Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Was willst du werden, wenn du gross bist?

Ganz langsam werden die Weichen für die Zukunft der Tochter von Sandra C. gestellt. Und die Mama macht sich ganz offensichtlich viel mehr Gedanken zu dem Thema als das Mädchen selbst. So fragt sich die Familienbloggerin, ob es tatsächlich zu früh ist, dem Nachwuchs einen - realistischen - Plan B nahezulegen, falls Plan A - ein superberühmter Popstar werden - aus irgendwelchen Gründen doch nicht klappt. 
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Die Qual der Wahl: Welchen Beruf soll das eigene Kind einmal ausüben?

Wie schnell die Zeit vergeht, sieht man am besten an den eigenen Kindern. Gerade noch war ich das Mami eines klitzekleinen Supertalents, das zum Erstaunen aller mit zehn Monaten im Zeug rumrannte, mit gut einjährig ganze Sätze sprach und mit drei Jahren die Länge des Schwimmbades durchschwamm ­- ohne Schwimmflügel. Seine Zukunft: ganz grandios, keine Frage, so clever und talentiert wie das Kind ist.

Aus dem klitzekleinen Supertalent ist inzwischen ein... Ich hab keine Ahnung, was genau eigentlich aus meiner Tochter geworden ist. Sie ist immer noch clever und talentiert, keine Frage. Aber eben ­- in ihrem Alter reicht das nicht mehr aus, um Begeisterungsstürme zu entfachen. Und schon gar nicht, um sicher zu sein, dass eine brillante Zukunft vor ihr liegt, und sich all ihre Träume und Wünsche erfüllen. Sie selbst ist noch überzeugt davon. Sie möchte Sängerin werden. Genauer gesagt: Popstar. Und letzteres stört mich eben ein bisschen an der Sache. Wenn sie nämlich sagen würde: «Alles, was ich will, ist singen, egal, ob als zwölfte Backgroundsängerin irgendwo in der dritten Reihe» würde ich diesen Berufswunsch vielleicht ein bisschen ernster nehmen. Dabei hab ich eigentlich keinen Grund, das nicht zu tun: Meine Grosse singt, tanzt und spielt Klavier, und sie schreibt ihre eigenen Songs. Wenn ich sie diese singen höre, treibt es mir die Tränen in die Augen und wenn ich irgendwo ein Blatt finde, auf dem sie Texte und Melodien notiert hat, hab ich allen Grund, stolz zu sein.

Trotzdem: «Popstar» ist kein Berufswunsch! Jedenfalls kein besonders realistischer. Wenn immer ich versuche, anzutönen, dass das vielleicht eventuell nicht klappen könnte, meint mein Töchterlein beleidigt: «Du glaubst nicht an mich!» Und ich stelle mir vor, wie sie in ein paar Jahren, wenn sie ein superberühmter Popstar ist, in einem Interview sagt: «Meine Mutter? Pfff. Die hat nie an mich geglaubt. Heute schämt sie sich dafür.» Es ist so: Singen, Klavierspielen und Songs schreiben sind die Hobbys meiner Tochter. Ja, sie investiert einen beträchtlichen Teil ihrer Freizeit darin. Aber es ist bei weitem nicht so, dass sie jede freie Minute am Klavier sitzt und neue Lieder austüftelt. Und irgendwie meine ich, das müsste doch so sein, wenn sie tatsächlich einen ehrlichen Berufswunsch in der Richtung hegen würde. Dabei bin ich eigentlich froh, dass ihr Freunde wichtiger sind (Youtube lassen wir jetzt mal aussen vor...) und dass ihr auch die Schule nicht gänzlich egal ist.

A propos Schule: Der Grund, dass ich überhaupt bereits in einem solchen Mass über die Zukunft meiner Tochter nachdenke, ist der, dass vergangene Woche das erste «offizielle» Gespräch über ihre weitere schulische Karriere stattfand. Sprich: Eine erste Einschätzung ihrer Lehrerin in Bezug auf die Oberstufe. «Eine sehr gute Sek-­A-­Schülerin. Gymnasium eine Option, aber das müsste sie selbst wirklich wollen.» Klar. Hätte ich wohl als ihre Lehrerin ganz genau so gesagt. Heisst übersetzt: Das Mädchen ist gescheit, und das Lernen fällt ihr nicht besonders schwer. Aber man merkt, dass sie es weder besonders gern noch besonders häufig tut. Und wenn sie tatsächlich an ein Gymi wollte, müsste sie noch einen gewaltigen Zacken zulegen. So ist es, daran gibts nichts zu rütteln. Hatte ich mir etwas anderes erhofft? Ich weiss es nicht. Ich war nie eine der Mütter, die mit ihren Kindern angeben wollte. Aber auch ich bin nicht ganz immun gegen das «Proud­-Mummy-Syndrom». Klar war ich stolz, als die Leute staunten, wenn ihnen so ein klitzkleines Supertalent auf dürren Beinchen entgegengewackelt kam. Und auch wenn ich sowieso kein grosser Fan des Langzeit­-Gymis bin ­- ich fände es total unnütz, noch zwei Jahre Latein in mein Kind reinzustopfen - ­fände ich es doch recht cool zu sagen: «Na ja, die Empfehlung war ganz klar Gymnasium. Aber wir möchten das noch gar nicht. Das ist uns nicht so wichtig. Wir möchten ihr noch etwas Zeit lassen.»

Nun, zum Glück haben wir ja so oder so tatsächlich noch etwas Zeit. Sängerin, Popstar ­- oder doch etwas ganz anderes? Wir werden sehen. Auf jeden Fall eine Herausforderung für uns alle. Und nicht die einzige: Kind Nummer zwei steht seiner Schwester in Sachen Berufswunsch nämlich in gar nichts nach. Aber immerhin hat er einen Plan B und sogar einen Plan C. Plan A: Profi-Fussballer. Plan B: Profi­-Snowboarder oder ­Skifahrer. Plan C: Spielzeug­-Tester bei Toys’R’Us. Zumindest letzteres finde ich gar nicht so abwegig...

Im Dossier: Alle Beiträge von Familienbloggerin Sandra C.