Damenriege

Damenriege

Weisse Schäfchen, schwarze Schäfchen

Nicht alle haben am Freitagabend jeweils «Fascht e Familie» geschaut oder «Benissimo, Benissimo» mitgesungen. «Merci vilmol» sagen sie trotzdem. Eine Ode an die Schweizer Werte.

Am Montagmorgen torkelte ich aus dem Bett, schaute für einen Moment den Schneeflocken vor dem Fenster zu, machte danach Kaffee und dachte: Ja, ja, die Schweiz. In der Nacht davor – ich hatte bis spät gearbeitet – hatte ich ständig Polizeisirenen gehört. Man versuchte erzürnte Initiativgegner im Schach zu halten.

Ja, ja, die Schweiz, dachte ich und schüttelte den Kopf. Ich konnte mich ja nicht beklagen: Ich besitze einen Schweizer Pass seit ich denken kann; damals noch ein Foto mit blonden Schwänzchen neben dem Foto meiner noch haarlosen Schwester im Pass von Mama. Meine ausländischen Wurzeln muss man – so weit ich weiss – im 19. Jahrhundert suchen oder noch früher und auch dort sind es noch Süddeutschland, Westösterreich.

Ich bin mit Aromat und Ovomaltine aufgewachsen, mit Fascht e Familie und Benissimo, und hielt Hochdeutsch als kleines Kind für eine sehr lustige, aber unverständliche Sprache. Ich habe mich zwar schon einige Male zu den Auslandschweizerinnen zählen dürfen, wurde aber sogar in der kanadischen Pampa einmal an eine 1.-August-Feier mit Alphorn und Schwingfest verschleppt.

Wenn ich es mir aber recht überlege, gibt es nicht viele in meinem Freundeskreis, die einen ähnlichen Hintergrund haben. Die meisten Leute, die mir hier in der Schweiz mein Leben lebenswert machen, haben keine Schweizer Eltern und viele auch keinen Schweizer Pass. Ob ich denn glaube, dass diese ein so schweres Verbrechen begehen könnten, dass sie ausgeschafft werden? Nein. Aber man könnte auch einfach Merci sagen – all denen, die nicht mit Benissimo aufgewachsen sind – und die Probleme gemeinsam an der Wurzel packen.

Das wären für mich dann echte Schweizer Werte.