Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Der Geburtstags-Gau

Ab Mitte August herrscht bei Familienbloggerin Sandra C. zu Hause Ausnahmezustand. In den kommenden Wochen kennen ihre Kinder nämlich nur ein Thema: ihre Geburtstage. Diese liegen genau sechs Tage auseinander. Was früher praktisch war, ist heute anstrengend.
Kinderzeichnung der ganz normale Wahnsinn Sandra C Blog
© Sandra C.

Töchterchens diesjährige Wunschliste. Auffällig: «Monster High» zu buchstabieren, ist kein Problem, «Geburtstag» hingegen schon...

«Wieviel Mal noch schlafen bis zu meinem Geburtstag?» Die Antwort auf diese Frage meines Nachwuchses beantworte ich derzeit täglich mit «ein Mal weniger als gestern». Ihr Geburtstag ist für meine Kinder wichtiger als alles andere auf der Welt. Wichtiger als Sommerferien und Schulanfang. Selbstverständlich wissen sie schon längst, wen sie an ihre Partys einladen wollen. Die Wunschlisten sind geschrieben - auch wenn fast jeden Tag etwas Neues dazukommt. Und das wieder gestrichen wurde, was sie vorgestern ihrer Oma am Telefon als allerdringendsten Wunsch durchgegeben haben.

Als sie noch ganz klein waren, war die Tatsache, dass sie in der selben Woche feiern, recht praktisch: Ein Mal Geschenke kaufen, ein Fest für beide zusammen - nach Möglichkeit nicht zu Hause, damit das Aufräumen  entfällt - ein Mal beim Bäcker zwei Kuchen bestellen, und das Ganze war für ein Jahr erledigt. Als Kindergarten und später Schule dazukamen, fings an, etwas stressig zu werden. Traditionen sind ja schön und gut, aber wenn ich - mit unglaublich wenig Talent gesegnet - innerhalb einer Woche je einen Kuchen für Krippe, Kindergarten, Hort und Schule backen muss, komme ich an meine Grenzen. Und kaufen geht gar nicht, das wissen wir alle. Gott sei Dank entfällt das jetzt, wo sie beide den gleichen Hort besuchen, bald beide in die Schule gehen - und ich mich nicht mehr drum schere, was die anderen Eltern denken, wenn ich ihnen jedes Mal Weggli und Schoggistängel mitgebe. Dafür wollen sie seit vergangenem Jahr nicht mehr zusammen feiern, sondern jedes ein Fest für sich. Sie haben ganz bestimmte Vorstellungen von ihren Partys - Schnitzeljagd, Piratenfest, Prinzessinnenparty - und auf der Wunschliste stehen nicht mehr einfach Lego oder Barbies, sondern sehr spezifische Wünsche wie «Laguna Blue Monster High Puppe» oder «Lego Chima Razcal's Glider». (Sagt Euch nichts? Ich erklärs Euch irgendwann mal. Aber es kann gut sein, dass das Zeug bis dann gar nicht mehr in ist.) Selbstverständlich müssen die Einladungen früh genug verschickt werden, damit sich alle richtig vorbereiten können. Und ebenso selbstverständlich merken sie eine Woche vor dem Fest, dass sie unbedingt noch Lara einladen müssen oder dass Luca gar nicht mehr ihr Freund ist.

Dieses Jahr erwartet mich vermutlich der Supergau. Aus unerfindlichen Gründen habe ich mich von meiner Tochter zu einer Übernachtungsparty überreden lassen. Drei Freundinnen und ein Freund (seine Einladung hat sie mit rosa Herzchen übersät. Der arme Kerl…) sollen in ihrem Zimmer schlafen - oder auch nicht. Dabei dachte ich eigentlich, die schlaflosen Nächte würden frühestens dann wieder anfangen, wenn sie abends ausgeht. Natürlich gibts auch genaue Vorstellungen vom Unterhaltungsprogramm (Schnitzeljagd und diverse Spiele) ganz zu schweigen vom Essen (Würste vom Grill, Chips, Kuchen und zum Frühstück Choco Pops). Als gute Mutter erfülle ich ihr all diese Wünsche. Dabei sehe ich jetzt schon, wie sie ihre Augen verdreht, wenn ich irgendwann vor ihren Freunden nostalgisch seufze und sage: «Genau jetzt vor neun Jahren habe ich dich zum ersten Mal gebadet.» Aber da muss sie durch! Ich muss es schliesslich auch.

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