Damenriege

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Welcher Street-Parade-Typ bist du?

Die Street Parade ist der Ort, wo sich Playboy-Häsli und Raver Gute Nacht sagen. Wo schlechter Geschmack auf Aufmerksamkeits-Defizit trifft. Hier fünf Typen, die in diesem Jahrzehnt an jeder Street Parade auftauchen.

Die Häsli: Die Häsli – verwandt mit den Gattungen der Tüfeli, Ängeli, Büsi – haben Hochkonjunktur. Sie zieren sich mit einem Haarreif mit Häsliohren und eventuell einem weissen Pompom am Hintern. Sie sind das personifizierte Aushängeschild, auf dem steht: „Ich bin ein kleines, härziges Tierli. Kuschel mich! <3“ Und weil die langen Ohren meistens nicht genug Aufmerksamkeit erwecken, haben die Häsli meistens auch nicht viel an: Miniröckli und tiefer Ausschnitt; in den ganz verzweifelten Fällen auch nur Unterwäsche. Was sie nicht wissen: Der Typ, den sie damit abschleppen (Lesben stehen im Allgemeinen nicht so auf Tierli), muss auf dem Heimweg erst noch in einen Hauseingang pissen und will dann eigentlich gar nicht so lange kuscheln. 

Was machen sie, wenn sie zuhause sind? Sie kurieren Kater und Blasenentzündung aus und schauen sich süsse Katzenbildli auf i can has cheez burger an.

 

Die echten Raver: Die Street Parade ist für sie ihr Lebenselixier, ihr Zeitfenster zu den 90er-Jahren. Sie sind zwischen 30 und 40, tragen klobige Plateau-Schuhe, enge Latex-Schnürkleider oder neonfarbene Hemden, farbige Nuggis um den Hals und wissen noch, wie man sich wirklich zu Rave und Trance bewegt. Sie haben einem Typen, der aussieht wie Scooter, fünf teure Pillen abgekauft, die irgendwie wie diese Mint-Bonbons schmecken, die man manchmal als Werbegeschenk bekommt. Und auch verdächtig ähnlich aussehen. Trotzdem zucken sie durch die Menschenmengen an den Lovemobiles vorbei und von dort aus direkt in den nächsten Technoclub. 

Was machen sie, wenn sie zuhause sind? Sie schlafen erstmal eine Woche und schreiben dann an den Zürcher Stadtrat, damit das jährliche 90er-Jahre-Revival endlich zum Volksfest erklärt wird.

 

Die Angepinselten: Viel gibt es über sie nicht zu sagen, ausser dass sie Farbe am ganzen Körper haben. Bevorzugt silber, eventuell auch eine Leuchtfarbe, dazu farbige Kontaktlinsen um dem Ganzen einen angsteinflössenden Touch zu geben. Warum sie das machen, weiss niemand. Vermutet wird aber, dass sie einfach seit der Fasnacht wach sind. 

Was machen sie, wenn sie zuhause sind? Noch so ein Pilleli mit Herzchen drauf und sie sind im Februar immer noch wach.

 

Die Neo-Raver: Sie sind zwischen 14 und 22 und haben verpasst, dass Raver inzwischen out sind. An die 90er-Jahre können sie sich noch knapp erinnern, weil auch sie als Kinder farbige Nuggis aus Hartplastik hatten. Sie färben sich die Haare grün, blau oder pink und stimmen sich schon in der S-Bahn mit Techno aus ihren Handys ein. Ausserdem haben sie auf Wikipedia gelesen, dass, wenn man an der Street Parade Extasy kauft, das grösste Risiko darin besteht, einen guten Atem zu haben. Sie vertrauen deshalb lieber auf ihre zwei Flaschen Vodka-irgendwas und nerven ab 18 Uhr die Leute von der Notunterkunft.

Was machen sie, wenn sie zuhause sind? Ihr Handy aufladen. In drei Stunden geht es ab zur nächsten Party.

 

Die Bad-Taste-Guys: Die Bad-Taste-Guys haben gehört, dass in Zürich eine grosse Party steigt und nehmen an, es sei eine Bad-Taste-Party (und wenn sie mal an einer richtigen Bad-Taste-Party auftauchen, verstehen sie die Ironie nicht). Sie spielen den schlechten Geschmack nicht nur, sie haben ihn auch. Bevorzugt tragen sie Strandshorts, eine Hawaiiblumenkette (die sie einmal gratis zu einem Liter Sex on the Beach bekommen haben), überdimensionale Perücken, farbige Sonnenbrillen und Flip-Flops. Bei jeder Gelegenheit grölen sie die Melodie von „Seven Nation Army“ von The White Stripes (und haben keine Ahnung, dass das eigentlich ein genialer Rocksong ist). 

Was machen sie, wenn die Street Parade vorbei ist? Sie wachen vor einem fremden Zürcher Hauseingang in einer hellgelben Lache – die kein Bier ist – auf und fragen sich, woher sie diese zwei neuen Hawaiiblumenketten haben.