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Der ganz normale Wahnsinn

Das geheimnisvolle Leben der Pubertiere

Mit Teenagern unter einem Dach zu leben, fühlt sich zuweilen an, als wäre man von Aliens umgeben. Unsere Familienbloggerin versucht jeweils, per Blick auf die Social-Media-Kanäle ihrer Pubertiere einen Einblick in deren Leben zu erhaschen - und scheitert meist kläglich.

Sandra Casalini Blog der ganz normale Wahnsinn

Unsere Familienbloggerin ist öfter mal mit den Social-Media-Aktivitäten ihrer Kinder überfordert. 

Lucia Hunziker

Wer Kinder bekommt, wünscht sich ja insgeheim ein bisschen, sein Haus mit kleinen Versionen seiner selbst zu bevölkern, die man durchs Leben begleitet und denen man alles beibringt, was sie wissen müssen, um genauso zu werden, wie man selbst. Und dann kommt der Moment, in dem man merkt, dass das nicht funktioniert hat. Mehr noch: der Moment, in dem einem klar wird, dass man sein Haus nicht mit kleinen Klonen, sondern mit Ausserirdischen bevölkert hat.

«Bad Bitch» ist ein Kompliment!

Je mehr man versucht, das Leben dieser geheimnisvollen Spezies nachzuvollziehen, desto seltsamer erscheint es einem. Das liegt unter anderem daran, dass sie den grössten Teil ihrer Zeit in ihrem eigenen Schlag verbringen - etwas, wovon Kleinkind-Eltern nur träumen können. Wenn sie denn mal in den gemeinsamen Räumlichkeiten auftauchen, diese Pubertiere, sprechen sie eine Sprache, die man öfter nicht mehr wirklich versteht.

Was nicht unbedingt an den Worten liegt, die sie brauchen, sondern an der Art und Weise, wie sie sie verwenden. So hat «fett» nichts mit Körperformen zu tun, sondern ist schlicht und einfach eine Steigerungsform. «Lauch» ist kein Gemüse, sondern entweder ein sehr dünner oder ein sehr dummer Mensch. Und «Bad Bitch» ist tatsächlich ein Kompliment. Es bedeutet, dass man ziemlich cool ist.

«Sie sind also die ganze Zeit total im Zeug, um keine «Snapdays» zu verlieren, obwohl das null Konsequenzen hat - weder in der digitalen Welt noch in der realen. Willkommen in der Welt der Teenie-Aliens!»

Dazu kommt, dass das gemeine Pubertier von heute sein Leben zu einem grossen Teil in der digitalen Welt führt. Wenn man es also verstehen möchte, gibts nur eins: seine Social Media Kanäle durchforsten. Auf Instagram und Tik Tok findet man hin und wieder mal Fotos oder Clips mit Freunden, ansonsten finden da vor allem ihre Lieblingsbands oder bevorzugten Serien statt (momentan in erster Linie Animés - den Unterschied zu Cartoons habe ich immer noch nicht begriffen). Oder irgendwelches kryptisches Zeug, das sich meinem Verständnis total entzieht.

Nur keine Flammen verlieren!

Das grösste Mysterium ist für mich allerdings eine App namens Snapchat. Der Stress, den sich die Teenies damit machen, ist riesig. Der Grund: Sie brauchen eine gewisse Anzahl an «Snapdays». Wenn sie einander Fotos schicken - und sei es nur ein schwarzer Bildschirm - bekommen sie digitale Flämmchen, die sie sammeln. Was passiert, wenn sie die Flammen verlieren? Nichts. (Das erinnert mich ein bisschen an unser Gleichstellungsgesetz. Das ist zwar existent, aber wenn man sich nicht dran hält, geschieht was? Genau: gar nichts. Dies nur am Rande.) Sie sind also die ganze Zeit total im Zeug, um keine «Snapdays» zu verlieren, obwohl das null Konsequenzen hat - weder in der digitalen Welt noch in der realen. Willkommen in der Welt der Teenie-Aliens!

«Ich schüttle weiterhin den Kopf über diese Milchschnitten- und Energy-Drinks-vernichtenden, K-Pop-hörenden, zockenden, Animé-schauenden Kreaturen in meinem Haus.»

Ich bin also auch nach der Konsultation ihrer Social Media Kanäle nicht viel schlauer als vorher. Ich schüttle weiterhin den Kopf über diese Milchschnitten- und Energy-Drinks-vernichtenden, K-Pop-hörenden, zockenden, Animé-schauenden Kreaturen in meinem Haus. Und freue mich darüber, dass sie keine «Mini-Mes» (oder zumindest im Fall von Kind 2 «Maxi-Me») geworden sind. Wäre ja langweilig.

Mehr von Familien-Bloggerin Sandra C. lest ihr hier.

 

 

 

 

Von Sandra C. am 16.01.2021
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