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Der ganz normale Wahnsinn

Wie bringt Sandra C. Kids und Job unter einen Hut? Easy! Oder doch nicht?

Brüderchen und Schwesterchen

Als die Kinder von Sandra C. klein waren, war Streit praktisch an der Tagesordnung. Doch plötzlich passierte etwas Wundersames: Heute sind Tochter und Sohn der Familienbloggerin ein Herz und eine Seele.

Meine Tochter wurde kürzlich im Religionsunterricht gefragt, was sie glücklich mache. «Und was hast du gesagt?», frage ich. Sie: «Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen. Und wenn mein kleiner Bruder glücklich ist.» – «Das hast du echt gesagt? Warum?» – «Weil er das herzigste Kind der Welt ist, wenn er lacht.» Ist das nicht süss? Vor allem, weil die Zeiten, in denen sie ihrem Bruder ein giftiges «Ich wünschte, du wärst nie geboren!» an den Kopf schmiss, noch gar nicht so lange her sind.

Hätte ich allein die Wahl gehabt, wäre der Altersabstand zwischen den beiden grösser. Mein Sohn hat mich allerdings ausgetrickst und ist trotz Verhütung ziemlich rasch mal auf der Bildfläche erschienen. Das sei doch toll, fanden damals alle, denn je kleiner der Altersabstand, desto besser spielen sie zusammen. Ja klar! Die ersten paar Wochen ignorierte meine Tochter den Fakt, dass sie grosse Schwester geworden war, komplett. Das einzige mal, dass sie über ihn sprach, war, als sie in der Kita gefragt wurde, was denn ihr Baby-Bruder den ganzen Tag so mache. Sie sagte: «Kotzen!»

Die zwei haben kaum zusammen gespielt

Dann, kaum war der Kleine einigermassen mobil, fing er an, seine Schwester zu plagen. Und kaum hatte er Zähne, begann er, sie zu beissen. Und auch später, während Kindergarten und Primarschule, gab es immer wieder Zeiten, in denen sie fast täglich aufeinander losgingen. Zusammen spielen? Ich kann mich kaum an sowas erinnern. Dazu waren sie und ihre Interessen viel zu unterschiedlich.

Noch heute sind die zwei extrem verschieden. Die Ältere eher ein Kopfmensch, sehr logisch, und vielseitig begabt, sowohl mathematisch als auch sprachlich und musikalisch. Der Jüngere sehr emotional und feinfühlig, ein Bewegungsmensch und sportlich begabt.

Die Schule verband

Als sie klein waren, hatten sie tatsächlich nicht viele Berührungspunkte. Doch dann passierte etwas, mit dem ich nicht gerechnet habe. Vor etwas mehr als einem Jahr wurden beide in altersdurchmischte Klassen eingeteilt. Sie gingen zwar nicht in die gleiche Klasse, hatten aber plötzlich Freunde und Freundinnen des jeweils anderen neben sich auf der Schulbank. Dazu die gleichen Lehrpersonen und in gewissen Fächern den gleichen Lehrplan.

Sie konnten also zusammen lernen und gemeinsam über Lehrer und Schule motzen. Und ihre Freundeskreise durchmischten sich. Plötzlich waren sie in den gleichen WhatsApp-Chats und trafen sich in der selben Clique in der Badi oder auf dem Eisfeld. Das alles hat sie so zusammengeschweisst, dass sie heute, mit 13 und 11, ein Herz und eine Seele sind – etwas, das ich noch vor zwei Jahren für unmöglich gehalten habe. Und das mich deshalb umso mehr freut.

Gewisse Dinge verstehen nur Geschwister

Denn den «Wert» eines Geschwisters weiss man oft erst zu schätzen, wenn man älter wird. So gibt es gewisse Dinge, die nur Geschwister verstehen. Zum Beispiel beim Tod eines Elternteils – weil sie die einzigen sind, die das gleiche fühlen, weil sie den gleichen Verlust erleiden. Es macht mich deshalb immer etwas traurig, wenn ich von Leuten höre, die sich mit ihren Geschwistern zerstritten haben. Eine Bekannte von mir sogar bis zu ihrem Tod – sogar als sie todkrank war, konnte sie sich nicht überwinden, sich mit ihrer Schwester zu versöhnen. Wie furchtbar!

Natürlich weiss man nie, was passiert. Aber im Moment freue ich mich einfach, wenn die beiden einträchtig zusammenhocken und über Dinge reden, von denen ich nichts verstehe. Mein Sohn hört jetzt sogar den so über alles geliebten K-Pop seiner Schwester und weiss über jedes einzelne Boyband-Mitglied Bescheid. Wenn das kein Liebesbeweis ist!