Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Das grosse Fressen

Seit Irina Beller ihren Mann beim Essen mit einem Steak attackierte, weiss Familienbloggerin Sandra C. zwar, dass es nicht zwingend Kinder am Tisch braucht, um sich aufzuregen. Aber für alle, die Nachwuchs haben, ist das Thema Essen ein Dauerbrenner.

Essen ist nicht nur im wahrsten Sinn des Wortes eine Glaubensfrage. Die erste Frage stellt sich bereits vor der Geburt: Stillen oder nicht? Klar, stillen ist gut für Mutter und Kind. Es gibt nichts Gesünderes für die Kleinsten als Muttermilch. Das sagen alle. Was dir niemand sagt: Stillen ist verdammt schmerzhaft. Zwei, drei Tage nach der Geburt schoss die Milch in die Brust und ich kriegte Fieber. Und ich hätte nie gedacht, dass ein Neugeborenes meine Brustwarzen wund saugen kann. Ich hoffte einfach, dass das Kind nicht zu früh Zähne kriegt und später nicht auch noch darauf herumkaut. 

Dann kommt die Brei-Phase. Anfangs war ich total enthusiastisch und probierte alles aus. Stand stundenlang in der Küche, schälte Rüebli, zermantschte Bananen, kochte Äpfel ein - um das meiste davon später wieder mit Babyspucke vermischt vom Tisch zu kratzen. Einmal gab mir eine Freundin den Tipp, Randen schmecke den Kleinen ganz gut. Ich verarbeitete also eine ganze Menge von dem roten Zeugs zu Brei und fror ihn ein. Tage später versuchte ich es - meine Tochter war begeistert. Innerhalb von wenigen Minuten putzte sie das Zeug weg. Meine Euphorie legte sich allerdings wieder, als ich bemerkte, dass ich statt des Randen-Breis die Bolognese-Sauce für unser Abendessen aufgetaut hatte. Beim zweiten Kind war mir der ganze Brei-Zirkus zu blöd, das wusste ich bereits von Anfang an. Gleich nach seiner Geburt sagte ich zu meinem Sohn: «Also gut, das mit dem Stillen ziehen wir nochmal durch. Aber eins musst du wissen: Von mir wirst du nie ein selbst gekochtes Rüebli kriegen!» So wurde mein Sohn zum Hipp-Baby.

Die Freude war gross, als der Nachwuchs endlich vom Tisch ass. Und noch grösser, als ich endlich wieder halbwegs normal kochen konnte, will heissen, nicht mehr nur weich gekochte Pasta ohne Sauce. Damit wurden aber auch eine ganze Menge Regeln eingeführt: Gegessen wird am Tisch, alle zusammen. Es wird alles probiert, wer etwas wirklich nicht mag, darf es sein lassen. Manchmal klappt das alles. Manchmal ists ein einziger Kampf. Meine Tochter hat zum Beispiel immer genau das Gemüse nicht gern, das sich auf ihrem Teller befindet. Manchmal ists auch einfach frustrierend. Zum Beispiel wenn sie zum dritten Mal hintereinander noch vor dem Probieren die Nase rümpfen und «Wäh!» sagen. Ja, ich weiss, vermutlich liegt das mal wieder an meiner Erziehung. Es könnte aber auch daran liegen, dass ich Wert auf eine gesunde Ernährung meiner Kinder lege. Bei uns gibts relativ selten Fischstäbchen, Pommes, Pizza und Co. Dafür Lachs, Linsensuppe, Gemüseauflauf. 

Und im Gegensatz dazu, was mir nach meinem letzten Blog von einer Userin vorgeworfen wird: Nein, ich schleppe meine Kinder nicht regelmässig zu McDonald's. Aber glaubt mir - ein Sechsjähriger kennt das gelbe M, auch wenn ers noch nie von innen gesehen hat. Ja, auch wir gehen ab und zu dorthin. Nicht weil wir alle das Essen da so mögen - das tun nicht mal die Kinder. Aber sie lieben die Happy-Meal-Spielzeuge und das Klettergerüst mit Rutschbahn. Und für mich heisst ein Mc-Besuch: kein Gemotze und Gezappel am Tisch, und ich kann in aller Ruhe meinen Espresso geniessen, weil die Kinder beschäftigt sind, nachdem sie ihre Chicken Nuggets runtergeschlungen haben. 

Bleibt noch die Frage nach Süssem. Wie oft? Wie viel? Meine Tochter würde sich ganz von Zuckerzeugs ernähren, wenn man sie liesse. Und sie ist äusserst kreativ, wenn es darum geht, sich dieses zu erbetteln. Letzthin schwor sie zum Beispiel nach einer Mittelohrentzündung, der Arzt habe gesagt, sie müsse die Antibiotika zusammen mit Schokolade nehmen. Ich habe übrigens auch schon probiert, sie so viel von dem Zeug essen zu lassen, bis sie kotzen musste - in der Hoffnung, sie würde mindestens ein paar Wochen lang geheilt sein von ihrer Süssigkeiten-Sucht. Sie fragte bereits am Tag darauf wieder danach... Ostern läuft bei uns jeweils so ab: An Ostersonntag und -montag dürfen sie so viel reinbeigen, wie sie mögen. Was übrig bleibt, wird konfisiziert. Zum Glück gibts da eine Truppe, die noch verfressener ist als meine Kinder: meine Redaktion! Für die doch recht ahnsehnliche Menge Oster-Überbleibsel, die ich mitbrachte, brauchte sie nicht mal einen Tag. Zum Glück wissen das meine Kinder nicht.

Weitere Blogs von Sandra C. gibts im SI-online-Dossier.