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Der ganz normale Wahnsinn

Wie bringt Sandra C. Kids und Job unter einen Hut? Easy! Oder doch nicht?

Babys aus Hautzellen?

Vor genau 40 Jahren wurde das Kinderkriegen revolutioniert. Mit der Britin Louise Brown wurde am 25. Juli 1978 das erste Retortenbaby der Welt geboren. Seither kamen über 6 Millionen Babys auf diesem Weg zur Welt. Und die Medizin bewegt sich diesbezüglich in Riesenschritten voran. Fluch oder Segen? Die Gedanken unserer Familienbloggerin Sandra C.

Rein theoretisch würde in Zukunft ein Besuch beim Hausarzt ausreichen, um ein Baby zu zeugen. Den Eltern – egal welches Geschlecht sie haben – würden Hautzellen entnommen und im Labor zu Stammzellen umprogrammiert. So entstehen Embryos, von denen einer der Mutter eingepflanzt wird. So die Vision von Hank Greely, Bioethiker und Jurist an der Universität von Stanford, Kalifornien.

Babys aus Hautzellen – was für eine Vorstellung! Dass diese nicht so abwegig ist, zeigt die Tatsache, dass sich die Reproduktionsmedizin in den vergangenen Jahren in Riesenschritten voranging. «Teufelszeug» hiess es noch, als vor 40 Jahren Louise Brown in England als erstes Baby, das ausserhalb des menschlichen Körpers gezeugt wurde, zur Welt kam. Heute ist die Praxis gang und gäbe. Millionen von Menschen in der ganzen Welt würden ohne sie nicht existieren.

 

Wo sind die Grenzen?

Aber Babys aus Hautzellen? Eben – wer entscheidet denn, wer Kinder bekommen darf und wer nicht? Die Natur? Schon lange nicht mehr. Ist das gut oder schlecht? Das ist extrem schwer zu sagen. Ganz ehrlich: Ich finde es grenzwertig, wenn sich eine 64-Jährige noch ein Kind «machen» lässt oder eine bereits sechsfache Mutter noch Achtlinge zur Welt bringt – einfach, weil es möglich ist.

Die Fragen stellen sich immer wieder neu: Muss man alles, was machbar ist, auch machen? Wo sind die Grenzen? Muss jede Sehnsucht gestillt werden? Und: Wer hat das Recht, über das Leben und die Sehnsüchte anderer zu entscheiden? Und wer hat auf der anderen Seite das Recht, der Natur ins Handwerk zu pfuschen?

Das sind Wunschkinder

Ich weiss nicht, wie es ist, wenn sich der Kinderwunsch nicht erfüllt. Ich weiss nicht, wie es gewesen wäre, wenn ich nicht auf natürlichem Weg schwanger geworden wäre. Aber auch wenn ich nicht um sie kämpfen musste, empfinde ich meine Kinder als riesengrosses Geschenk – für das es sich gelohnt hätte, alles zu investieren und alles zu riskieren. Ob ich das wirklich getan hätte? Ich weiss es nicht. Eigentlich hoffe ich, dass ich auch ohne Kinder glücklich wäre. Denn obwohl sie mein grösstes Glück sind, sind sie nicht für mein Glück verantwortlich.

Ob dereinst tatsächlich Kinder aus Hautzellen entstehen werden, steht noch in den Sternen. Sicher ist, dass jedes Kind, das nicht auf natürlichem Weg gezeugt wurde, ein absolutes Wunschkind ist. Darüber zu urteilen, masse ich mir nicht an. Es zu hinterfragen hingegen schon. Aber wer bin ich schon? Eine Frau, die das Riesenglück hatte, zwei ganz tolle Kinder zu bekommen. Und dafür unendlich dankbar ist.