1. Home
  2. Blogs
  3. Der ganz normale Wahnsinn
  4. Antirassismus fängt bei der Erziehung der Kinder an

Der ganz normale Wahnsinn

Antirassismus fängt bei der Erziehung der Kinder an

Nach dem Tod eines Afroamerikaners durch einen weissen Polizisten geht ein Aufschrei gegen Rassismus um die Welt. Gut so. Nur: andere anzuprangern ist einfach. Aber wie siehts bei uns selbst aus?

Placeholder

«Es liegt an uns, eine Generation zu erziehen, die hinterfragt», sagt unsere Familienbloggerin. 

Getty Images

Es wurde ja gopfridstutz nochmal langsam Zeit, dass die Welt mal hinschaut! Und aufschreit. Denn genug ist genug. Demonstrationen und schwarze Bildschirm-Posts auf den Sozialen Medien sorgen dafür, dass die Proteste gegen Rassismus um die Welt gehen.

Wir müssen den Finger dahin legen, wos weh tut

Aber irgendwann ist genug protestiert. Und genug gepostet. Und dann? War super fürs Gewissen und so. Aber auch ziemlich einfach, wenn wir ehrlich sind. Denn mit dem Finger auf andere zu zeigen ist immer einfach. Denn rassistisch – und übrigens auch homophob und sexistisch – sind ja die anderen. Aber vielleicht – nur vielleicht – sollten wir diesen Finger doch mal dort hinlegen, wos weh tut. Bei uns selbst.

«Denn diese Masse ist ein System, in das wir alle hineingeboren wurden, und dem wir nicht so leicht entkommen. Ein rassistisches, homophobes, sexistisches System – auch in der Schweiz.»

Rassismus ist nicht nur Rassenhass, der sich in (physischer, verbaler und psychischer) Gewalt manifestiert. Genau wie Homophobie nicht nur Schwulen- und Sexismus Frauenhass ist. Sie sind die sichtbare Spitze des Eisberges. Die gewaltige Masse darunter, die diese Spitze trägt, ist das, was es wirklich zu bekämpfen gilt.

Wer schweigt, akzeptiert und unterstützt

Denn diese Masse ist ein System, in das wir alle hineingeboren wurden, und dem wir nicht so leicht entkommen. Ein rassistisches, homophobes, sexistisches System – auch in der Schweiz. Und selbst wenn wir – wie ich – jede Form von Ausgrenzung ablehnen, tun wir gut daran, uns selbst mal zu hinterfragen.

«Die grösste Chance, die wir haben im Kampf gegen Rassismus, Homophobie, Sexismus und jede andere Form von Ausgrenzung, sind unsere Kinder.»

Hab ich noch nie weggeschaut, wenn sich im Zug der dunkelhäutige junge Mann als einziger in einer Gruppe ausweisen und dumme Fragen beantworten musste? Hab ich noch nie weggehört, wenn ich auf dem Pausenplatz ein «du schwule Sau» gehört habe? (Solange es nicht von einem meiner Kinder kam). Hab ich noch nie mit einem säuerlichen Lächeln auf einen sexistischen Spruch reagiert, aber sonst nichts gesagt? Hab ich. Ohne mir zu überlegen, dass mein Schweigen dieses System akzeptiert und unterstützt.

Es liegt an uns, eine Generation zu erziehen, die hinterfragt

Ohne zu überlegen, dass es meinen Kindern vermittelt, dass es okay ist, dieses System zu akzeptieren und zu unterstützen. Das ist fatal. Die grösste Chance, die wir haben im Kampf gegen Rassismus, Homophobie, Sexismus und jede andere Form von Ausgrenzung, sind unsere Kinder. Es liegt an uns, eine Generation zu erziehen, die selbst denkt. Eine, die sowohl ihre Eltern und deren Vorurteile als auch sich selbst mal in Frage stellt. Und vielleicht tatsächlich darauf kommt, dass es keinen einzigen Grund gibt, warum irgend ein Mensch auf der Welt weniger Wert sein sollte als ein anderer.

Mehr von Familien-Bloggerin Sandra C. lest ihr hier.

 

 

Von Sandra C. am 13.06.2020
Related articles