Damenriege

Damenriege

Wie einem das Glück in den Schoss fällt

Löwenherz tut nichts. Also nicht ganz nichts: sie berichtet darüber. Wie toll es ist, einfach mal nichts zu tun. Und dass sie dafür kein 5-Sterne-Resort braucht.

Da sitzt man nun, an diesem See irgendwo in einem Kärntner Kaff und tut nichts. Also
nicht ganz nichts, sondern nichts, was man tun müsste. Man streckt die Füsse ins
Wasser, man isst ein Eis. Man liest ein Buch auf dem Balkon, ohne es lesen zu müssen.

Unverhofft Familie

Die Dame von der kleinen Pension ist freundlich. Und sie besteht hartnäckig drauf, Mr. X und mich mit "Willkommen, Familie X" zu begrüssen. Beim Zimmerbezug wendet sie sich an Mr. X und fragt nach dem Namen "seiner Frau". Beim Frühstück liegt auf dem Tisch ein Zettelchen mit einem Morgengruss an die "Familie X".

Anderswo hätt ich der Matrone meinen Frühstückslöffel in die Kehle gerammt ob der Frechheit, mich nicht mit meinem Namen anzusprechen und uns nicht als zwei Individuen wahrzunehmen. Hier zucke ich nur mit den Schultern, blinzle in die Sonne, grinse gespielt empört Mr. X zu und löffle zufrieden mein Fünfminuten-Ei.

Ein bisschen Frieden, ein bisschen Sonne

So lass ich mir also die Sonne auf den Bauch scheinen, lege mich zwischen die wenigen Rentner und die vereinzelten, äusserst ruhigen Kinder, schaue ein bisschen übers Wasser, schwimm ein wenig im wunderbar klaren Keutschacher See herum und lass mir von Mr. X die Schultern eincremen.

Dann ess ich in der Seegartenbeiz einen Grillteller mit Pommes leer, gucke WM-Viertelfinal und freue mich zusammen mit Angela Merkel über das 4:0 Deutschlands (und bringe damit die gesamten Kärntner gegen mich auf), rieche die Seeluft und den sommerlichen Platzregen.

Und mir wird ganz plötzlich bewusst, wie ich mich innerhalb eines Tages
entspannt habe - und wie wenig ich brauche, um grad richtig happy zu sein. Das gute Leben kann manchmal so simpel sein.