sandra_c-blog.png

Der ganz normale Wahnsinn

Wie bringt Sandra C. Kids und Job unter einen Hut? Easy! Oder doch nicht?

Ein Schritt in Richtung Gleichberechtigung

Das Bundesgericht fällte kürzlich einen für die Schweiz fast schon revolutionären Entscheid: Ab der Einschulung des jüngsten Kindes kann einem Elternteil zugemutet werden, 50 Prozent zu arbeiten. Revolutionär deshalb, weil es ein Schritt in Richtung Gleichberechtigung – und «Gleichverpflichtung» – sein könnte, findet Familienbloggerin Sandra C. 

Bisher galt bei einer Scheidung oder Trennung: Bis das jüngste Kind zehn Jahre alt ist, muss der hauptbetreuende Elternteil nicht arbeiten. Nun orientiert sich das Bundesgericht neu an den Schulstufen. Will heissen: Eine Mutter oder ein Vater, die oder der die Kinder in der Hauptsache betreuen, müssen ab der Einschulung des jüngsten Kindes 50 Prozent arbeiten. Ab der Sekundarstufe 80 Prozent.

Ein starkes Signal. Denn wie wir alle wissen, handelt es sich bei dem «hauptbetreuenden Elternteil» hierzulande vor allem um die Mutter. Und die Mütter werden nun sozusagen auf höchster Ebene dazu angehalten, so früh wie möglich wieder in die Berufswelt einzusteigen. Das kommt allen zugute: Der Wirtschaft, den Müttern selbst – nicht nur, weil sie finanziell unabhängiger sind, sondern auch, weil das Loch in ihrer Pensionskasse nicht ganz so gross ist – und den Vätern. Denn zwischen den Zeilen sagt dieses Urteil: Wenn der eine Elternteil zu 50 Prozent arbeiten kann – oder muss! – kann – oder muss! der andere auch zu 50 Prozent Verantwortung für die Kinder übernehmen.

Das Gericht sagt: Beide Elternteile sind gleichwertig

Ja, ich weiss, dass auch dann viele Väter diese Verantwortung nicht wahrnehmen – wollen oder können – oder wollen....! Und dass dann auch ein 50-Prozent-Pensum eine Mutter in eine blöde Situation bringen kann. Schliesslich sind die Arbeitszeiten auch bei Teilzeitjobs immer noch nicht familienfreundlich und familienergänzende Kinderbetreuung immer noch schweineteuer. Aber: Wenn ein Gericht eine Mutter in die Pflicht nehmen kann, Geld zu verdienen, gilt das ja wohl auch für einen Vater in Sachen Kinderbetreuung. Und das halte ich für einen wichtigen Schritt. Denn er sagt: Beide Elternteile sind gleichwertig. Sowohl in der finanziellen als auch in der Verantwortung für die Betreuung der Kinder. Und wenn unser Bundesgericht das sagt, kommt es vielleicht ja auch irgendwann in den Köpfen der Leute an.

Übrigens: Rein «technisch» können meiner Meinung nach beide Elternteile schon viel früher wieder arbeiten, wenn man sich dies einigermassen gerecht aufteilt. Dass dies nach wie vor eine Kostenfrage ist, ist nach wie vor ein Armutszeugnis für unser Land. Aber vielleicht, vielleicht gibt es ja auch da irgendwann mal ein Urteil, das zum Umdenken anregt.