschritt zeigt.

Aber: wenn Zeitungen nach einer Bundesratswahl im 21. Jahrhundert noch titeln müssen «Die Schweiz in Frauenhand» und ähnliches, dann frage ich mich schon, inwiefern das Geschlecht nicht doch noch eine sehr grosse Rolle spielt.

Viele haben sich gefreut, dass heute eine zusätzliche Frau als Bundesrätin gewählt wurde. Julia Onken - die sonst nicht unbedingt meine Sympathien hat - meinte aber: «Wir nähern uns der Normalität, das ist alles.»

Ich würde mich ihr gerne anschliessen. Scheinbar sind wir aber noch ein ganzes Stück von der Normalität entfernt.