Damenriege

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Weshalb kein Mensch Mister-Gay-Wahlen braucht

Ich frage mich, wer auf die Schnapsidee kommt, einen Mister Gay wählen zu lassen. Wir haben mit Mister und Miss Schweiz ja schon genug zugespamte Zeitschriften und zwei blockierte Abende Schweizer Fernsehen. Nur gibt es da eben ein kleines Problem.

Ich sitze gerade im TGV nach Paris, wo ich morgen an einem Workshop arbeiten werde. Kaphesbo, die neben mir sitzt und nicht wirklich so heisst, aber eine gute Freundin von meiner Frau Weg ist, freut sich, dass wir schon in Frankreich sind und lacht mit mir darüber, dass wir die fünf Leute von der Grenzkontrolle, die eben lachend durch den Zug geschlendert sind, mit einer norddeutschen Reisegruppe verwechselt haben. Soweit so gut, aber das ist nicht das Thema.

Schwule Landesvertreter? Auf keinen Fall!

Das Thema ist nämlich Mister Gay, der letzten Samstag gewählt wurde. Der Mister Gay heisst Dominic Hunziker und kommt aus Moosleerau (ja, im Aargau). Er mag gerne ruhige Südländer, ist im Turnverein und studiert Architektur. Wahnsinn. Ich frage mich, wer auf die Schnapsidee kommt, einen Mister Gay wählen zu lassen. Ehrlich, wir haben mit Mister und Miss Schweiz ja schon genug zugespamte Zeitschriften und zwei blockierte Abende Schweizer Fernsehen. 

Nur gibt es da eben ein kleines Problem: Ein schwuler Adonis oder eine lesbische Schönheit können die heterosexuelle Schweiz nun einfach nicht vertreten. Mit Migrationshintergründen hat man sich abgefunden. Schliesslich sprechen diese Leute eine Landessprache. Und sie sehen gut aus. Und sie haben einen Job (Model, oder so). Aber die Homosexuellen passen nicht ganz in diese schweizerische Gruppe und brauchen deswegen einen eigenen Schönheitscontest. Und sie vertreten dann eben nicht die Schweiz, sondern, genau – ihresgleichen.

Die amtierende Miss Gay amtiert seit sechs Jahren

Allerdings, aufgepasst: Die schönste Lesbenvertreterin wurde nur ein einziges Mal gewählt und zwar 2004. Die Miss Gay hiess Karin Eschmann, kam aus Wädenswil und hatte ihre erste Partnerin – wie könnte es auch anders sein – im Fitnessstudio kennengelernt.  Und das hat dann offensichtlich gereicht, danach haben sie das mit den Miss-Gay-Wahlen wieder gelassen. Weshalb das so ist? Zickenkrieg? Ich habe keine Ahnung. Wahrscheinlich hat sich einfach niemand wirklich dafür interessiert.

Mit gutem Grund, wie ich meine. Nicht, dass es nicht genügend schöne Mister oder Miss Gays gäbe, aber seien wir ehrlich: Der Markt für Schönheitswettbewerbe ist mit dem alljährlichen Grossanlass und den zahlreichen, überflüssigen Regionalwahlen ohnehin schon etwas überreizt. Oder anders gesagt: Mister und Miss Gay braucht niemand, weil es uns egal sein kann, wer mit welchem Geschlecht das Leben verbringen will. "Nume luege" dürfen wir schliesslich alle bei allen.

On y va: Wo die wahren Homos stecken

"Mesdames et messieurs, nous arrivons à Paris Gare de l'Est." Und in mir denkt es (automatisch und jedesmal, wenn ich in Paris ankomme): "Quel heure est-il?" – "Regarde l'horologe, il est six heures." Simone, René et François – das wären doch Kandidaten für die Gay-Wahlen. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

Eilmeldung: Ich möchte aussderdem noch anmerken, dass sich Ricky Martin gestern geoutet hat. Wir werden alle eine Zeit brauchen, um diese unerwartete Nachricht zu verdauen.