Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Bin ich eine Rabenmutter?

Ihr ahnt es: Ich war noch nie eine «Mein-Kind-ist-das-Schönste-und-Beste-und-kann-alles-viel-besser-als-dein-Kind»-Mutter. Ich finde meine Kinder recht durchschnittlich. Macht mich das zur Rabenmutter?

Es fing bereits bei der Geburt meiner Tochter an. Man sagt ja, für eine Mutter sei ihr Kind immer das schönste Kind der Welt. Um Himmels Willen! Das verschrumpelte Persönchen, das da aus mir geschlüpft war, hatte knallrote Haare, die ihm in allen Richtungen vom Kopf abstanden. Und genauso knallrote Ohren, die ihm ebenfalls vom Kopf abstanden! Als Baby nahm sie lange Zeit wegen eines Refluxes kaum zu - sie kotzte die Hälfte der Milch, die sie trank, postwendend wieder aus. (Mir fällt gerade auf, dass ich in fast jedem Blog mindestens einmal das Wort «kotzen» schreibe. Das ist doch irgendwie bezeichnend...) Auf jeden Fall war sie deswegen spindeldürr und meilenweit entfernt von den süssen, speckigen, buddha-ähnlichen Babys, die man pausenlos in die Wange kneifen möchte. Leute, die in ihren Kinderwagen schauten, sagten nie: «Jöh, so herzig!», sondern immer «Isch das e Luschtigs!» 

Mein Sohn war bei seiner Geburt ein hübsches, blondes Buddha-Baby. Dafür ist er eher ein Exemplar der langsameren Sorte. Er hats kurz vor dem Kindergarteneintritt gerade noch geschafft, einigermassen trocken zu werden (für Nicht-Eltern: Ich spreche vom Nicht-mehr-in-die-Windeln-pinkeln, nicht von Alkohol!). Seine Zeichnungen kann ich auf den ersten Blick von denen seiner Kindergarten-Gspänli unterscheiden: Während die anderen schon recht ansehnliche Männchen, Gesichter, Autos oder Bäume zeichnen, ist auf seinem Blatt immer ein wildes Gekritzel, aus dem sich nur mit sehr viel Fantasie erahnen lässt, was es darstellen soll. Kurz gesagt: Mein Sohn ist keiner, mit dem ich bei den üblichen «Was-das-kann-er-noch-nicht?-Meiner-kann-das-seit-Jahren!»-Wettstreiten unter Müttern punkten kann. Auch seine regelmässigen Wutanfälle - ja, auch den Klassiker vor der Migros-Kasse bin ich mir inzwischen gewohnt - sorgen nicht wirklich dafür, dass ich stolzerfüllt sagen kann: «Schaut her, ist er nicht toll mein Sohn?» Seine Psychomotorik-Therapeutin (ja, auch da geht er hin...) sagt, ihr Ziel sei es, seine Frustrationstoleranz zu erhöhen. Na, dann, viel Spass! Das versuche ich seit sechs Jahren! 

Es gibt schönere Kinder als meine. Es gibt klügere, begabtere, liebere. Bin ich eine furchtbare Mutter, weil ich das denke? Oder bin ich einfach realistisch?

Es gibt schönere, klügere, begabtere, liebere Kinder als meine. Aber keine besseren. Weil sie meine Kinder sind. Es gibt schönere Mütter als mich. Auch klügere, begabtere, liebere. Aber für meine Kinder keine bessere. Weil ich ihre Mutter bin.

PS: Meine Tochter ist inzwischen nicht mehr rothaarig, sondern blond und trägt die Haare so lang, dass sie ihre abstehenden Ohren verdecken. Ihr Gesicht ist voller Sommersprossen und ihr Lachen das ansteckendste, das ich kenne. Und mein Sohn kann schon lesen und schreiben, obwohl er noch gar nicht zur Schule geht. Im Fall!