Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Boys and Girls

Familienbloggerin Sandra C. hat eine Tochter und einen Sohn. Mit Letzterem hat sie nicht gerechnet, sah sie sich doch immer als Mädchen-Mami. Sie wurde mit den Jahren eines Besseren belehrt.

Meine Tochter verbrachte neun Monate in meinem Bauch, ohne sich als Mädchen zu outen. Wir versuchten es von jeder Seite, sie wollte einfach nicht. Ich war mir aber vom ersten Tag an sicher: Es ist ein Mädchen. Es muss ein Mädchen sein. Ich bin ein Mädchen-Mami. Ich kann nur mit Mädchen. In meinen Zukunfts-Träumen hatte ich immer drei davon, alle in hübschen Kleidchen mit Schleifen im Haar. (Als die Haare meiner Tochter endlich lang genug waren, machte ich ihr sofort eine Schleife rein. Sie schrie wie am Spiess und riss das Ding gleich wieder raus. Sie hasst es heute noch, irgendwelche Spangen oder Gummis in den Haaren zu haben. Dies nur am Rande.)

Immer noch von meinem Drei-Mädchen-Traum beseelt, ging ich in meiner zweiten Schwangerschaft zum ersten grossen Ultraschall. Und sah ES sofort. (Mein Sohn hielt sich die Hände vors Gesicht und machte die Beine so breit, dass es tatsächlich unübersehbar war. Ich bin froh, dass sich daraus keine Gewohnheit ergab... Aber auch dies nur am Rande.) Tja, jetzt hatte ich den Seich. Es würden also keine drei Mädchen in hübschen Kleidchen mit Schleifen in den Haaren werden. Ihr dürft mich nicht falsch verstehen: Ich habe nichts gegen Buben. Und ich freute mich natürlich, dass mit dem Baby in meinem Bauch alles okay war. Ich hatte lediglich nie mit einem Sohn gerechnet. Einfach, weil ich mir nicht vorstellen konnte, Mutter eines Jungen zu sein. Ich bin ein Mädchen - mittlerweile ein ziemlich grosses, aber immer noch ein Mädchen -, und ich kann und will mit Mädchen Mädchen-Sachen machen. Wie soll ich da die Verantwortung für einen Jungen übernehmen?

Mit den Jahren stellte ich zwei Dinge fest: Mein Sohn ist ein richtiger Bub. Er liebt Autos und Transformers, hat dauernd Löcher in den Hosen und findet Mädchen blöd. Auf jeden Fall die meisten. Und - eine Tatsache, die mich manchmal noch immer etwas irritiert: Mein Sohn ist genau wie ich! Ich finde ein richtig cooles Auto auch was Tolles, «Transformers»-Star Shia LaBoeuf durchaus nicht zu verachten, irgendwie schleichen sich dauernd kleine Löcher in meine Shirts, und ich kann gut nachvollziehen, dass man manche Mädchen einfach blöd findet. Während meine Tochter ganz offensichtlich das handwerkliche Talent ihrer Grossmutter väterlicherseits geerbt hat - sie zeichnet mit ihren acht Jahren Schnittmuster und stellt selbst Barbie-Kleider her -, kriegt mein Sohn auf einem Blatt Papier kaum zwei gerade Striche nebeneinander. Genau wie ich. Meine Tochter ist clever, überlegt und hat auf alles eine Antwort - wie ihr Vater. Mein Sohn ist impulsiv, aber sehr feinfühlig. Genau wie ich. Und er hat mit seinen sechs Jahren bereits einen Humor, der mich immer wieder aus den Socken haut. 

Ich habe jetzt also keine drei Mädchen in süssen Kleidern mit Schleifen im Haar. Ich habe eine Tochter, die alles andere ist als ein süsses Girlie (und darauf bin ich stolz!) und Schleifen im Haar hasst. Und einen Sohn, der - noch - fast alle Mädchen blöd findet ausser sein Mami, die findet er nämlich die Beste! Und das ist gut so. Nicht nur das: Es ist sogar perfekt so.