Damenriege

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Wenn Lesben Fussball lieben – oder nicht

Das ist ja auch so ein Klischee, dass Lesben gerne Fussball mögen. Ich habe gestern gelernt, was ein „Abseits“ wirklich ist.

Es ist ja schon so: Überall, wo man hinkommt, ist WM. Manchmal kommt es einem schon fast so vor, als sei man in einer Komödie mit Jacques Tati gelandet, oder in "Dinner for one". Zum Beispiel gestern, als wir einen Kafi trinken gehen wollten und ich mich schon freute, dass der Fernseher draussen unter Regenschirmen stand und die schlotternden Fans etwas bemitleidete. Aber drinnen – ihr seht es kommen – dasselbe. Statt mich also gemütlich bei Kafi über ein überflüssiges Motivationsgespräch aufzuregen, musste ich während 70% der Zeit den Nordkoreanern beim verlieren zuschauen und stürzte aus Nervosität meinen Kafi in den ersten drei Minuten runter.

Die fussballliebenden Lesben?

Das ist ja auch so ein Klischee, dass Lesben gerne Fussball mögen. Ich weiss nicht woher das kommt, aber Lesben werden genauso oft mit Ballsportarten in Verbindung gebracht, wie Schwule mit – sagen wir – Ballett. Ich jedenfalls kann mich vielleicht für ein paar Spiele der Nationalmannschaften begeistern, weil ich dann endlich so tun kann, als würde ich etwa von Fussball verstehen. Gestern habe ich zum Beispiel gelernt, was ein „Abseits“ wirklich ist. Ja. (Kleine Sprachlektion aber: Es heisst „abseits“ oder „offside“, aber nie, wirklich unter keinen Umständen „offseits“. So, es ist raus.)

Anstatt Fussball zu spielen, habe ich meine gesamte Freizeit im letzten Monat dafür verwendet, für ein Theaterstück zu proben. Was für andere das Panini-Heftli war, war für mich die Bühne. Und vor lauter Proben ist mir sogar entgangen, dass die WM angefangen hatte. Ein grosser Fehler, wie sich herausstellte. Ich hatte nämlich einige meiner Freunde dazu angestiftet, an die Aufführungen zu kommen. Ich hatte ihnen auch gesagt, sie sollen sich nach der Aufführung in der nächsten Bar etwas zu trinken holen. Ihr wisst was jetzt kommt? 

Theater oder Fussball oder Theater

Ich suche also nach der Premiere – verschwitzt vom Scheinwerferlicht und 30°C Lufttemperatur – meine Freunde, finde sie nach meinem zweiten Bier auch, denke, bald regnet es Rosen, oder so, und dann kommt: „Boah, wir haben jetzt grad drüben den Match geschaut, super Spiel, wirklich, du hättest dabei sein sollen!“ Und am nächsten Abend nach der zweiten Aufführung: „Nein, ehrlich, der Match war gran-di-os, Wahnsinnsstimmung! Ach, und Gratulation, du warst auch toll!“

Allerdings müsste ich lügen, wenn ich jetzt sagen würde, das mit der WM würde mich nerven. Ich weiss nicht, wann ich das letzte Mal in so einem kurzen Zeitraum so viele enthusiastische Menschen gesehen habe. (Wahrscheinlich zur EM.) Jetzt muss ich aber los, meine Vuvuzela hervorholen, meine Fussballlesben zusammentrommeln und ein paar Runden mit dem Velo ums Quartier fahren.