Das neue Jahr und die Altlasten.

Lena fragt: Mami, warum hast du 2495 Mails in deiner Inbox? - Weil ich nicht aufgeräumt habe, mein Schatz. - Aber ich muss doch auch jeden Tag mein Zimmer aufräumen. - Jaaaaaaa, mein Schatz.

 

Ich liebe Jahreswechsel.

Ich bilde mir immer ein, das neue Jahr sei wie ein blütenweisses Blatt Papier. Ich bilde mir auch regelmässig ein, dass ich alles Aufgestaute über die Festtage erledige und dann mit dem Korken-Knallen am Silvester das Jahr verabschiede und frisch und frei durchstarten kann.



Standortbestimmung, wohin geht's im 2011? Und dann hüh hott, los.

Wenn nur diese Altlasten nicht wären, die einem anhängen wie ein schwerer Sandsack…
Der schlimmste Blick ist der in meine Inbox. Da sind tatsächlich die erwähnten 2495 Mails (und dabei sagt man den Jungfrauen doch pedantischen Ordnungssinn nach), die darauf warten, dass mit ihnen etwas geschieht; sie wollen beantwortet, gelöscht oder in einen Ordner verschoben werden. Aber sie wollen nicht in der Inbox sitzenbleiben. Denn da nähren sie bloss das schlechte Gewissen (vielleicht ist ja noch ein wichtiges unbeantwortet geblieben?) und fressen Speicherplatz.



Einfach alle löschen? Denn wer jetzt noch keine Antwort erhalten hat, der erwartet mit Bestimmtheit auch keine mehr.

Aber nein. Da drückt dann doch die Jungfrau durch: Ordnung muss hier herrschen. Ablegen. Und durchschauen, ob doch noch etwas wichtiges vergessen gegangen ist.

Also gut. Und schon bin ich mittendrin im Altmail-Chaos. Neben ganz vielen Spam- und Werbemails (löschen, löschen, löschen), Dienstplänen und Protokollen (muss man wirklich jedes einzelne ablegen?), gibt’s natürlich auch ein paar, bei denen es so richtig unangenehm ist, ein gefühltes halbes Jahrhundert später eine Antwort zu verfassen. Aber selber schuld, da muss ich durch.

Der Blick auf die Uhr zeigt, dass die Zeit rast – auch im neuen Jahr – und der Mailberg nicht wie gewünscht schrumpft.



Kaum ist ein Mail gelöscht, flattert das nächste rein.

Aber bevor ich die Nerven verlier über dieser scheinbaren Sysiphus-Arbeit, fasse ich einen Vorsatz für’s noch frische Jahr:

Ich bearbeite ab sofort konsequent meine Mails. Jeden Abend wird ausserdem eine fixe Stunde eingeplant zum entrümpeln der Inbox.

Warum meine 9jährige Tochter bei diesem Vorsatz altklug die Augenbrauen hochzieht, verstehe ich nun wirklich nicht.