Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Die wahre Strafe

Das mit dem Bestrafen ist so eine Sache, findet Familienbloggerin Sandra C. Denn korrekterweise sollte die Strafe ja eine Konsequenz aus dem Vergehen sein. Das wissen sogar ihre Kinder - und verwenden dieses Wissen gnadenlos gegen sie!
Mutter bestraft ihr Kind
© Getty Images

Was, wenn das Kind die verhängte Strafe nicht ernst nimmt?

Wenns ums Essen geht, ist das ja relativ einfach: Wer keine Vitamine isst, kriegt nichts Süsses. Für Vergehen wie Fluchen, Schlagen oder Streiten gibts die Strichliste bei uns: Negativ-Strichli haben einen direkten Einfluss aufs Taschengeld, sprich für jeden dieser Striche wird ein kleiner Betrag abgezogen. Ja, ich weiss, auch das ist nicht über jeden Zweifel erhaben, aber es funktioniert ganz gut. Aber was, wenn ein kleiner Abzug vom Sackgeld nicht mehr reicht? Dann wirds richtig knifflig.

Meine Tochter hat letzthin ihr Fussballtraining geschwänzt. Auf die Frage, wie das Training war, hat sie nur geantwortet: «Gut». Dass ihr Trainer nachfragen könnte, warum sie nicht gekommen ist, daran hat sie offenbar nicht gedacht. Ich fragte also drei Tage später nochmal nach: «Warst du letzte Woche im Fussballtraining?» Sie, ein bisschen verunsichert zwar, aber immer noch ohne mit der Wimper zu zucken: «Ja, warum fragst du?» Ich liess sie also wissen, dass ihre Lüge aufgeflogen war, und fragte nach, was los war. Tja, wenn ich jetzt erwartet hatte, dass sie in Tränen ausbrechen würde, sich hundert Mal entschuldigen, und schluchzend erzählen würde, sie werde immer ausgelacht wegen ihres YB-Shirts (ich hab das Ding ganz hinten im Schrank verstaut, aber sie grübelt es immer wieder raus und will es unbedingt tragen) - also, wenn ich das erwartete, hatte ich mich geschnitten. Sie zuckte arschcool die Schultern und meinte, sie habe es vergessen. Was auf gut Deutsch heisst, sie hatte schlicht und einfach keinen Bock, weil sie vermutlich im Hort gerade mit etwas unglaublich Wichtigem beschäftigt war. Und das waren ziemlich sicher nicht ihre Hausaufgaben. Die Tatsache, dass sie geschwänzt hat, fand ich nun nicht soooo tragisch. Aber dass sie log, und vor allem dass sie dermassen unbeeindruckt davon war, dass ich ihre Lüge aufgedeckt habe, brachte mich auf die Palme. «Begreifst du nicht, dass du einen Seich gemacht hast?» Ihre letzte Chance auf ein bisschen Einsicht. Sie zuckte die Schultern. «Ein bisschen Seich gehört zum Leben.» Ja, super. Also: Zwei Wochen TV- und Handy-Verbot, nichts Süsses, … «Stop», fiel sie mir ins Wort. «Du musst mir eine Strafe geben, die etwas mit dem zu tun hat, was ich gemacht habe!» Hat meine Neunjährige Erziehungsratgeber studiert oder was? «Und was wäre das deiner Meinung nach?», fragte ich. Wieder dieses coole Schulterzucken. Dann zeigte sie auf ihren Bruder, der schadenfroh-gespannt auf die Verkündung der Strafe wartete: «Findest du nicht, ich bin mit dem da genug bestraft?» Ich wusste nicht, ob ich lachen oder heulen sollte. Was macht man mit so einem Kind? 

Ich versuchte, mich daran zu erinnern, wie ich jeweils fürs Schwänzen und/oder Lügen bestraft wurde. Nun, ich habe mich selten erwischen lassen - aber wenn, war meine Mutter auch ziemlich hilflos. Ich verhängte also zwei Wochen TV- Handy- und Zuckerverbot. Im Wissen, dass die wahre Strafe erst viel, viel später kommt: Dann, wenn sie eine Tochter hat, die genau so ist wie sie es war! 

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