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Der ganz normale Wahnsinn

Wie bringt Sandra C. Kids und Job unter einen Hut? Easy! Oder doch nicht?

Liebe Sandra... deine Mama!

Bloggen ist ja für viele ein Traumjob. Ist es auch – aber eines muss man wissen: Man braucht eine dicke Haut. Denn nebst viel Lob erntet man auch mal Kritik und Unverständnis. Und dann ist da noch das eigene Umfeld, das auch einer Bloggerin gern mal den Spiegel vorhält. Unsere Familienbloggerin Sandra C. gewährt euch für einmal einen kleinen Einblick in die Reaktionen aus ihrer Familie auf einen Blog.

Vor kurzem erzählte ich an dieser Stelle von den Berufswünschen meiner Kinder, welche unbedingt Sängerin beziehungsweise Fussballer werden wollen, und nicht bereit sind, sich einen realistischeren Plan B zu überlegen. Ich erhielt darauf folgendes Schreiben von meiner geliebten Mama:

Liebste Sandra

es war einmal ein kleines Mädchen, das wollte unbedingt Prinzessin werden. Dies hielt sich hartnäckig bis zur Schulzeit. Dann wollte sie Filmstar werden. Der Filmstar wandelte sich in späteren Jahren zur Schauspielerin. Sie war äusserst vielseitig begabt, spielte zwei Musikinstrumente, war sportlich, eine gute Schülerin (ausser in Mathe). An der Schauspielerin hat sie festgehalten bis zur Matura. Auf die Interventionen ihrer Mutter, dass es doch sinnvoll wäre, zuerst zum Beispiel ein Lehrerpatent zu machen, um einen Beruf zu haben, gab sie genervt von sich, dass es etwa das Schlimmste sei, was einem Kind passieren kann, wenn die Mutter Berufsberaterin ist.

Nach ihrer Matura hat sie sich zwischen Berlin und Genf bei allen Schauspielschulen beworben - und sie war gut! - und hat überall Absagen erhalten. Sie hat zu diesem Zeitpunkt nicht ins Konzept der einzelnen Schulen gepasst. Erst nach etwa der fünften Absage war sie bereit, einen Plan B zu verfolgen. Der war dann Journalistin. Und, wie ich sehe, war dieser wirklich gut.

Sie verlangt aber heute von ihren 12- und 14-jährigen Kindern einen Plan B!!!!

Ich umarme dich herzlich

Mama

Liebe Mama,

ich hatte durchaus einen Plan B. Ich war einfach nicht bereit, diesen zu verfolgen, bis ich Plan A nicht endgültig abgehakt hatte. Vielleicht erinnerst du dich, dass ich neben den gefühlten 120 Absagen auch eine Zusage erhielt.

Ich habe verzichtet. Weil ich bei all den Aufnahmeprüfungen so viele Leute gesehen habe, die besser waren als ich. Ich ahnte, dass ich in dem Business wohl nie wirklich Geld verdienen würde (nicht, dass es keine schlechten Schauspieler gibt, die trotzdem ganz gut verdienen...). Und ich hätte sogar einen Plan C gehabt, hätte Plan B nicht geklappt. Ah ja, und es gibt sicher eine Menge Kinder auf diesem Planeten, die recht froh sind, bin ich nicht Lehrerin geworden...

Ich verlange von meinen Kindern keinen konkreten Plan B mit 12 und 14 Jahren. Aber dass sie bereit sind, so etwas in Erwägung zu ziehen. Und ganz ehrlich: So ein bisschen froh, dass ich dieses Schauspiel-Ding mit Klinkenputzen und dich regelmässig um Geld anpumpen, damit ich meine Miete zahlen kann, nicht durchgezogen habe, bist du ja auch, oder?

Ganz herzlich,

Sandra